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Ein Montagabend, Flutlicht, 23.654 Zuschauer - und ein TuS Hordel, der den Lüner SV eiskalt ausgekontert hat. 3:1 hieß es am Ende im Stadion an der Schwansbeller Straße, und selbst die heimischen Fans mussten anerkennen: Die Gäste aus Bochum-Hordel hatten den Plan, Lünen hatte die Hoffnung. Dabei begann alles wie in einem westfälischen Fußballmärchen: Der Lüner SV stürmte mutig los, Eduardo Gome prüfte gleich dreimal den Hordeler Keeper Jacob Montgomery - aber der grinste hinterher cool: "Ich hab die Sonne im Rücken gehabt, das hilft bei Flutlicht ungemein." In der neunten Minute aber traf es den SV wie ein Blitz: Der erst 19-jährige Marwin Rodriguez, flink wie ein Wiesel auf rechts, zog nach Zuspiel von Fjodor Koroljuk ab - 0:1. "Das war so nicht geplant", knurrte Lünen-Trainer Markus Hering später, "eigentlich wollten wir erst ab der zehnten Minute verteidigen." Lünen schüttelte sich, zeigte Moral und kam in der 28. Minute zurück: Benjamin Lochiel vollendete nach feiner Vorarbeit von Evan Poulin zum 1:1. Der Jubel hallte noch durch die Kurve, als Hordel schon wieder zuschlug. Ernst Kunkel, 21 Jahre jung und offenbar ohne Nerven, traf nach Vorarbeit von Curt Schöne zum 1:2 (39.). "Der hat einfach draufgehalten", sagte Schöne hinterher, "ich wollte eigentlich flanken, aber gut, dann war’s halt ein Assist." Mit 1:2 ging es in die Pause. Die Statistik las sich fast ausgeglichen - 15:17 Torschüsse, 49:51 Prozent Ballbesitz -, aber in den entscheidenden Momenten war Hordel einfach abgebrühter. "Wir haben offensiv gespielt, aber nicht kopflos", erklärte Gästecoach Ute Finkeldy, deren Team auch nach dem Seitenwechsel auf Konter lauerte. Und dann kam die 50. Minute. Ausgerechnet Gustav Hauser, 36 Jahre alt, Innenverteidiger, mit mehr Erfahrung als mancher Teamkollege Lebensjahre hat, machte das 3:1. Nach einem Eckball von Curt Schöne stieg Hauser höher als alle Lüner - und wuchtete das Leder per Kopf ins Netz. Danach rannte er jubelnd in Richtung Fankurve, stolperte fast über die Eckfahne und grinste: "Ich wollte nur zeigen, dass ich noch Sprungkraft habe." Ab da war die Luft raus. Lünen mühte sich, brachte Agustin Borreguero und später den jungen Thomas Williamson - doch die Angriffsbemühungen verpufften. Lochiel prüfte Hordel-Keeper Montgomery noch zweimal (56., 61.), aber der hatte einen dieser Abende, an denen er wohl auch eine Kaffeetasse aus dem Winkel gefischt hätte. Trainer Hering versuchte an der Seitenlinie alles, gestikulierte wild, rief "höher stehen!", "enger ran!" und einmal, wie ein Zuschauer lachend bemerkte, sogar "irgendwas machen!". Doch es half nichts. Hordel stand in der Defensive kompakt, konterte clever und ließ sich nicht provozieren - auch nicht als Lüner Linksaußen Poulin in der 18. Minute Gelb sah, nachdem er mehr Ball als Gegner getroffen hatte, aber der Schiri das offenbar anders sah. In den Schlussminuten rollte Lünen noch einmal an - Pascual mit einem Schuss in der 79., Williamson kurz darauf aus spitzem Winkel -, doch der Ball wollte einfach nicht mehr rein. Stattdessen konterte Hordel noch zweimal gefährlich, Günther Pfeiffer prüfte Keeper Madigan in der 90. Minute und Ernst Kunkel donnerte in der Nachspielzeit den Ball ans Außennetz - fast wäre es das 1:4 geworden. "Wir haben’s einfach clever gespielt", meinte Finkeldy nach Abpfiff mit einem zufriedenen Lächeln. "Und Gustav hat gezeigt, dass Erfahrung manchmal besser ist als Spritzigkeit." Hauser selbst sah das ähnlich: "Ich bin halt kein Sprinter, aber im Strafraum bin ich da, wenn’s zählt." Lünen dagegen muss sich an die eigene Nase fassen. "Wir haben gut angefangen, aber dann zu naiv verteidigt", sagte Hering, "und Hordel hat das eiskalt ausgenutzt." So bleibt am 30. Spieltag der 2. Liga Deutschland ein klarer Sieg für TuS Hordel - ein Sieg der Disziplin über die Leidenschaft, der Erfahrung über jugendlichen Übermut. Oder, wie ein Fan auf der Tribüne beim Abpfiff trocken meinte: "Lünen spielt schön, Hordel gewinnt. So ist Fußball." Und damit ist eigentlich alles gesagt. 01.09.643993 17:07 |
Sprücheklopfer
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