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Ein lauer Sommerabend in Nazareth, 30.135 Zuschauer, und alles deutete zunächst auf ein ausgeglichenes Duell hin. Doch am Ende stand ein 1:4 auf der Anzeigetafel - und ein 19-jähriger Stürmer, der die Liga plötzlich in Aufruhr versetzt: Tyler Sutherland, das jugendliche Phänomen der Herzliya Yellows, erzielte gleich drei Treffer und ließ die Heimmannschaft Nazareth Illit alt aussehen. "Ich wollte einfach Spaß haben", grinste Sutherland nach dem Spiel, als hätte er gerade ein lockeres Trainingsspiel bestritten. Spaß - das war ganz offensichtlich einseitig verteilt. Schon früh zeigte Herzliya, dass sie mit einem klaren Plan und enormer Energie angereist waren. Während Nazareth Illit unter Coach Heiko Früh mit offensiver Ausrichtung begann, spielte das Team von Kula Shaker mit einer fast britisch kühlen Balance - kurzpassorientiert, aggressiv, und mit einem Pressing, das nie übertrieben, aber stets bedrohlich wirkte. Nach knapp 24 Minuten setzte Innenverteidiger Matan Tal das erste Ausrufezeichen. Ausgerechnet der Abwehrchef traf per Kopf nach einer Maßflanke von Robert Sebo - 0:1. Tal brüllte seine Freude heraus, während Früh an der Seitenlinie die Wasserflasche eindrückte. "Wir haben geschlafen, und zwar kollektiv", donnerte er später in die Mikrofone. Neun Minuten später kam Herzliya wieder. Diesmal war es der Youngster Sutherland, der nach einem präzisen Pass von Eyal Tartman frei durchlief und eiskalt vollstreckte. 0:2 - und Nazareth Illit wirkte, als hätte jemand ihnen die Luft abgelassen. Der Heimblock verstummte, nur die 500 mitgereisten Yellows-Fans machten weiter Krach, als hätten sie einen Pokalsieg geholt. Zur Halbzeit war klar: Früh musste reagieren. "Wir wollten offensiv bleiben, aber gleichzeitig die Stabilität zurückgewinnen", erklärte er später - ein Satz, der so klingt, als hätte er ihn schon hundertmal gesagt. Direkt nach Wiederanpfiff schien der Plan aufzugehen: Paulo Gome verkürzte in der 48. Minute nach schöner Vorarbeit von Kai Onnington auf 1:2. Das Stadion erwachte, und kurz schien alles möglich. Doch wer glaubte, die Illiter würden jetzt das Spiel drehen, wurde eines Besseren belehrt. Herzliya blieb ruhig, fast abgebrüht. In der 60. Minute war es wieder Sutherland, der nach einem Abpraller am schnellsten reagierte - 1:3. "Ich hab gar nicht groß nachgedacht", sagte er später und lachte. "Der Ball war da, also hab ich ihn einfach reingemacht." Manchmal braucht es eben keine Taktiktafeln, sondern nur Instinkt. Nazareth Illit versuchte es weiter, aber die Präzision fehlte. Acht Torschüsse, ein Tor - mehr Statistik als Gefahr. Besonders bitter: Routinier Stefan Fogl scheiterte gleich dreimal (31., 89., 94.) am glänzend aufgelegten Ersatzkeeper Cristian Barbu, der zur zweiten Halbzeit eingewechselt worden war. "Ich hab schon gedacht, der Ball hat was gegen mich persönlich", stöhnte Fogl nach dem Abpfiff. Den Schlusspunkt setzte - natürlich - Tyler Sutherland. In der 81. Minute vollendete er nach feiner Vorarbeit von Sebo zum 1:4. Danach durfte er sich feiern lassen, während Nazareth Illit endgültig in die Sommernacht hinaustrudelte. Zwei Gelbe Karten (Naphtali in der 19., Henriquez in der 95.) störten das Bild nur am Rande - Herzliya spielte trotz starker Aggressivität erstaunlich diszipliniert. Trainer Kula Shaker blieb in seiner Analyse gewohnt gelassen: "Wir haben einfach unser Spiel gespielt. Wenn du einen Jungen wie Tyler da vorne hast, brauchst du nicht viel zu sagen. Du lässt ihn einfach laufen." Die Zahlen unterstreichen das Bild: 11:8 Torschüsse, 50 zu 49 Prozent Ballbesitz, leicht bessere Zweikampfquote. Keine erdrückende Dominanz, aber eine gnadenlose Effizienz. Und so etwas nennt man im Fußball schlicht: Klasse. Für Nazareth Illit bleibt die Erkenntnis, dass mutiger Offensivfußball schön klingt, aber gegen klug strukturierte Gegner teuer werden kann. Und für Herzliya? Ein Abend, der vielleicht den Beginn einer neuen Vereinslegende markiert. "Ich hab gehört, er darf noch nicht mal Bier kaufen", witzelte ein Fan über Sutherland nach dem Spiel. Wenn er weiter so trifft, wird er bald ganz andere Dinge kaufen können. Und Heiko Früh? Der stapfte kopfschüttelnd in die Kabine. "Manchmal", murmelte er, "lernt man mehr aus einem 1:4 als aus einem Sieg." Möglich. Aber schön ist es sicher nicht. 23.02.644003 17:45 |
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