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Es war ein Montagabend, der das Herz jedes Fußballromantikers höherschlagen ließ - zumindest, wenn man es mit CFC Hertha hält. Beim 3:1-Sieg gegen TuS Hordel boten die Gastgeber am 15. Spieltag der 2. Liga alles, was man von einem unterhaltsamen Fußballspiel erwarten darf: frühe Tore, flotte Kombinationen, ein bisschen Gelb, viel Einsatz - und jede Menge Gesprächsstoff. Schon nach drei Minuten bebte das Stadion an der Schwanenallee. Filipe Gamoneda, der Mann mit dem feinen Fuß und der noch feineren Übersicht, steckte den Ball mustergültig durch die Hordeler Abwehrreihe. Benyamin Richter, 31 Jahre jung und mit der Ruhe eines erfahrenen Stürmers, schob überlegt ein. 1:0 - und die 12.500 Zuschauer jubelten, als sei gerade der Aufstieg perfekt gemacht worden. "Ich hab’ einfach den Laufweg gespürt", grinste Richter später in der Mixed Zone, "und bei Filipe weißt du: Wenn du startest, kommt der Ball." Trainer Julian Hummel nickte zufrieden, doch warnte früh: "Das war gut, aber wir dürfen jetzt nicht glauben, das wird ein Spaziergang." Er sollte Recht behalten. Hertha kombinierte zwar gefällig, aber TuS Hordel, von Trainerin Ute Finkeldy energisch an der Seitenlinie dirigiert, dachte gar nicht daran, sich in die Rolle des Statisten zu fügen. Nach ein paar zaghaften Versuchen kam in Minute 37 der Paukenschlag: Rechtsverteidiger Tim Freitag, mit 37 Jahren ältester Mann auf dem Platz, zog einen flachen Pass in den Strafraum, wo Marvin Fink lauerte. Ein Drehschuss, ein Raunen - und der Ball zappelte im Netz. 1:1. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Fink später trocken. "Und diesmal ist er halt nicht auf dem Parkplatz gelandet." Die Hordeler jubelten, Hertha schüttelte sich - und die Partie war wieder offen. Mit einem intensiven 1:1 ging es in die Pause. Statistisch lag Hertha vorn - 53 Prozent Ballbesitz, elf Torschüsse bis dahin -, aber das Ergebnis war ausgeglichen. In der Kabine muss Hummel die richtigen Worte gefunden haben, denn nach dem Wiederanpfiff legte seine Mannschaft los wie ein D-Zug. In der 56. Minute war es wieder Gamoneda, der das Spiel lenkte. Mit einem eleganten Pass in den Lauf von Miroslav Bjelanovic öffnete er die Hordeler Abwehr wie eine Konservendose. Bjelanovic ließ sich nicht zweimal bitten, schlenzte den Ball aus halbrechter Position ins lange Eck - 2:1. Jubel, Fäuste, Erleichterung. "Das war fast schon Kunst", raunte ein Zuschauer auf der Haupttribüne. Und tatsächlich: Hertha spielte nun mit jener Selbstverständlichkeit, die Mannschaften zeigen, wenn sie wissen, dass sie heute einfach besser sind. TuS Hordel versuchte es weiter mit langen Bällen und Kontern, doch die Ordnung war dahin. Die endgültige Entscheidung fiel in der 82. Minute. Wer sonst als Filipe Gamoneda leitete den Angriff ein, legte quer auf Haim Ajalon, der von links in den Strafraum zog und trocken vollendete - 3:1. Ajalon riss die Arme hoch, rannte Richtung Fankurve und ließ sich feiern. "Endlich hab ich auch mal einen gemacht", lachte er später. "Filipe hat heute alles vorbereitet, da wollte ich ihm was zurückgeben - in Form eines Tores." TuS Hordel bäumte sich noch einmal kurz auf, doch mehr als ein harmloser Schuss von Günther Pfeiffer in der 86. Minute sprang nicht heraus. Hertha brachte das Ergebnis souverän über die Zeit. Trainerin Ute Finkeldy wirkte trotz der Niederlage gefasst: "Wir haben gut angefangen, aber Hertha war einfach konsequenter. Drei Chancen, drei Tore - so gewinnst du Spiele." Ihr Gegenüber Hummel fasste es anders zusammen: "Wir hätten auch fünf machen können. Aber ich will nicht meckern - das war eine reife Leistung." Mit 20:5 Torschüssen und einer Zweikampfquote von 56 Prozent war Hertha in allen Belangen überlegen. Der Sieg geht völlig in Ordnung - auch wenn der frühe Ausgleich kurz für Unruhe sorgte. Als die Spieler in die Kabinen verschwanden, blieb das Publikum noch lange applaudierend auf den Rängen. Einer rief laut: "Gamoneda for Kanzler!" - und man konnte nicht sicher sein, ob das ganz ironisch gemeint war. Ein Abend, der Hertha wieder in die Spur bringt und vielleicht mehr bedeutet als nur drei Punkte: das Gefühl, dass diese Mannschaft nicht nur spielen, sondern auch begeistern kann. Hordel dagegen reist mit leeren Händen, aber erhobenem Kopf ab. Und irgendwo auf der Pressetribüne notierte sich ein Kollege trocken: "Hertha offensiv, Hordel defensiv - das Ergebnis war logisch." So einfach kann Fußball manchmal sein. 02.05.643994 10:48 |
Sprücheklopfer
Ich habe keine Probleme mit Werner Lorant mal ein Bier zu trinken - oder auch mal ein Kaugummi zu kauen.
Lothar Matthäus