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Hordel schlägt Gelsenkirchen 04 - Konterkönige im Revier

Es gibt Fußballabende, an denen man sich fragt, ob die Heimmannschaft vielleicht den falschen Bus genommen hat. Der 11. März 2026 in der 2. Liga war so einer. 29.552 Zuschauer im altehrwürdigen Stadion von Gelsenkirchen 04 sahen, wie TuS Hordel mit einem simplen, aber höchst effektiven Rezept die Hausherren mit 2:0 (1:0) demontierte. Zwei Tore, neunzehn Torschüsse, endlose Konter - und ein Marvin Fink, der an diesem Abend vermutlich auch noch aus der Kabine getroffen hätte, wenn man ihn gelassen hätte.

Dabei begann alles relativ harmlos. Die ersten Minuten plätscherten dahin, das Publikum übte sich in Geduld, und auf der Trainerbank der Gelsenkirchener versuchte Andreas Meyer, mit aufmunternden Gesten die Offensive in Gang zu bringen. "Wir wollten offensiv stehen", sagte er hinterher, "aber irgendwie standen wir nur." TuS Hordel dagegen startete, als hätte jemand die Pausentaste bei den Blauen gedrückt. Bereits nach zwei Minuten prüfte Marvin Fink den Torwart Wilhelm Preuss - ein Vorgeschmack auf das, was folgen sollte.

Fink, der rechte Stürmer der Gäste, war schlicht überall. In der 35. Minute wurde er endlich belohnt: Nach einem schnellen Umschaltspiel, das Gelsenkirchens Defensive aussehen ließ wie ein überforderter Flashmob, schob Fink den Ball seelenruhig zum 0:1 ins Netz. Während der Hordeler Anhang jubelte, schüttelten die Heimfans ungläubig den Kopf. "Wir haben ihn einfach nicht zu fassen bekommen", stöhnte Verteidiger Lennard Konrad, der kurz vor der Pause auch noch Gelb sah - wohl als stille Mahnung, dass wenigstens einer mal dazwischengehen sollte.

Die Halbzeitstatistik sprach Bände: 11 zu 1 Schüsse auf das Tor für Hordel, 56 Prozent Ballbesitz für die Gäste, und das Gefühl, dass Gelsenkirchen 04 an diesem Abend eher Statisten in ihrer eigenen Arena waren. Trotzdem blieb Meyer optimistisch. "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn wir jetzt noch das 1:1 machen, ist alles möglich." Leider blieb es beim Konjunktiv.

Nach dem Seitenwechsel zeigte sich das gleiche Bild: Hordel konterte, Gelsenkirchen kombinierte - allerdings vor allem quer. Der junge Berndt Hein hatte in der 59. Minute die einzige echte Chance der Heimmannschaft, sein Schuss aber war mehr eine höfliche Einladung an Hordels Keeper Jacob Montgomery, sich auch mal die Handschuhe schmutzig zu machen. "Ich hab mich gefreut, endlich was zu tun zu haben", grinste Montgomery später.

In der 75. Minute fiel dann die Entscheidung. Wieder ein schneller Gegenstoß, diesmal über den rechten Flügel. Der flinke Curt Schöne legte quer, und Tim Pfeiffer - Hordels bulliger Mittelstürmer mit der Eleganz eines Presslufthammers - wuchtete den Ball zum 0:2 ins Netz. Danach war der Widerstand der Gastgeber endgültig gebrochen.

Die letzten Minuten boten noch ein paar gelbe Farbtupfer: Detlev Foerster von Hordel kassierte erst Gelb (80.) und dann in der Nachspielzeit Gelb-Rot, offenbar aus purer Langeweile. "Ich wollte nur sicherstellen, dass der Schiri mich nicht vergisst", witzelte Foerster nach dem Abpfiff.

Trainerin Ute Finkeldy konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. "Wir wussten, dass Gelsenkirchen offensiv spielen will. Da hilft nur: warten, bis sie kommen - und dann laufen." Eine Taktik, die aufging. Hordel agierte durchgehend offensiv, aber clever, spielte lange Bälle, suchte den Abschluss, wann immer sich ein Fenster öffnete. Im Gegensatz dazu wirkte das "offensive" Konzept der Hausherren wie ein Theaterstück ohne Hauptdarsteller.

Bei Gelsenkirchen herrschte nach dem Schlusspfiff betretenes Schweigen. Einige Fans pfiffen, andere träumten wohl schon vom nächsten Gegner. Trainer Meyer aber blieb trotzig: "Wir müssen das als Lernprozess sehen. Wenn wir so weitermachen, lernen wir irgendwann, wie man Tore schießt."

Statistisch blieb kein Zweifel: 19 zu 2 Torschüsse für Hordel, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe, mehr Ballbesitz, mehr Tempo, mehr Präzision - schlicht mehr von allem. Gelsenkirchen dagegen hatte zumindest eine beeindruckende Statistik: Sie schafften es, 90 Minuten lang offensiv zu denken, ohne dabei offensiv zu handeln.

Und so endete der Abend mit einem leisen Pfeifkonzert und einem lauten Statement aus Hordel: Wer so kontert, braucht keine Schönspielerei. Vielleicht war’s kein Fußball für Feinschmecker, aber sicher einer für Punktesammler. Oder, wie Torschütze Fink verschmitzt meinte: "Schöne Tore sind was für Instagram. Wir nehmen lieber die drei Punkte."

Ein Schlusswort? Vielleicht dieses: Fußball ist manchmal gerecht. An diesem Abend belohnte er das klügere Team - und bestrafte das schönere System.

24.09.643993 18:33
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