Sverige Fotboll
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Helsingborg dreht das Spiel: Späte Wende bei Brommapojkarna

Es war ein lauer Sommerabend in Stockholm, einer jener Abende, an denen sich die 38.350 Zuschauer im Grimsta IP-Stadion fragten, ob sie eher ein Schachspiel oder ein Fußballspiel gebucht hatten. Lange Zeit passierte wenig - oder vielmehr: es passierte vieles, aber nichts Zählbares. IF Brommapojkarna und Helsingborg FF lieferten sich am 7. Spieltag der schwedischen 1. Liga eine Partie, die in der ersten Halbzeit so ausgeglichen war, dass selbst der Ball nicht wusste, wem er eigentlich gehören sollte.

Die Gastgeber hatten zwar etwas mehr vom Spiel (52,8 Prozent Ballbesitz, wenn man es ganz genau nimmt), aber ihre Offensive wirkte wie ein schwedisches Mittsommerbuffet - bunt angerichtet, aber am Ende fehlte die Würze. Aleksandar Stankovic prüfte früh den Gästetorwart Urban Brun (16. Minute), Juanito Carvalho traf aus spitzem Winkel nur das Außennetz (24.), und Trainer Andreas Godejohann gestikulierte an der Seitenlinie, als wolle er einen Hubschrauber einweisen. "Wir hätten zehn Tore schießen können, wenn das Tor doppelt so groß wäre", knurrte er später mit einem bitteren Lächeln.

Helsingborg hingegen hielt sich zunächst an den Matchplan von Coach Lars Vegas: tief stehen, kontern, beten. Und tatsächlich, das Konzept "Defensive & Hoffnung" funktionierte erstaunlich gut. Theo Hiliard, der 34-jährige Mittelfeldstratege, zog die Fäden, auch wenn die Fäden manchmal eher zu einem Wollknäuel wurden. "Wir wollten sie einlullen", sagte Hiliard später augenzwinkernd, "und ehrlich gesagt, wir haben uns dabei fast selbst eingeschläfert."

Dann kam die 67. Minute, und plötzlich war Feuer im Spiel. Sergio Antunes setzte sich mit einem feinen Dribbling durch, legte quer, und Juanito Carvalho drückte den Ball aus kurzer Distanz über die Linie - 1:0 für Brommapojkarna! Das Stadion tobte, Carvalho rannte jubelnd zur Eckfahne, während Godejohann an der Seitenlinie die Faust ballte. "Endlich!", schrie er - und man konnte ihm die Erleichterung ansehen.

Doch der Jubel hielt kaum länger als ein IKEA-Schrankaufbau ohne Anleitung. Nur fünf Minuten später schlug Helsingborg zurück. Der gerade eingewechselte 19-jährige Pol Zorrilla, dessen Gesichtsausdruck noch zwischen Schulabschlussfeier und Profi-Debüt schwankte, traf in der 72. Minute nach Vorlage von Theo Hiliard zum Ausgleich. Ein Flachschuss ins lange Eck, eiskalt wie ein skandinavischer Winter. "Theo hat mir gesagt: ’Mach’s einfach’ - also hab ich’s gemacht", grinste Zorrilla hinterher, während sein Trainer Lars Vegas stolz nickte: "So spielt die Jugend, ohne Angst, ohne Nachdenken - manchmal sogar ohne Papiere."

Brommapojkarna wirkte nach dem Gegentor konsterniert. Trotz weiterhin offensiver Ausrichtung - Offensive, ausgewogen, sicherer Abschluss, so stand es vermutlich auch in Godejohanns Taktikmappe - schlichen sich Nervosität und Ungenauigkeit ein. Sergi Antunes scheiterte noch einmal (76.), dann kam die kalte Dusche kurz vor Schluss: In der 85. Minute setzte sich Zorrilla erneut stark auf links durch, flankte butterweich in die Mitte, und der 21-jährige Martin Garcia köpfte zum 1:2 ein. Der Gästeblock explodierte, die Bank sprang auf, und Lars Vegas riss die Arme in die Luft, als hätte er gerade den Eurovision Song Contest gewonnen.

"Das war pure Leidenschaft", schwärmte Garcia nach dem Spiel. "Ich hab nur die Flanke gesehen und gedacht: Kopf hin, Augen zu - und hoffen, dass der Ball das Richtige tut." Tat er.

In den letzten Minuten warfen die Brommapojkarna alles nach vorne, inklusive der guten Manieren. Patrick Siebert, der Linksverteidiger mit dem Temperament eines Kettenblitzes, sah in der 61. Minute Gelb und hätte später fast noch eine zweite Karte kassiert, weil er den Schiedsrichter zu laut fragte, ob dessen Pfeife kaputt sei.

Am Ende blieb es beim 1:2. Statistisch gesehen war es ein Duell auf Augenhöhe - 11 zu 12 Torschüsse, Ballbesitz leicht pro Heimteam -, doch der Unterschied lag in der Effizienz. Helsingborg traf, Brommapojkarna traf Pfosten, Torwart und manchmal das Fangnetz hinter dem Tor.

Trainer Godejohann resümierte trocken: "Wir haben das Spiel kontrolliert, aber leider nicht das Ergebnis." Sein Gegenüber Vegas grinste: "Manchmal ist Kontrolle auch überbewertet."

So endete ein Abend, der mit taktischem Schach begann und mit jugendlicher Unbekümmertheit entschieden wurde. Helsingborg FF klettert dank der späten Treffer von Zorrilla und Garcia in der Tabelle, während Brommapojkarna weiter nach der richtigen Mischung zwischen Ballbesitz und Biss sucht.

Und irgendwo in Stockholm wird noch immer ein Fan seufzen: "Schön gespielt, aber gewonnen haben wieder die anderen."

27.12.644002 18:41
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