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Ein Dienstagabend in Bochum-Hordel, Flutlicht, 29.342 Zuschauer, die Bratwurst dampft - und nach einer Minute dürfte so mancher Fan sich verschluckt haben. Denn da zappelte der Ball schon im Netz: Der 17-jährige Helmut Heise vom SV Warnemünde traf, als andere noch ihren Sitzplatz suchten. Am Ende hieß es 0:2 (0:2) aus Sicht des TuS Hordel - und der Teenager aus dem Norden war der Mann des Abends. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Heise später, als wäre es das Normalste der Welt, in der 2. Liga gleich in der ersten Minute zu treffen. Doch was der Youngster da ablieferte, war kein Zufallstreffer: Freigespielt vom Routinier Maik Stephan, lupfte er den Ball abgebrüht über den herauseilenden Hordel-Keeper Davide Lorenzo hinweg. Trainer Horst Horstmann kommentierte trocken: "Der Junge hat keine Angst - und offenbar auch keine Ahnung, dass man sowas eigentlich nicht macht." Hordel, von Coach Ute Finkeldy offensiv eingestellt, versuchte, den Schock wegzustecken. Doch die Offensive blieb Stückwerk. Andre Lange (34) rackerte auf links, Berndt Brand mühte sich in der Mitte, aber die langen Bälle verpufften. Nach 13 Minuten schepperte es beinahe: Olav Anders zog ab, doch Finn Bertram im Warnemünder Tor war zur Stelle. "Wir wollten früh stören und dann schnell umschalten", erklärte Finkeldy später, "aber irgendwie schalteten eher wir ab." Tatsächlich: Warnemünde dominierte mit 57 Prozent Ballbesitz und fast zweieinhalbmal so vielen Torschüssen (19:8). Immer wieder tauchten die agilen Heise, Römer und Seifert gefährlich vor dem Kasten auf. Kurz vor der Pause dann die Vorentscheidung: Wieder Heise, diesmal nach schönem Zuspiel des eingewechselten Manuel Pelegrin in der 42. Minute. Der 17-Jährige nahm den Ball mit der Brust an, ließ seinen Gegenspieler Blum ins Leere laufen und schob flach zum 0:2 ein. Im Hordeler Fanblock wurde es merklich stiller - nur einer rief: "Wenigstens ist der Junge gut!" Die zweite Halbzeit begann mit einem Wechsel-Festival bei den Gastgebern: Gleich drei Neue kamen zur Pause - darunter Torwart Kay Fuhrmann, der den unglücklichen Lorenzo ablöste. "Ich wollte frische Energie reinbringen", so Finkeldy. "Und vielleicht ein bisschen Hoffnung." Doch die Hoffnung blieb, was sie war: theoretisch. Zwar kam Hordel zu einigen Abschlüssen - Lange in der 55. und 67. Minute, Günther in der 58. - aber stets fehlte die Präzision. Berndt Brand verletzte sich zudem nach einem Zusammenprall und humpelte vom Feld. "Das war sinnbildlich für unser Spiel", knurrte Mittelfeldmann Sascha Günther, der schon in der vierten Minute Gelb gesehen hatte. "Viel Einsatz, wenig Ertrag." Warnemünde dagegen spielte die Partie souverän zu Ende. Coach Horstmann ließ nach der Pause etwas Tempo raus, gönnte in der 83. Minute sogar seinem Linksverteidiger Eskil Kristinsson eine Pause - und brachte den routinierten Marcos Goncalves. In der 90. Minute durfte dann auch Keeper Kai Wild noch ran, damit Finn Bertram sich feiern lassen konnte. "Der Junge hat heute alles gehalten, was zu halten war", lobte Horstmann. Eine Szene blieb besonders hängen: In der 81. Minute sah Kristinsson Gelb, nachdem er den davongeeilten Lange rustikal stoppte. "War Ball gespielt!", rief er dem Schiedsrichter hinterher - während der Ball gut zwei Meter entfernt lag. Selbst Horstmann grinste: "Das war norddeutscher Realismus." Nach dem Schlusspfiff klatschten die Warnemünder ausgelassen mit ihren mitgereisten Fans. Heise, blutjung und breitschultrig, stand dazwischen und wusste gar nicht so recht, wohin mit seiner Freude. "Ich hab noch Schule morgen", meinte er lachend. "Mal sehen, ob ich da pünktlich bin." TuS Hordel dagegen muss sich fragen, wohin die Reise geht. Nur 42 Prozent Ballbesitz, kaum zwingende Aktionen, und ein Gegner, der in fast jeder Phase cleverer wirkte. Trainerin Finkeldy nahm’s mit Galgenhumor: "Wenn man in der ersten Minute pennt, hat man eben 89 Minuten Zeit, das zu bereuen." Und irgendwo auf der Pressetribüne schrieb einer mit: Helmut Heise, 17 Jahre jung, zwei Tore - und vielleicht schon morgen ein gefragter Name im deutschen Fußball. Schlusswort gefällig? In Hordel wird man künftig wohl noch öfter pünktlich sein - zumindest zum Anpfiff. Denn wer zu spät kommt, den bestraft diesmal nicht das Leben, sondern ein Teenager aus Warnemünde. 13.09.643993 07:23 |
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