Sportwoche
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Henndorf trifft achtmal - aber nur fünfmal ins Tor

Ein lauer Märzabend in Kohfidisch, Flutlicht, 13.588 Zuschauer - und ein Spiel, das man getrost als Offensivspektakel mit Defensiv-Horrorfilm-Elementen bezeichnen darf. Am 12. Spieltag der 2. Liga Österreich gewann Union Henndorf mit 5:3 bei einem tapfer anrennenden, aber hinten löchrigen SC Kohfidisch. Die Gäste zeigten, warum sie zu den offensivsten Teams der Liga zählen, während die Hausherren bewiesen, dass man auch mit Mut und Chaos für Unterhaltung sorgen kann.

Schon nach acht Minuten platzte der Henndorfer Jubel los: Jannis Schüler, der Mann mit der Rückennummer 9 und dem Instinkt eines Trüffelschweins im Strafraum, staubte nach feiner Vorarbeit von Phillip Fink zum 0:1 ab. Trainer Micha Roost von Kohfidisch raufte sich die Haare: "Wir hatten den Ball eigentlich schon - dachte ich zumindest", knurrte er nach dem Spiel.

Henndorf blieb dran. Während Kohfidischs Verteidigung teilweise noch den ersten Gegentreffer verdaut hatte, probierten es die Gäste im Minutentakt. 20 Schüsse aufs Tor verzeichnete die Statistik, und das sah man auch. In der 44. Minute war es schließlich Marwin May, eigentlich Innenverteidiger, der nach einer Ecke von, richtig geraten, Phillip Fink zum 0:2 einköpfte. "Ich bin da einfach mal vorne geblieben, weil’s Spaß macht", grinste May später.

Nach der Pause ging es weiter wie gehabt - Henndorf spielte weiter nach vorne, als gäbe es keine Rückwärtsbewegung. Ingo Esclapez erhöhte in der 50. Minute auf 0:3. Der 28-jährige Flügelflitzer hatte sich zuvor mit Richard Horst per Doppelpass durch die Kohfidischer Abwehr gewirbelt, und als Torhüter Ricardo Conceicao sich entscheiden musste, ob er raus oder drinnen bleiben sollte, tat er beides nicht.

Aber dann geschah das, was Fußball so herrlich unberechenbar macht: Kohfidisch erwachte. In der 63. Minute donnerte Innenverteidiger Tyler Whelan aus dem Nichts einen Abpraller zum 1:3 unter die Latte. Eine Minute später ließ Fernando Mendes per Volleyschuss das Stadion beben - 2:3! "Da haben selbst unsere Ersatzspieler kurz geglaubt, wir gewinnen das noch", sagte Roost mit einem müden Lächeln. Und als in der 71. Minute der erst 19-jährige Fabian Engelhardt nach Vorlage von Oldie Hartmut Bergmann das 3:3 erzielte, war die Hütte endgültig am Kochen.

Henndorf wankte, aber fiel nicht. Der erfahrene Richard Horst, 34 und Kapitän, nahm sich das Spiel zu Herzen - und einen Ball aus 20 Metern. Sein Schuss zum 3:4 in der 76. Minute war eine Lehrstunde in Sachen Präzision. "Ich dachte, ich probier’s einfach. Wenn man alt ist, muss man clever sein", witzelte Horst danach.

Den Schlusspunkt setzte in der 90. Minute erneut Ingo Esclapez, diesmal nach feinem Zuspiel von Jannis Schüler. 3:5 - und vielleicht das schönste Beispiel für den alten Satz: Angriff ist die beste Verteidigung, solange man trifft.

Die Zahlen untermauern das Spektakel: 51,8 Prozent Ballbesitz für Henndorf, 8 Torschüsse bei Kohfidisch, 20 bei den Gästen. Ein ausgeglichenes Mittelfeldspiel war das nicht - eher ein offener Schlagabtausch zweier Teams, die das Verteidigen als optional betrachten.

Ein besonderes Kuriosum: Bereits in der 24. Minute musste Kohfidischs Routinier Pau Albinana verletzt vom Platz. "Ich hab’ nur kurz gezwinkert, und plötzlich war’s die Leiste", sagte der 37-Jährige später mit Galgenhumor. Für ihn kam Hartmut Bergmann, der später zwei Assists beisteuerte - ein Joker, wie ihn sich jeder Trainer wünscht.

Henndorfs Coach, der nach dem Spiel sichtlich zufrieden wirkte, fasste das Geschehen mit einem Augenzwinkern zusammen: "Wir wollten offensiv spielen - das hat man, glaube ich, gemerkt. Dass wir hinten ein bisschen offener sind, nun ja... das gehört zum Konzept."

Kohfidischs Trainer Roost hingegen wollte trotz der Niederlage Positives sehen: "Wir haben drei Tore gemacht. Leider auch fast drei Eigentore, aber das Publikum hatte Spaß."

Und so endete ein Freitagabend, der mehr Tore als Taktik sah, mit zufriedenen Zuschauern und müden Abwehrreihen. Wer neutral war, ging glücklich nach Hause. Wer Kohfidisch-Fan war, griff wohl zum Beruhigungstee.

Fazit: Henndorf bleibt die wohl spektakulärste Wundertüte der Liga, Kohfidisch das Team mit dem größten Unterhaltungswert - in beide Richtungen. Wenn jedes Spiel so läuft, sollte man Eintrittskarten künftig mit Herztabletten verkaufen.

18.03.643994 23:14
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