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Es war einer dieser Abende in Osijek, an denen man glaubt, die Stadt habe sich geteilt - nicht durch Mauern, sondern durch Farben, Gesänge und ein 1:0, das noch tagelang für Gesprächsstoff sorgen wird. 30.217 Zuschauer drängten sich im Stadion, als Hajduk Osijek im Stadtderby den Rivalen NK Osijek empfing. Am Ende reichte ein einziges Tor, um die Stadt für eine Nacht in zwei Hälften zu spalten. Das Spiel begann mit einem Feuerwerk - allerdings mehr auf den Rängen als auf dem Rasen. Schon in der ersten Minute prüfte Dario Mikulic mit einem Schuss aus der Distanz den Gästekeeper Bernt Schaller, der sich die Handschuhe danach wohl erstmal abklopfen musste. Im Gegenzug setzte Gianfranco Marchetti, der quirligste Italiener seit Roberto Benigni, den Ball knapp neben den Pfosten. "Ich wollte ihn reinflüstern, aber der Ball hat nicht zugehört", grinste er nach dem Spiel. Die Partie war von Beginn an offen. Hajduk hatte etwas mehr vom Ball - 56 Prozent Ballbesitz sprechen eine klare Sprache - doch NK Osijek lauerte gefährlich auf Konter. Ricardo Domingos und Marchetti wirbelten über die Flügel, als wollten sie die Heimmannschaft hypnotisieren. Doch der letzte Pass, wie so oft im Fußball, blieb ein ungelöstes Rätsel. Dann die 40. Minute, die das Spiel entschied: Ivan Covic, sonst der Fels in der Innenverteidigung, schickte mit einem butterweichen Pass den 21-jährigen Jurica Horvat steil. Der Youngster nahm den Ball mit, schaute kurz - und schlenzte ihn rechts oben in den Winkel. 1:0! Das Stadion explodierte. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du nachdenkst, ist der Moment schon vorbei", sagte Horvat später, noch halb ungläubig, dass er zum Matchwinner geworden war. Mit der Führung im Rücken zog sich Hajduk ein wenig zurück, ohne dabei das Spiel aus der Hand zu geben. Trainer Tommek Dee gestikulierte an der Seitenlinie, als wolle er das Spiel selbst noch einmal mitspielen. "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen ruhig bleiben. Aber ehrlich gesagt - ich war’s selbst nicht", lachte Dee später. Die zweite Hälfte begann mit frischem Wind bei NK Osijek. Trainer Mate Sovu brachte Luke Lewis für den erschöpften Nandor Orth. Lewis machte auch gleich Dampf, doch die Abschlüsse seiner Vorderleute blieben harmlos - entweder zu zentral oder zu optimistisch. Ricardo Domingos, der auffälligste Gastspieler, prüfte Torwart Vicente Rielo in der 55. Minute mit einem satten Schuss - Rielo streckte sich und kratzte den Ball aus dem Eck, als hinge sein Abendessen davon ab. Dann wurde es hitzig: In der 62. Minute sah Innenverteidiger Emilio Collantes Gelb nach einem rustikalen Einsteigen gegen Lovre Jurcevic. "Ich hab nur den Ball getroffen - na gut, und ein bisschen den Gegner", rechtfertigte er sich mit einem verschmitzten Lächeln. Die Schlussphase war ein Nervenspiel. Hajduk verteidigte mit allem, was Beine hatte. Ivan Covic, der Vorlagengeber des Abends, räumte hinten alles ab, was in seine Nähe kam - und kassierte in der 93. Minute selbst Gelb. Symbolisch, könnte man sagen. Tommek Dee schickte seine Männer in den letzten Minuten in eine Art kontrollierten Überlebensmodus. "Wir haben Pressing auf Standgas gemacht", erklärte er trocken. Die Statistik bestätigte es: Zehn Torschüsse für Hajduk, neun für NK Osijek - ein Derby auf Augenhöhe, entschieden durch einen Moment jugendlicher Unbekümmertheit. Nach Abpfiff lag sich die halbe Stadt in den Armen, die andere Hälfte in den Haaren. Mate Sovu zeigte sich als fairer Verlierer: "Wir haben alles versucht. Aber manchmal braucht man einfach Glück - und das war heute wohl auf der falschen Seite der Drava." Man kann sagen, das Spiel hatte alles, was ein Derby braucht: Emotionen, Tempo, ein bisschen Chaos, eine Handvoll Gelber Karten und einen Helden, der gestern noch kaum einer kannte. Jurica Horvat wird dieses Tor wohl nie vergessen - und Osijek auch nicht. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen seufzte: "Ein Derby ist wie ein Familienstreit - keiner gewinnt wirklich, aber einer hat Recht." Und diesmal hieß der, der Recht hatte, eben Hajduk Osijek. 23.02.644003 18:06 |
Sprücheklopfer
Wer in Bochum von Strafraum zu Strafraum geht und sich dabei nicht den Knöchel bricht, dem gebe ich einen aus.
Christoph Daum