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Der Abend im Bramall Lane begann kühl, aber die 28.862 Zuschauer sollten schnell warm werden - vor allem auf der Heimtribüne. Der FC Sheffield besiegte Macclesfield Town mit 2:1 und festigte damit seinen Platz im oberen Tabellenmittelfeld der 2. Liga England. Mann des Abends: Samuel Hoskins, der mit einem Doppelpack in der ersten Halbzeit seine Mannschaft auf die Siegerstraße brachte. Schon in der 19. Minute zappelte der Ball das erste Mal im Netz. Hoskins nutzte eine kleine Schlafmützigkeit der Macclesfield-Defensive eiskalt aus, schob lässig ein und grinste danach, als hätte er gerade im Training getroffen. "Ich hab einfach gehofft, dass der Ball mir wieder vor die Füße fällt - und siehe da, Weihnachten kam früh", lachte der Angreifer nach dem Spiel. Nur zwei Minuten später legte er nach: Diesmal servierte ihm Lucas Lansbury mustergültig von rechts, und Hoskins verwandelte zum 2:0. Zwei Tore in zwei Minuten - die Gäste wirkten, als hätten sie kurz vergessen, dass man in einem Ligaspiel nicht auf Zeit spielen kann. Macclesfield-Coach wirkte an der Seitenlinie, als überlege er, ob ein dritter Kaffee noch helfen könnte. Seine Mannschaft hatte zwar mehr Ballbesitz (51,6 Prozent), aber so richtig gefährlich wurden sie erst, als das Spiel schon fast entschieden war. "Wir hatten die Kugel, sie hatten die Tore", knurrte Kapitän Ethan Grantham später - und brachte damit die Statistik auf den Punkt. Sheffield, von Trainer Erich Speithvenne gewohnt pragmatisch eingestellt, kontrollierte das Spiel mit 11 Torschüssen zu 6. Besonders der junge Matthew Cabell zeigte, warum er als zukünftiger Star gehandelt wird: quirlig, mutig, manchmal etwas zu verliebt in den Ball, aber immer gefährlich. Zwischen der 70. und 81. Minute schoss er gleich viermal aufs Tor - allerdings ohne Erfolg. "Ich wollte halt unbedingt mein Tor", grinste Cabell nach dem Abpfiff, "aber Hosky hat uns ja eh schon gerettet." Die zweite Halbzeit begann mit einem Wechsel: Daniel Staunton kam für Ben Billet, um das Zentrum zu stabilisieren. Doch in der 56. Minute meldete sich Macclesfield zurück. Linksverteidiger Berndt Fink flankte butterweich - und Ethan Grantham köpfte zum 2:1-Anschluss ein. Ein Lebenszeichen, das die 300 mitgereisten Fans immerhin kurzzeitig von ihren Sitzplätzen riss. "Da dachte ich, jetzt geht was", sagte Trainer Speithvenne später schmunzelnd, "aber dann fiel mir ein, dass wir ja führen." Macclesfield drängte in der Folge, blieb aber harmlos. Burton und Forssell scheiterten mehrfach am soliden Keeper Ingvar Afzelius, der seinen Kasten mit nordischer Ruhe verteidigte. Nur einmal geriet er ins Wanken, als Grantham in der 56. Minute erneut abzog - doch diesmal reagierte Afzelius glänzend. In der 62. Minute sah Grantham Gelb, als er Owen Musgrave unsanft stoppte. "Ich hab ihn kaum berührt", beschwerte er sich, während Musgrave lachend vom Platz humpelte. Später fügte sich auch Sheffields Innenverteidiger Jouke Ostrander in die Chronik der Verwarnungen ein - in der 87. Minute für ein übermotiviertes Tackling, das den Schiedsrichter mehr erschreckte als den Gegner. Speithvenne wirkte an der Seitenlinie insgesamt zufrieden. Sein Team spielte ausbalanciert, ließ sich auch vom zwischenzeitlichen Druck nicht beirren. "Wir haben gelernt, dass man Spiele auch ohne 70 Prozent Ballbesitz gewinnen kann", erklärte er nach der Partie mit einem schiefen Lächeln. "Manchmal reicht’s, wenn man einfach trifft." Macclesfield dagegen ging mit hängenden Köpfen vom Platz. Trainer Nigel Holloway (der den Journalisten wortlos die Hand schüttelte und dann in der Kabine verschwand) wird an der Chancenverwertung arbeiten müssen. Sechs Torschüsse, ein Treffer - das reicht selten für Punkte. So blieb es beim 2:1 für Sheffield, das Ergebnis, das schon zur Pause Bestand hatte. Im Stadion feierten die Fans ausgelassen, während Hoskins seinen Matchball unterschrieb und einem kleinen Jungen auf der Tribüne schenkte. "Vielleicht bringt er ihm Glück", meinte er. "Oder er verkauft ihn bei Ebay - beides okay." Ein Abend also, der alles bot: frühe Tore, ein bisschen Spannung, ein paar Gelbe Karten und die Erkenntnis, dass Effizienz im Fußball manchmal eben schöner ist als Ballbesitz. Sheffield lacht, Macclesfield lernt - und die 2. Liga hat wieder eine kleine Geschichte mehr. Und irgendwo im Tunnel soll man Trainer Speithvenne gemurmelt haben hören: "Zwei Tore Vorsprung sind wie ein guter Whiskey - man genießt sie am besten, bevor sie verdunsten." 19.12.643996 18:54 |
Sprücheklopfer
Ich würde Helmut Kohl gerne einmal kennenlernen. Der wird genau so oft angefeindet wie ich. Aber da habe ich wohl keine Chance, weil der Bundeskanzler ja schon Berti Vogts adoptiert hat.
Dragoslav Stepanovic