El Diario
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Hercules siegt spät: Cochabamba raubt Potosi in Minute 94 den Atem

25992 Zuschauer im Estadio Víctor Agustín Ugarte hielten am Samstagabend den Atem an - und viele davon wohl auch bis zur 94. Minute. Denn genau da, als sich die Heimfans des FC Potosi schon mit einem Unentschieden abgefunden hatten, schlug Mario Gomes für Hercules Cochabamba eiskalt zu. 2:1 hieß es am Ende für die Gäste, die mit einem Schuss spät in der Nachspielzeit das Spiel endgültig auf den Kopf stellten.

Dabei hatte es zunächst ganz nach einem kontrollierten Heimauftritt ausgesehen. Potosi-Coach Tina Detter ließ ihre Mannschaft offensiv anlaufen, aber ohne übermäßigen Druck. "Wir wollten den Ball laufen lassen, nicht rennen", erklärte sie später mit einem leicht sarkastischen Lächeln, "leider lief der Ball dann oft in die falsche Richtung."

Denn die Gäste aus Cochabamba, trainiert vom aufbrausenden Gabriel Chepas, waren von Beginn an auf Flügelangriffe programmiert. Schon in der 12. Minute prüfte Christiano Conceicao den Potosi-Keeper Georg Gudmundsson mit einem Distanzschuss. Eine Minute später drehte sich Bruno Galindo nach Pass von Mario Gomes einmal um die eigene Achse und nagelte den Ball sehenswert ins lange Eck - 0:1. "Ich hab’ einfach draufgehalten", grinste der 21-jährige Rechtsaußen nach dem Spiel, "und gehofft, dass keiner merkt, dass das eigentlich ein verunglückter Flankenversuch war."

Das frühe Tor schockte Potosi. Zwar hielten sie den Ballbesitz ausgeglichen (50,7 Prozent), doch im letzten Drittel fehlte die Präzision. Davorin Maric und Vicente Sa Pint schossen aus allen Lagen, aber Torwart Antonio Derlei parierte alles, was kam - meist mit der Lässigkeit eines Mannes, der schon beim Frühstück wusste, dass er heute nichts kassieren würde.

Erst nach der Pause kam Bewegung in die Partie. Eine Stunde war gespielt, als Potosis Linksverteidiger Ivar Carlsen den Ball gefühlvoll auf den zweiten Pfosten flankte, wo Davorin Maric per volley zum 1:1 traf. Das Stadion explodierte. "Da war wieder Leben drin", schnaufte Carlsen, "und ich dachte, wir drehen das jetzt. Aber Hercules - die haben halt diesen Typen da vorne."

Mit "diesem Typen" meinte er den bereits erwähnten Mario Gomes, der nicht nur das 0:1 vorbereitet, sondern auch in der Nachspielzeit zum Helden wurde. Zuvor jedoch hatte Hercules eine ruppige Phase überstehen müssen. Drei Gelbe Karten zwischen der 60. und 83. Minute - Pascal Lachance, Ricardo Jemez und Timm Behrendt sahen jeweils Gelb - zeigten, dass Chepas’ Männer aggressiv im Wortsinn interpretierten. "Ich hab ihnen gesagt: Wenn ihr schon foult, dann wenigstens taktisch klug", lachte der Trainer später, "aber sie haben mich wohl zu wörtlich genommen."

Und dennoch: Hercules blieb gefährlich. Elf Torschüsse insgesamt, fast doppelt so viele wie die Gastgeber. Rui Alves und Enrico Parisi prüften Gudmundsson mehrfach, und in der 91. Minute köpfte Gomes noch knapp drüber. Doch in der 94. Minute kam der große Moment. Nach einer Ecke von Lachance fiel der Ball irgendwie wieder zu Gomes, der aus dem Getümmel heraus zum 1:2 einschoss. Ein Stich ins Herz aller Potosi-Fans, die schon den Punkt gefeiert hatten.

"Das ist Fußball", seufzte Potosi-Trainerin Detter nach Abpfiff. "Mal trifft der Ball den Pfosten, mal trifft er dich mitten in die Seele." Und während sie das sagte, schmetterte die Gästekurve längst Lieder über Helden und letzte Minuten.

Hercules-Coach Chepas indes zeigte sich stolz - und ein bisschen spöttisch: "Wir wollten Flügelspiel, wir haben Flügelspiel bekommen. Und am Ende hat uns Mario die Flügel verliehen."

Statistisch war es eine enge Partie, aber in den entscheidenden Momenten zeigte Hercules einfach mehr Zielstrebigkeit. Potosi hatte zwar 50 Prozent Ballbesitz, doch bei den Torschüssen (7:11) und der Zweikampfquote (47 zu 52 Prozent) lagen die Gäste vorn.

Ein Fan auf der Tribüne brachte es nach dem Schlusspfiff auf den Punkt: "Wir haben alles gegeben - nur leider das Spiel."

Vielleicht ist das das Schicksal des FC Potosi in dieser Saison: viel Einsatz, wenig Ertrag. Für Hercules Cochabamba dagegen war dieser Auswärtssieg mehr als nur drei Punkte - es war eine Demonstration späten Willens.

Und irgendwo im nächtlichen Potosi, zwischen leeren Bierbechern und enttäuschten Gesichtern, dürfte man sich noch lange fragen, warum der Fußballgott manchmal erst in der 94. Minute antwortet.

03.02.643997 21:29
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Ich mache immer das, was mir gesagt wird. Das habe ich im Osten gelernt.
Jens Jeremies
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