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Hayman dreht das Spiel - SC Hennef verabschiedet sich mit Feuerwerk

Wenn es eines Beweises bedurfte, dass Fußball manchmal schlicht ein Geduldsspiel ist, dann lieferte ihn der SC Hennef am 34. Spieltag der 2. Liga Deutschland. Vor 17.766 Zuschauern im heimischen Stadion verwandelte die Elf von Giovanni Diaco ein frühes Schockmoment in einen 2:1-Sieg gegen den Sievershäger SV - und das mit einer Mischung aus jugendlichem Übermut, taktischer Disziplin und einer guten Portion Sturheit.

Die Partie begann, wie sie kein Heimtrainer sehen möchte: Kaum hatte Schiedsrichterin Wenzel angepfiffen, da zappelte der Ball schon im Netz der Hennefer. In der 5. Minute setzte sich der agile Tomas Riedel von Sievershagen nach einem langen Ball von Knut Klug durch und traf trocken ins linke Eck. Torwart Asier Beto war noch dran, sah aber aus, als hätte er gerade einen vorbeifliegenden Meteor verpasst. "Ich dachte, ich hätte ihn - aber der Ball hatte andere Pläne", grinste Beto später gequält.

Sievershagen, unter der Leitung von Coach Foll Fosten, spielte forsch und auf Konter, ganz nach Plan. Der frühe Treffer gab den Gästen Selbstvertrauen, während Hennef erst einmal die Ordnung suchte. Trotz 55 Prozent Ballbesitz und deutlich mehr Torschüssen (14:5) fehlte in der ersten Halbzeit die Präzision. Dominique Hayman, der junge Linksaußen mit der Dynamik eines Espresso doppio, prüfte den gegnerischen Keeper mehrfach (10., 29., 38., 41.), aber Alexandre Tremblay im Sievershäger Tor hatte einen glänzenden Abend - zumindest bis zur Pause.

"In der Kabine war’s laut", verriet Kapitän Ivica Dukic, der kurz vor der Pause noch Gelb gesehen hatte. "Giovanni hat uns gesagt, wir sollen endlich das machen, was wir trainieren - nämlich Fußball spielen."

Und siehe da: Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, drehte sich das Spiel. In der 55. Minute kam die Kugel über rechts, John Lockhart flankte scharf in den Strafraum, und Hayman rauschte heran wie ein verspäteter ICE. Mit der Innenseite lenkte er den Ball ins lange Eck - 1:1, und das Stadion erwachte.

Von da an spielte nur noch Hennef. Die Kombinationen liefen, die Pässe wurden kürzer und gefährlicher, genau wie Diacos Philosophie: "Kurzpass, Kurzpass, Tor - das ist mein Evangelium", meinte der Trainer später mit einem Augenzwinkern.

In der 75. Minute folgte dann die Erlösung. Wieder Hayman, wieder eiskalt - diesmal nach feiner Vorarbeit von Dukic. Der erfahrene Mittelfeldstratege hatte die Lücke gesehen, steckte durch, und Hayman vollendete souverän. 2:1, das Stadion bebte, und Diaco ballte an der Seitenlinie die Faust, als hätte er soeben ein Lotto-Ticket abgestempelt.

Sievershagen versuchte noch einmal, mit langen Bällen die Hennefer Defensive zu überrumpeln, doch Pau Alcantara und Christian Zeni standen stabil. Der letzte Versuch von Christopher MacQuarrie in der 85. Minute segelte in die Fankurve - sinnbildlich für die schwindende Hoffnung der Gäste.

"Wir haben’s einfach nicht mehr geschafft, den Schalter umzulegen", gab Fosten nach dem Spiel zu. "Und Hayman - na ja, der hatte heute einfach zu viel Kaffee getrunken."

Hayman selbst blieb bescheiden: "Zwei Tore sind schön, aber ohne die Jungs geht gar nichts. Ivica hat mir beim zweiten Treffer den Ball auf dem Silbertablett serviert." Ein Satz, der in Hennef wohl noch oft zitiert werden dürfte.

Statistisch war der Sieg verdient: 14 Torschüsse zu 5, 55 Prozent Ballbesitz, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Hennef kontrollierte das Spiel, auch wenn es phasenweise an Präzision mangelte. Sievershagen hielt tapfer dagegen, aber das offensive Konzept mit langen Bällen verpuffte zunehmend, je stärker Hennef ins Pressing kam.

Nach dem Schlusspfiff jubelte der SC Hennef ausgelassen. Trainer Diaco wurde mit einer Wasserflasche "getauft", und der sichtlich mitgenommene Keeper Beto umarmte seinen Doppeltorschützen mit den Worten: "Danke, dass du mich gerettet hast, Bruder."

Foll Fosten hingegen verschwand wortlos im Kabinentrakt - vielleicht, um nachzudenken, vielleicht, um einfach nur zu duschen.

Am Ende bleibt ein Spiel, das alles bot: Spannung, Wendungen, Emotionen - und eine Moral, die jeder Sonntagskicker versteht: Wer dranbleibt, wird belohnt. Oder, wie es Giovanni Diaco formulierte: "Manchmal dauert es halt 55 Minuten, bis der Wecker klingelt."

Ein versöhnlicher Saisonabschluss für den SC Hennef - mit einem jungen Helden namens Hayman, der sich an diesem Abend in die Herzen der Fans schoss.

25.04.643990 06:12
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Erich Ribbeck
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