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Es war ein Finale, das alles bot, was man von einem Pokalabend erwarten darf - außer vielleicht Nervenstärke in der Defensive der Raanana Reds. Vor 43.500 Zuschauern im ausverkauften Stadion lieferten sich die Raanana Reds und die Herzliya Yellows ein intensives, mitunter wildes Duell, das mit 2:3 (1:3) endete. Herzliya jubelt, Raanana hadert - und Trainer Levi Ackerman sprach später von "einem Spiel, das mich zehn Jahre älter gemacht hat". Schon die ersten Minuten ließen ahnen, dass hier kein langes Abtasten auf dem Programm stand. In der 6. Minute kombinierte sich Herzliya blitzschnell durchs Zentrum, Mario Berjon steckte klug durch, und George Ross drosch den Ball trocken ins rechte Eck - 0:1. Kaum hatten die Reds sich gesammelt, kam die Antwort: Ein Freistoß flog in den Strafraum, der 19-jährige Innenverteidiger Eyal Aloni verlängerte mit dem Kopf, und Nicolas Fryer staubte eiskalt ab (11.). Die Tribüne bebte, die Fans sangen, Levi Ackerman ballte die Faust - für ganze 22 Minuten. Denn dann zeigte sich, warum Herzliya den Pokal wollte wie ein Kind das letzte Stück Kuchen. Elias Keller, der bullige Mittelstürmer, jagte in der 33. Minute den Ball in den Winkel, als wolle er die Torlatte in den Ruhestand schicken. Und kurz vor der Pause (44.) dribbelte Rafael Brito von rechts nach innen, bekam den Ball von Ross zurück - und versenkte mit links. 1:3. "In der Kabine war’s still", erzählte Fryer später. "Nur Levi hat leise gezischt: ’Das war nicht der Plan.’" Nach dem Seitenwechsel stellte Ackerman um, ließ offensiver anlaufen. Und tatsächlich: Vier Minuten nach Wiederanpfiff (48.) brachte Menachem Shitrit Raanana zurück ins Spiel. Meir Hanegbi hatte über links getankt, flach hereingegeben, Shitrit hielt den Fuß hin - 2:3. Das Stadion explodierte, und plötzlich schien alles wieder offen. Herzliya wankte, aber fiel nicht. Keller prüfte den Keeper Mordechai Sahar mehrfach (62., 78., 86.), während Raanana verzweifelt anrannte. 16 Torschüsse, 55,6 Prozent Ballbesitz - die Zahlen sprachen am Ende für die Reds, das Ergebnis aber nicht. "Wir haben den Ball gehabt, sie die Tore", knurrte Ackerman nach Abpfiff. "Das ist leider die falsche Reihenfolge." Herzliya-Trainer Kula Shaker wirkte derweil gelöst, fast schelmisch, als er vor die Kameras trat. "Wir haben heute nicht schön gespielt, aber effektiv. Ich nehme an, das ist jetzt der Teil, wo ich bescheiden wirken soll." Dann grinste er breit. Ein Schlüsselmoment: die 27. Minute, als Herzliyas alter Haudegen Ingvar Anderson die Gelbe Karte sah und fortan etwas vorsichtiger agierte. Doch seine Routine half, die Abwehr zusammenzuhalten. In der 55. Minute brachte Shaker die frischen Beine von Benyamin Neumann, später Ricardo Bujia (65.) - Wechsel, die zwar nicht das Spiel entschieden, aber den Rhythmus hielten. Raanana hingegen kämpfte, biss, und kassierte selbst noch Gelb: Rhys Baptiste (73.) und der junge Aloni (80.) holten sich Erinnerungen ans Finale in Buchform ab. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", verteidigte sich Aloni mit einem schiefen Lächeln. In den Schlussminuten warfen die Reds alles nach vorn. Hanegbi (91.) und Shitrit (92.) hatten noch Chancen - doch entweder fehlten Millimeter oder Torwart Cristian Barbu die Nerven. Letztere hatte er allerdings fest im Griff. Nach dem Schlusspfiff lagen einige Reds erschöpft im Rasen, während die Herzliya Yellows ihre Fans an der Kurve feierten. Elias Keller, der zweite Torschütze, fasste das Finale trocken zusammen: "Wir waren heute einfach ein bisschen gieriger." Ein Blick auf die Statistik bestätigt das: 18 Torschüsse für Herzliya, 16 für Raanana, fast ausgeglichene Zweikampfquote (50,3 zu 49,7 Prozent) - ein Duell auf Augenhöhe, entschieden durch Effizienz. Vielleicht war es bezeichnend, dass sich Levi Ackerman bei der Pressekonferenz mit einem sarkastischen Schulterzucken verabschiedete: "Wir wollten Geschichte schreiben. Jetzt stehen wir in den Fußnoten." Eines ist sicher: Dieses Finale wird man in Raanana noch lange diskutieren. Und in Herzliya? Da wird man einfach feiern - vermutlich bis zum nächsten Pokal. 26.06.644000 10:36 |
Sprücheklopfer
Eng.
Mehmet Scholl auf die Frage, wie es war, als Bundeskanzler Kohl nach dem EM-Sieg 1996 in die Kabine kam