Elfmeter
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Hoffenheimer Offensiv-Lektion: Germania Leer chancenlos beim 0:4

Wenn 2953 Zuschauer an einem lauen Juniabend ins Leeraner Stadion pilgern, dann hoffen sie auf ein Fußballfest - bekommen haben sie immerhin eine Lehrstunde in Sachen Effizienz. SC Hoffenheim, unter Trainer Gerd Horst taktisch schnörkellos offensiv eingestellt, gewann am 12. Spieltag der Verbandsliga A mit 4:0 bei Germania Leer. Und das Ergebnis schmeichelte dem Heimteam fast noch.

Schon nach wenigen Minuten war klar: Das wird ein langer Abend für die Leeraner Hintermannschaft. Bereits in der 2. Minute prüfte Christopher Maus den Torwart, als wolle er die Netzstabilität testen. Vier Minuten später versuchte Bernt Kunze auf der anderen Seite das gleiche - allerdings mit weniger Nachdruck. "Da war noch alles offen", sagte Kunze später, "aber dann kam dieser Maus… und hat uns das Spiel zerlegt."

In der 21. Minute nämlich schlug Christopher Maus erstmals zu. Nach einem schnellen Umschaltmoment zog er trocken ab - 0:1. Torwart Pattrick Lehmann streckte sich, wie man es nur in Zeitlupenaufnahmen bewundern kann, aber der Ball zappelte schon im Netz. "Ich hab’s kommen sehen, aber nicht aufhalten können", murmelte Lehmann nach dem Spiel und schüttelte den Kopf.

Germania versuchte, die Ordnung zu wahren, blieb aber weitgehend harmlos. Phillipp Wolf, der sich immerhin die erste Gelbe Karte des Abends abholte (28.), fasste das Dilemma treffend zusammen: "Wenn du 18 Torschüsse hinten reinkriegst, weißt du, dass du zu oft zugeschaut hast."

Noch vor der Pause traf Maus erneut (42.), diesmal nach feiner Vorarbeit von Stefan Lehmann. 0:2 zur Halbzeit - und das Publikum sehnte sich nach der Wurstbude, um wenigstens dort noch Hoffnung zu tanken.

Nach dem Seitenwechsel blieb das Bild unverändert: Hoffenheim spielte, Leer lief hinterher. Der 18-jährige Dirk Jansen, der aussah, als hätte er gerade erst die Schule verlassen, traf in der 59. Minute zum 0:3. Wieder war Lehmann der Vorbereiter, der mit Übersicht die Abwehr zerschnitt. Und wer dachte, das sei der Schlusspunkt, wurde eines Besseren belehrt. Nur sieben Minuten später (66.) sorgte Jansen erneut für Torjubel - diesmal nach Vorarbeit von Innenverteidiger Joschua Heinze.

"Wir waren einfach zu brav", analysierte Germania-Coach (dessen Name man in Leer an diesem Abend lieber nicht laut aussprach) nach dem Spiel. "Hoffenheim hat gespielt, als hätten sie noch einen Zug nach Hause erwischen müssen - immer mit Tempo, immer direkt."

Die Statistik untermauert den Eindruck: 18 Hoffenheimer Torschüsse standen nur fünf von Germania gegenüber, dazu 54 Prozent Ballbesitz und eine Zweikampfquote von 55 Prozent für die Gäste. Es war, mit einem Wort, ein Klassenunterschied.

Trotz des Rückstands kämpfte Germania tapfer weiter. In der 58. Minute versuchte Niklas Freitag, wenigstens den Ehrentreffer zu erzwingen - doch sein Schuss strich knapp vorbei. Kurz darauf verletzte sich Rechtsverteidiger Swen Stein, der wenig später ausgewechselt werden musste. "Ich hab gemerkt, dass’s zieht - aber ich dachte, vielleicht zieht’s nur im Kopf", sagte er mit einem gequälten Lächeln.

Hoffenheim hingegen spielte den Sieg souverän herunter. Nur bei Gelb für Heinze (82.) und Beck (95.) wurde es kurz ruppig. "Das war keine Absicht", beteuerte Beck nach dem Schlusspfiff, "ich wollte nur zeigen, dass ich auch mal hinlangen kann."

Trainer Gerd Horst zeigte sich zufrieden, aber nicht euphorisch: "Vier Tore auswärts, kein Gegentor, das ist ordentlich. Aber wir hätten noch zwei, drei mehr machen können." Und tatsächlich - wer die Offensive um Maus, Jansen und den 17-jährigen Otto Blank (der gefühlt jeden zweiten Ballberührung in einen Torschuss verwandelte) sah, konnte nur anerkennend nicken.

In Leer dagegen herrschte betretenes Schweigen. Ein älterer Fan auf der Tribüne fasste es am besten zusammen: "Früher haben wir gegen die Dorfvereine gespielt, jetzt kommen solche Jungs hierher und spielen uns schwindelig. Aber wenigstens ist das Bier noch gut."

So endete der Abend mit einem klaren 0:4 (0:2). Hoffenheim nahm drei Punkte mit, Germania blieb ratlos zurück. Vielleicht tröstet sie die Erkenntnis, dass man gegen ein junges, hungriges Team verloren hat, das an diesem Abend schlicht besser war - und das Fußballspielen zur Kunstform erhob.

Und irgendwo in der Kabine summte Christopher Maus, der Doppeltorschütze des Abends, leise vor sich hin: "Läuft ganz gut gerade." Man kann’s ihm nicht verdenken.

23.02.644003 17:40
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In diesem Drecksspiel hätte ich zehn Akteure auswechseln können.
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