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Es war ein Dienstagabend, wie ihn die 2. Liga liebt: Flutlicht, 28.854 Zuschauer, Bratwurstduft und ein TuS Hordel, der den großen FC München vorführte, als hätte man die Rollen vertauscht. 4:2 hieß es am Ende - und das Ergebnis war so verdient wie unterhaltsam. Schon in den ersten Minuten deutete sich an, dass Hordel unter Trainerin Ute Finkeldy keine Angst vor großen Namen hat. Während München unter Franz Kuntz noch den Ball suchte, prüften Ernst Kunkel und Tim Pfeiffer bereits mehrfach die Reflexe von Keeper Friedrich Hess. "Wir wollten von Anfang an zeigen, dass das hier kein Auswärtsspaziergang wird", grinste Pfeiffer später - und man glaubte ihm aufs Wort. Nach einer halben Stunde fiel dann das erste Mal die Hordeler Faust gen Himmel. Der 18-jährige Innenverteidiger Dennis Brandt, sonst eher für rustikale Grätschen als für filigrane Vorlagen bekannt, drosch den Ball lang nach vorn - und Ernst Kunkel machte daraus in der 31. Minute das 1:0. Eine Szene wie aus dem Lehrbuch für "Kick and Rush mit Stil". Sieben Minuten später bediente Kunkel dann selbst den bulligen Tim Pfeiffer, der das 2:0 markierte. Das Stadion tobte, die Bierbecher tanzten. "Da war kurz Jahrmarktstimmung", meinte ein Ordner kopfschüttelnd - und grinste dabei bis über beide Ohren. Doch München wäre nicht München, wenn sie nicht wenigstens einmal den Anschluss schaffen würden. In der 41. Minute zauberte Ricardo Semedo den Ball nach schöner Vorarbeit von Helmut Wahl in die Maschen - 2:1, und plötzlich war wieder Pfeffer im Spiel. In der Pause soll Franz Kuntz lautstark an die "bayerische Ehre" erinnert haben, doch auf dem Platz war davon wenig zu spüren. Hordel blieb im Offensivmodus, 53 Prozent Ballbesitz und 20 Torschüsse sprechen eine deutliche Sprache. Der Druck zahlte sich in der 67. Minute aus, als Linksverteidiger Klaus Merkel nach Vorarbeit von Marwin Rodriguez den Ball aus spitzem Winkel zum 3:1 versenkte. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Merkel ehrlich zu. "Aber manchmal muss man ja auch mal Glück haben." Kurz darauf wurde es hitzig: Der eingewechselte Gunborg Brun sah Gelb (76.), nachdem er Münchens Florian Baumann an der Seitenlinie etwas zu herzlich begrüßt hatte. Trainerin Finkeldy winkte nur ab: "Das war Zuneigung im Ruhrpott-Stil." München mühte sich, brachte frische Kräfte - unter anderem den jungen Keeper Silvestre Custodio, nachdem sich Friedrich Hess leicht verletzte. Doch der frische Wind blieb aus, im Gegenteil: In der 75. Minute schlug wieder Tim Pfeiffer zu, diesmal nach einem präzisen Zuspiel von Tiago Valente. 4:1, und die Fans sangen bereits den Hordel-Walzer. Lasse Peters sorgte in der 85. Minute mit einem wuchtigen Schuss aus 18 Metern für Münchens kosmetisches 4:2. Ein Tor, das immerhin zeigte, dass der FC noch lebt - auch wenn es an diesem Abend kaum Trost spendete. "Wir haben heute viel richtig gemacht - vor allem: Mut gehabt", sagte Finkeldy nach Schlusspfiff. Franz Kuntz hingegen suchte die Worte und fand schließlich ein trockenes: "Wenn du vier kriegst, musst du über Taktik nicht reden." Die Statistik untermauerte Hordels Überlegenheit: Mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse, bessere Zweikampfquote - eine komplette Vorstellung. Selbst bei Ecken und Einwürfen hatte man das Gefühl, dass Hordel einfach wacher war. Und irgendwo auf der Tribüne, zwischen Currywurst und Kaltgetränk, sagte ein älterer Fan mit glänzenden Augen: "Ich hab’ den TuS schon in der Landesliga gesehen. Aber so schön wie heute haben die nie gespielt." Ein Satz, der hängen bleibt - vielleicht sogar länger als das Ergebnis selbst. Denn an diesem Maiabend war Hordel nicht nur Sieger, sondern auch Sinnbild für das, was Fußball im Herzen ausmacht: Leidenschaft, Witz und der Glaube daran, dass auch der Underdog manchmal tanzen darf. Schlusswort? Vielleicht dies: Wenn Ute Finkeldy weiter so zaubern lässt, werden in Hordel bald neue Bratwurststände gebraucht. 18.11.643999 04:42 |
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Erich Ribbeck