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Ein lauer Februarabend, Flutlicht, 19.894 Zuschauer im Hennefer Stadion - und ein SC Hennef, der so tat, als wolle er die 2. Liga an diesem 32. Spieltag im Alleingang neu erfinden. Mit einem furiosen 4:1 schickte die Mannschaft von Giovanni Diaco die FT Schweinfurt auf die lange Heimreise - und das mit einer Mischung aus jugendlicher Unbekümmertheit und taktischer Disziplin, die man sonst eher aus Fußballmärchen kennt. Schon in der dritten Minute donnerte Dominique Hayman, 21 Jahre jung, den Ball nach feiner Vorarbeit von Caio Alves ins Netz. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Hayman später, "aber dann dachte ich: Ach komm, probier’s mal." Das Stadion tobte, und von da an roch alles nach einem Hennefer Abend. Schweinfurt hingegen brauchte eine Weile, um überhaupt zu begreifen, dass das Spiel begonnen hatte. Trainer Kevin Ferry stand früh mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, murmelte etwas von "Defensivordnung" - die seine Mannschaft offenbar auf dem Parkplatz gelassen hatte. In der 26. Minute war wieder Caio Alves im Mittelpunkt, diesmal als Vollstrecker. Der 32-Jährige, der sonst lieber den Takt im Mittelfeld vorgibt, zog nach Pass von Jürgen Adam trocken ab - 2:0. Und kaum hatte der Stadionsprecher den Torschützen verkündet, verkürzte Schweinfurt überraschend: Helmut Jürgens traf nur eine Minute später nach Zuspiel von Noah Winfield zum 2:1. Ein kurzes Aufflackern der Hoffnung, das genau so schnell wieder verlosch wie ein Streichholz im Sturm. Denn Hennef hatte an diesem Abend Lust auf mehr. In der 39. Minute war es erneut Hayman, der nach feinem Doppelpass mit Ivica Dukic den Ball unter die Latte hämmerte - 3:1. Diaco klatschte zufrieden in die Hände, während sein Gegenüber Ferry mit leerem Blick in Richtung Anzeigetafel starrte. "Wenn du gegen so ein Flügelspiel anrennst, brauchst du eigentlich ein Boot", sagte er später sarkastisch. Die Statistik sprach Bände: 22 Torschüsse zu 5, 58 Prozent Ballbesitz, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Hennef kontrollierte, Schweinfurt reagierte - wenn überhaupt. Und dennoch gab’s kleine Dramen: Caio Alves musste kurz vor der Pause verletzt raus, hielt sich den Oberschenkel und humpelte vom Platz. Larry Vrooman kam für ihn - und fügte sich nahtlos ein, als hätte er nie etwas anderes getan. Zur Halbzeit war das Spiel im Grunde entschieden, aber Hennef wollte’s wissen. Nach einer Stunde schnürte die Mannschaft die Gäste endgültig ein, und in der 64. Minute sorgte ausgerechnet Linksverteidiger Christian Zeni für das Sahnehäubchen. Nach einem Pass von John Lockhart stürmte er über den halben Platz, zog ab, und der Ball zappelte im Netz - 4:1. "Ich dachte, der Trainer schreit mich gleich an, weil ich so weit vorne war", lachte Zeni nach dem Spiel, "aber dann hab ich einfach geschossen." Schweinfurt versuchte zwar, mit Härte und langen Bällen dagegenzuhalten - was ihnen immerhin eine Gelbe Karte für Menachem Lieberman einbrachte -, doch Hennef blieb Herr im eigenen Haus. Selbst nach 80 Minuten, als Vitor Fortun und Sideris Anagnostou noch einmal halbherzig auf das Tor von Asier Beto zielten, blieb der Keeper cool. "Ich hab mir mehr Arbeit gewünscht", witzelte er nach dem Abpfiff, "aber die Jungs vorne wollten mich wohl schonen." Giovanni Diaco war nach Schlusspfiff die Gelassenheit in Person. "Wir haben heute gezeigt, dass wir nicht nur kämpfen, sondern auch spielen können", sagte er, während neben ihm Hayman bereits Selfies mit den Fans machte. "Dominique war überragend - zweimal getroffen, zehnmal gelächelt." Sein Kollege Ferry wirkte dagegen, als würde er lieber die Busfahrt verschlafen. "Wir waren in jeder Hinsicht einen Schritt zu spät", knurrte er. "Vielleicht hätten wir vorher die Hennefer Flügel stutzen sollen." Als die Zuschauer längst auf dem Heimweg waren, hörte man noch ein paar Jugendliche auf der Tribüne singen, während die Flutlichter langsam erloschen. Ein Abend, der den Hennefer Spielern sicher im Gedächtnis bleiben wird - und den Schweinfurtern vermutlich in den Albträumen. Denn wenn man 90 Minuten lang von einer Mannschaft mit "BALANCED"-Taktik über die Flügel auseinandergenommen wird, hilft auch kein "OFFENSIVE COUNTER"-Plan. Manchmal ist Fußball eben ganz einfach: Wer den Ball hat, hat Spaß. Und Hennef hatte an diesem Abend eine Menge davon. Oder, wie Kapitän Dukic es mit einem Augenzwinkern zusammenfasste: "Wenn wir so weiterspielen, brauchen wir bald Sonnencreme - da oben in der Tabelle brennt’s ja ordentlich." 02.04.643990 03:00 |
Sprücheklopfer
Gerade diesen Nike-Spot sehe ich sehr negativ. Es beginnt jetzt die Reisezeit. Stellen Sie sich nur vor, die Kinder beginnen jetzt auf den Flughäfen mit Bällen herumzudribbeln.
Berti Vogts