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Hordel schockt Union - 4:3-Spektakel mit roter Würze zum Saisonfinale

Es war einer dieser Abende, an denen der Fußball zeigt, warum man ihn liebt - und manchmal hasst. 31.920 Zuschauer im ausverkauften Stadion zu Bochum-Hordel sahen ein 4:3 der Marke "Nervenkitzel mit Herzklopfen", bei dem TuS Hordel den großen Favoriten Eisern Union Berlin in einem wilden Schlagabtausch niederkämpfte.

Die Partie begann, als hätte jemand die Pausentaste vergessen. Schon in der 5. Minute klingelte es: Tiago Valente, der flinke Portugiese auf Hordels rechter Seite, verwertete eine butterweiche Hereingabe von Kurt Herbst zum 1:0. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Herbst später, "aber Tiago hat das wohl anders verstanden."

Union antwortete prompt: Curt Scholz, 33 Jahre jung und immer noch mit dem Schuss eines Vorschlaghammers ausgestattet, traf in der 9. Minute nach schöner Vorarbeit von Heinz Eckert zum 1:1. "Da dachte ich: Na gut, jetzt geht das hier los", brummte Hordel-Trainerin Ute Finkeldy später und hatte damit so was von recht.

Nur eine Minute nach dem Ausgleich stellte Ernst Kunkel den alten Abstand wieder her. Der 23-Jährige drosch den Ball nach Zuspiel von Sascha Günther unter die Latte - 2:1. Union wirkte nun wie ein Boxer, der nach drei Treffern noch verzweifelt versucht, die Handschuhe hochzuhalten. Hordel roch Blut. Innenverteidiger Luke Kinsella (!) stieg nach einer Ecke von Vincent Albinana am höchsten und köpfte in der 18. Minute das 3:1. Drei Minuten später legte erneut Kunkel nach, diesmal nach Vorarbeit von Olav Anders - 4:1!

Das Stadion tobte, Finkeldy tanzte an der Seitenlinie, und Gästecoach Roter Jan stand mit verschränkten Armen da, als überlege er, ob er noch in der Halbzeit einen neuen Innenverteidiger backen könnte.

Union ging mit gesenkten Köpfen in die Kabine, kam aber nach der Pause wie verwandelt zurück. Vielleicht hatte Trainer Jan eine ordentliche Gardinenpredigt gehalten - oder einfach nur versprochen, dass niemand vor Mitternacht in Berlin ankommt, wenn sie sich jetzt nicht zusammenreißen. Jedenfalls traf Benyamin Preuss in der 55. Minute aus der Distanz zum 4:2. "Ich hab ihn einfach mal draufgehalten", sagte Preuss später, "und ausnahmsweise war keiner im Weg."

Dann kam die 60. Minute - und mit ihr der Wendepunkt. Unions Abwehrchef Gunne Hjorth, bereits verwarnt, holte sich beim Versuch, Kunkel zu stoppen, die Gelb-Rote Karte ab. "Ich wollte nur den Ball treffen", murmelte Hjorth danach. "Leider stand da jemand im Weg." Das Stadion jubelte, Union war nur noch zu zehnt.

Doch statt einzubrechen, legte die "Eisernen" noch einmal alles in die Waagschale. Der junge Curt Frank, eben erst eingewechselt, flankte mustergültig auf Erik Lydersen, der in der 65. Minute per Kopf zum 4:3 traf. Plötzlich war wieder alles offen.

Was folgte, war eine halbe Stunde Fußball mit offenem Visier. Hordel verteidigte mit Leidenschaft, Union warf alles nach vorn. Torwart Davide Lorenzo wurde zum Helden, als er in der 87. Minute einen Schuss von Julius Jakob aus dem Winkel fischte - eine Szene, die ihn vermutlich noch auf das Saisonposter bringen wird.

"Ich hab die Luft angehalten", gestand Finkeldy später. "Und dann hab ich gemerkt, dass ich schon seit zehn Sekunden nicht mehr atme." Auf der anderen Seite schimpfte Roter Jan: "Wir haben die erste Halbzeit verschlafen, und am Ende war’s zu spät. Aber wenn man 4:1 zur Pause zurückliegt, darf man sich über 3:4 fast freuen - fast."

Statistisch betrachtet - und das ist ja immer ein Trost für die Verlierer - hatte Hordel mit 58,7 Prozent Ballbesitz und 15:13 Torschüssen leichte Vorteile. Aber die Zahlen erzählen nicht, wie sehr dieses Spiel pulsierte, wie die Zuschauer bei jedem Angriff aufsprangen, und wie das Stadion nach dem Abpfiff bebte, als die Hordeler Spieler Arm in Arm vor der Kurve sangen.

Luke Kinsella, sonst eher der stille Typ, sagte mit einem Grinsen: "Ich bin Innenverteidiger, habe aber mehr Tore geschossen als unser Mittelstürmer. Vielleicht muss ich umschulen."

Der letzte Pfiff ging in Jubel unter. TuS Hordel verabschiedet sich mit einem 4:3-Spektakel aus der Saison - und Union Berlin mit der Erkenntnis, dass man auch als Favorit mal in einem Ruhrpott-Gewitter baden gehen kann.

Und irgendwo zwischen Bierdusche und Freudentränen meinte ein älterer Hordel-Fan auf der Tribüne: "Wenn jedes Spiel so wär, würd ich mir sogar noch ’ne Dauerkarte kaufen." Man darf ihn beim Wort nehmen.

17.07.644000 21:13
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Ich weiß nicht, ob wir mit der Variante 6A, 17C oder 2B spielen.
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