Haaretz Sports
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Herzliya Yellows drehen Rückstand in ein 4:2-Fest gegen Acre Seagulls

Ein warmer Aprilabend in Acre, 27.000 Zuschauer, ein Stadion zwischen Euphorie und Fassungslosigkeit - und am Ende eine Lektion in Effizienz, geliefert von den Herzliya Yellows. 2:4 hieß es nach 90 Minuten gegen die Acre Seagulls, die zwar mehr Ballbesitz hatten (52,7 %), aber weniger daraus machten. Die Yellows schossen doppelt so oft aufs Tor (14:7) und trafen viermal - mathematisch simpel, spielerisch beeindruckend.

Schon nach vier Minuten bebte das Stadion: Fritz Sahar, der Mann mit dem präzisen Fuß und dem noch präziseren Blick, zog nach Vorlage von Dani Tamuz ab - 1:0 für die Seagulls. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, aber er kam wie ein Bumerang zurück", grinste Sahar später. Trainer der Seagulls - ungenannt, aber lautstark - sprang jubelnd in die Coaching-Zone, während die Herzliya-Bank noch ihre Wasserflaschen sortierte.

Doch dann kam Bruno Albinana. In der 32. Minute verwandelte der bullige Mittelstürmer nach feinem Zuspiel des jungen Gai Jadin zum Ausgleich. "Er hat den Ball gesehen, ich habe gehofft - und plötzlich war er drin", kommentierte Jadin trocken. Nur sechs Minuten später legte Daniel Ben nach, der rechte Flügelstürmer der Yellows, flink wie ein Wiesel und mit einem Schuss, der den Seagulls-Keeper Schaul Ehrlich alt aussehen ließ. 1:2, und plötzlich war das Stadion still - zumindest für elf Sekunden.

Denn kurz vor der Pause, in der 42. Minute, meldete sich der Teenager Giuseppe Scalea zurück. Der 19-Jährige nutzte eine Vorlage von Sahar und schob eiskalt zum 2:2 ein. "Ich hab einfach draufgehalten, Mama hat gesagt: ’Wenn du triffst, bekommst du dein Lieblingsessen.’ Ich hab Hunger gehabt", lachte der Youngster nach dem Spiel.

Mit 2:2 ging’s in die Kabine - und man hatte das Gefühl, dass noch einiges passieren würde. Trainer Kula Shaker (ja, so heißt er tatsächlich) wechselte zur zweiten Halbzeit gleich zweimal: Torwart Joao Antunez kam für den jungen Rafael Tal, und Matan Ohayon ersetzte den blassen Tal Hanegbi. "Wir mussten Stabilität bringen - und ein bisschen portugiesische Gelassenheit", erklärte Shaker nach dem Spiel schmunzelnd.

Kaum war der neue Keeper auf dem Feld, da jubelte Herzliya schon wieder. In der 51. Minute zirkelte Connor Thuringer, der rechte Mittelfeldmann mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks, den Ball ins lange Eck - 2:3. Assistgeber war Dror Kashtan, dessen Vorarbeit fast schon patentiert gehört. Und während die Seagulls noch versuchten, sich zu sortieren, legte der 19-jährige Jadin in der 62. Minute nach. Nach Vorlage von Verteidiger Matthew Cromwell traf er zum 2:4-Endstand - nervenstark und technisch sauber.

Die Seagulls versuchten danach alles: Mofaz prüfte den Keeper (63.), Cetin schoss aus der zweiten Reihe (65.), Scalea versuchte es erneut (68.) - doch nichts wollte mehr gelingen. "Wir hatten mehr Ballbesitz, mehr Ideen, vielleicht sogar mehr Frisurenvielfalt - aber keine Punkte", klagte Kapitän Sahar bitter.

In der Schlussphase wurde es noch ruppig. Yaniv Naphtali, linker Verteidiger der Yellows, sah in der 89. Minute Rot nach einem übermotivierten Tritt, der selbst die gegnerische Ersatzbank kurz zusammenzucken ließ. "Er hat den Ball gesucht, aber den Gegner gefunden", kommentierte Shaker trocken.

Die Statistik sprach am Ende eine klare Sprache: 14 Torschüsse der Yellows, 7 der Seagulls. Mehr Zweikämpfe gewonnen, mehr Konsequenz im Abschluss. Und obwohl Acre 52 Prozent Ballbesitz verbuchte, fühlte sich das Spiel an, als hätten sie den Ball nur geborgt - und Herzliya wusste, was man damit macht.

"Wir waren heute die Mannschaft mit dem klareren Plan", sagte Yellows-Trainer Shaker - und ließ sich feiern wie ein Rockstar. Die Fans der Seagulls pfiffen, einige applaudierten fair. Ein älterer Herr auf der Tribüne fasste es treffend zusammen: "Acre spielt schön, Herzliya spielt klug. Und klug gewinnt meistens."

Vielleicht war das Spiel ein Lehrstück: über Effektivität, jugendliche Unbekümmertheit (Gai Jadin, 19, zwei Scorerpunkte!) - und die unbestechliche Wahrheit, dass Tore zählen, nicht Ballbesitz.

Zum Schluss blieb den Seagulls nur Galgenhumor. "Wir sind wie Möwen im Sturm", sagte Sahar mit einem schiefen Lächeln, "manchmal fliegen wir, manchmal werden wir vom Wind verweht." Der Wind kam diesmal aus Herzliya.

31.12.643996 06:08
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