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Hiliard trifft spät - Spurs erkämpfen sich knappen Sieg über Norwich

Ein Fußballabend in London, wie er englischer kaum sein könnte: leichter Nieselregen, 16.000 Zuschauer mit Regenschirmen und Pies in der Hand, und zwei Mannschaften, die 90 Minuten lang so taten, als ginge es um die Weltherrschaft - dabei war es "nur" der 5. Spieltag der 2. Liga England. Am Ende setzten sich die London Spurs mit 1:0 gegen die Norwich Canaries durch, dank eines späten Treffers von Kian Hiliard in der 84. Minute.

Es war ein Spiel, das lange Zeit unter der Überschrift "Viel Einsatz, wenig Ertrag" gelaufen wäre. Beide Teams starteten mit ausgeglichener taktischer Ausrichtung, beide suchten geduldig den Weg nach vorn - und beide fanden ihn meistens nicht. Schon in der 7. Minute prüfte Adrian Mila den Canaries-Keeper Edward Lankford mit einem satten Distanzschuss, der aber ebenso entschärft wurde wie William Hamlins Antwort nur eine Minute später. Es war ein Schlagabtausch ohne Treffer, ein Tanz auf Messers Schneide, bei dem die Zuschauer gelegentlich den "Tor!"-Ruf schon auf den Lippen hatten - und ihn dann seufzend wieder herunterschluckten.

"Wir wussten, dass Norwich gefährlich umschalten kann", erklärte Spurs-Trainer Ralf Möller nach dem Spiel. "Aber ehrlich gesagt, haben sie uns eher in den Wahnsinn getrieben, weil sie einfach nicht aufhörten, zu schießen." Tatsächlich verzeichneten die Gäste 14 Torschüsse, die Spurs dagegen "nur" 10. Doch wer die Statistik kennt, weiß: Quantität ist keine Garantie für Qualität.

Norwichs junger Offensivmann Christopher Stanton hatte gleich fünf dieser Chancen, alle zwischen der 20. und 70. Minute. Mal flog der Ball knapp über die Latte, mal in die Arme von Spurs-Keeper Adam Bosworth, einmal sogar auf den Parkplatz hinter der Südtribüne - "gewollt oder nicht, das war der längste Pass des Abends", witzelte ein Spurs-Fan später.

Die erste Halbzeit endete torlos, und man konnte das Gefühl haben, beide Teams hätten sich auf ein 0:0 verständigt. Doch nach der Pause kam etwas mehr Leben ins Spiel - nicht zuletzt, weil Spurs-Youngster Adam Bancroft in der 56. Minute nach einem rustikalen Einsteigen Gelb sah. "Er meinte, er habe nur den Ball getroffen", grinste Kapitän Jamie Ashton. "Das stimmt sogar - nur lag der Ball da schon 30 Zentimeter weiter."

Norwich versuchte es weiter mit viel Ballbesitz (knapp 50 Prozent) und kurzem Passspiel, während die Spurs geduldig auf ihre Chance lauerten. Und die kam spät, fast zu spät: In der 84. Minute, als die Canaries schon gedanklich den Bus starteten, fasste sich Hiliard ein Herz. Nach einem langen Ball von Innenverteidiger Ashton nahm er die Kugel elegant mit, umkurvte den herausstürzenden Lankford und schob eiskalt ein. 1:0. Stadionexplosion.

"Ich hab einfach gespürt, dass es jetzt sein muss", sagte Hiliard hinterher, das Trikot noch schweißnass. "Jamie hat den Ball perfekt gespielt - ich musste nur noch laufen, schießen, jubeln." Trainer Möller sprang derweil wie ein Teenager an der Seitenlinie auf und ab. "Kian hat in dieser Saison schon oft Pech gehabt", meinte er. "Heute hat er sich endlich belohnt. Und uns gleich mit."

Die Canaries reagierten wütend, warfen alles nach vorn, doch die Spurs verteidigten clever. Bosworth parierte in der 88. Minute noch einmal glänzend gegen Hamlin, und als Schiedsrichter Howard in der 93. Minute abpfiff, fielen die Londoner Spieler einander in die Arme wie frisch gebackene Pokalsieger.

Norwich-Trainer Mister Unbekannt (ja, das steht so auch im offiziellen Spielbericht) zeigte sich nach dem Spiel erstaunlich gelassen: "Wir hatten genug Chancen, um zwei Spiele zu gewinnen. Aber manchmal ist Fußball wie englisches Wetter - du weißt nie, wann’s dich erwischt."

Mit diesem Sieg klettern die Spurs in der Tabelle weiter nach oben, während Norwich sich fragen muss, wie man ein Spiel mit fast gleichwertigen Statistiken verlieren kann. Ballbesitz, Zweikampfquote, Passspiel - alles auf Augenhöhe. Nur eben kein Tor. Und das ist im Fußball bekanntlich das Einzige, was zählt.

Oder wie Jamie Ashton es in der Kabine formulierte, während er den Siegtorschützen neckte: "Kian, das war kein schönes Spiel - aber wenigstens war’s deins."

Ein Satz, den man sich merken kann. Denn an Abenden wie diesem wird klar: Schönheit vergeht, Effizienz bleibt. Und ein spätes 1:0 schmeckt manchmal süßer als ein 5:0-Spektakel.

17.05.643997 02:05
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