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Es war ein nasskalter Januarabend, an dem die 18.968 Zuschauer im Hennefer Stadion schnell vergaßen, dass sie eigentlich lieber auf der Couch geblieben wären. Der SC Hennef besiegte den SV Meppen mit 3:2 (3:2) - ein Ergebnis, das so spektakulär zustande kam, dass man sich in der Halbzeit ungläubig die Augen rieb. Fünf Tore in 24 Minuten, danach 66 Minuten Krampf, Kampf und Kälte - das war Fußballunterhaltung mit doppeltem Espresso und anschließender Baldriantablette. Schon nach zwölf Minuten brandete der erste Jubel auf, als ausgerechnet Linksverteidiger Christian Zeni den Ball nach einem feinen Zuspiel von Ivica Dukic in die Maschen drosch. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Zeni nach dem Spiel, "aber wenn der Ball dann so schön reingeht, sag ich natürlich: Alles so geplant." Nur vier Minuten später revanchierte sich Dukic selbst, verwandelte einen Pass von Larry Vrooman mit der Ruhe eines Steuerberaters in der Sommerpause zum 2:0. Die Meppener wirkten in dieser Phase wie Touristen, die in der falschen Stadt ausgestiegen waren. Trainer Daniel Borgmann schüttelte bereits nach dem zweiten Treffer fassungslos den Kopf. "Wir sind defensiv aufgetreten wie beim Tag der offenen Tür", knurrte er. Doch damit nicht genug: In der 19. Minute erhöhte Dominique Hayman nach Vorarbeit von John Lockhart auf 3:0 - und das Stadion vibrierte. Trainer Giovanni Diaco riss die Arme hoch, drehte sich zur Bank und rief: "Ich hab’s euch gesagt, heute geht was!" Die Hennefer Fans sangen, die Meppener Spieler hingegen blickten sich an, als hätten sie gerade erfahren, dass der Bus schon zurückgefahren ist. Aber wer glaubte, das Spiel sei entschieden, unterschätzte die Hartnäckigkeit des SV Meppen. In der 34. Minute war es Joel Völker, der eine präzise Vorlage von Matthias Bock nutzte und den Ball ins linke Eck schlenzte - 3:1. Das Tor wirkte wie eine kalte Dusche für Hennef. Nur zwei Minuten später legte Lukas Rieger nach, erneut nach Vorarbeit von Bock. Plötzlich stand es 3:2, und die Partie war wieder offen wie ein Roman ohne Ende. "Da haben wir kurz die Ordnung verloren", gab Hennefs Kapitän Dukic später zu. "Drei Tore in zwanzig Minuten sind schön, zwei Gegentore in zwei Minuten deutlich weniger." Die Zuschauer spürten, dass Meppen jetzt Blut geleckt hatte. Johannes Stark, eben noch mit Gelb bedacht, rannte, grätschte, dirigierte - und schoss, was das Leder hergab. Ganze 17 Torschüsse gaben die Gäste ab, einer mehr als Hennef. Doch am Ende blieb es beim knappen Rückstand. Die zweite Halbzeit war dann das, was man in Hennef "kontrolliertes Zittern" nennt. Hennef hatte 57 Prozent Ballbesitz, aber wenig Mut zum Risiko. Meppen drückte, doch Torwart Asier Beto fischte alles heraus, was kam. In der 61. Minute verpasste Johannes Stark den Ausgleich um Zentimeter, und beim nächsten Versuch (65.) war wieder Beto zur Stelle. "Ich hab einfach gehofft, dass der Ball mich trifft - und er tat mir den Gefallen", lachte der Keeper hinterher. Borgmann brachte frische Beine: Joao Da Cru, Marko Kluge und später den 19-jährigen Niko Michel, der sofort für Wirbel sorgte. Doch Hennef verteidigte mit Leidenschaft und einer Prise Chaos. Diaco gestikulierte wild an der Seitenlinie, während der Ball in der Schlussphase wie ein Flummi zwischen den Strafräumen hin- und hersprang. In der Nachspielzeit stand das gesamte Stadion, als Meppen noch einmal in den Strafraum kam. Völker zog ab - und wieder war Beto da. "Wenn der reingeht, reden wir hier über ein 3:3 und eine ganz andere Geschichte", meinte Borgmann, diesmal mit einem bitteren Lächeln. So aber blieb es beim 3:2 und einem Hennefer Sieg, der so verdient wie wacklig war. "Wir haben heute Fußball gearbeitet, nicht gespielt", fasste Diaco zusammen. "Aber ehrlich: Arbeit kann manchmal richtig schön sein." Und so gingen die Zuschauer mit roten Nasen, aber warmen Herzen nach Hause. Es war ein Spiel, das man nicht so schnell vergisst - nicht wegen der taktischen Finesse, sondern wegen dieser wilden, ehrlichen 45 Minuten Fußball, die an alte Bolzplatzzeiten erinnerten. Vielleicht ist das das Geheimnis des SC Hennef in dieser Saison: Sie spielen nicht perfekt, aber sie spielen mit Herz. Und in einer Liga, in der oft das Reißbrett den Ball ersetzt, ist das fast schon romantisch. 18.06.643987 14:21 |
Sprücheklopfer
Halten Sie Ihre Klappe und spielen Sie Fußball, Herr Basler!
Otto Rehhagel