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Es war ein lauer Aprilabend in Eindhoven, 43.500 Zuschauer, Flutlicht, Bier in Plastikbechern - und am Ende wieder einmal diese bedrückende Stille, die nur dann im Stadion einkehrt, wenn die heimische Mannschaft soeben einen jener Abende hingelegt hat, über die man am liebsten gar nicht reden möchte. Der FC Heerenveen kam, sah und siegte - und das gleich dreifach: 3:0 hieß es am Ende für die Gäste. Dabei hatte alles recht verheißungsvoll begonnen. Schon in den ersten Minuten schickte PVC Eindhoven seine Flügelspieler los, als wolle man den Gegner überrollen. Vidar Thomassen, Innenverteidiger und heimlicher Scharfschütze, prüfte nach vier Minuten den Gästekeeper Gerard Van Keuren - der aber offenbar beschlossen hatte, heute keinen Ball durchzulassen. "Ich dachte, der Ball sei perfekt platziert", murmelte Thomassen später, "aber anscheinend war der Torwart anderer Meinung." Eindhoven führte in der Statistik sogar leicht beim Ballbesitz - 52,9 Prozent - und schoss insgesamt achtmal aufs Tor. Leider war das Tor von Heerenveen offenbar mit einem unsichtbaren Schutzschild versehen. Die Gäste hingegen nutzten ihre 15 Abschlüsse eiskalt: Wouter Wyman eröffnete kurz vor der Pause nach Vorarbeit von Koenraad Vandermark das Schützenfest (40.). Ein Treffer, so fein herausgespielt, dass selbst einige Heimfans kurz klatschten - und dann merkten, dass das unangebracht war. Nach der Pause wechselte Trainer Markus Frey den jungen Dedrick Dag ein, wohl in der Hoffnung auf ein stabileres Zentrum. Doch die Partie kippte in eine andere Richtung. Harold Putnam sah erst Gelb (30.), dann in der 63. Minute Gelb-Rot - und marschierte mit hochrotem Kopf vom Platz. "Ich wollte nur den Ball spielen", verteidigte er sich, "aber der Ball hat sich zu spät entschieden, da zu sein." Frey fasste sich an die Stirn, drehte sich um und trat gegen eine Trinkflasche, die fortan auf der Trainerbank ein trauriges Dasein fristete. Nur eine Minute später folgte die kalte Dusche: Leon Bailey, erst 20 Jahre jung, jagte den Ball nach Zuspiel von Innenverteidiger Hanson Van Keuren in den Winkel (64.). 2:0 - und das Stadion verstummte. "Wir wollten eigentlich ruhig bleiben", grinste Heerenveen-Coach Adam Kramer später, "aber Leon hat da offenbar andere Pläne gehabt." Eindhoven mühte sich, suchte Giuseppe Romagnoli im Sturmzentrum, der zwar zweimal gefährlich abschloss (27. und 31.), aber an Van Keuren scheiterte. Einmal flog der Ball so knapp vorbei, dass ein Zuschauer in der dritten Reihe reflexartig den Kopf einzog - vergeblich, der Ball traf die Werbebande. Heerenveen hingegen spielte nun mit der Leichtigkeit einer Mannschaft, die wusste, dass sie heute alles im Griff hat. Wyman, der schon das erste Tor erzielt hatte, setzte in der 87. Minute den Schlusspunkt - mustergültig bedient von Bailey, der sich zuvor auf der rechten Seite durchgetänzelt hatte, als spiele er gegen Hütchen. 3:0. Spiel, Satz und Frikandel. Trainer Frey wirkte danach erstaunlich gelassen. "Wir hatten mehr Ballbesitz", sagte er mit einem schmalen Lächeln, "das ist doch auch was." Sein Gegenüber Kramer lachte: "Ballbesitz gewinnt keine Spiele, Tore schon. Und davon hatten wir heute ein paar." Statistisch gesehen war das Ergebnis so eindeutig wie gerecht: Heerenveen war in fast allen Belangen einen Schritt schneller, einen Gedanken klarer, und vielleicht auch einfach besser gelaunt. Die Tackling-Quote sprach mit 53 zu 47 Prozent für die Gäste, die obendrein disziplinierter blieben - keine einzige Karte, während Eindhoven gleich dreimal Gelb und einmal Gelb-Rot kassierte. In den letzten Minuten wechselte Kramer noch munter durch - Joris Van Schoonhoven und Karel Costar durften in der 89. Minute kurz Erstligaluft schnuppern. Und als ob es das Symbol des Abends wäre, kam Eindhoven in der 90. Minute noch zu einem letzten Wechsel: Velimir Jolovic ersetzte Nicolaas Vanderveer. Ein symbolischer Akt - die Zukunft ersetzt die Vergangenheit. Nur, dass die Zukunft an diesem Abend nicht mehr stattfand. Als der Schlusspfiff ertönte, ging ein kollektives Aufatmen durchs Stadion. Nicht Erleichterung, sondern diese spezielle Form der Resignation, die Fußballfans so kultiviert haben: ein Schulterzucken, ein "Heute halt nicht". Und irgendwo in der Kabine von Heerenveen soll Leon Bailey gesagt haben: "Ich glaube, wir hätten noch zwei machen können." Wyman habe nur gelacht: "Lass uns die fürs nächste Spiel aufheben." Eindhoven dagegen wird sich sortieren müssen - defensiv stabil, aber ideenlos nach vorn, und mit einem Hang zur Selbstsabotage. Ein Abend, der in keiner Highlight-Zusammenfassung fehlen wird - allerdings aus den falschen Gründen. Schlusswort: Wenn die Statistik sagt, du hattest mehr Ballbesitz, aber weniger Spaß - dann war wohl Heerenveen der Gegner. 02.04.643997 21:22 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack