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Ein lauer Aprilabend in Nottinghamshire, 27.000 Zuschauer, Flutlicht, Bratwurstduft und ein Spiel, das alles hatte - außer einen Sieger. Hucknall Town und der FC Southampton trennten sich am 32. Spieltag der 1. Liga England mit 1:1. Ein Ergebnis, das beiden irgendwie zu wenig und doch irgendwie gerecht war. Dabei begann der Abend für die Gäste aus Southampton durchaus verheißungsvoll. Bereits in der 17. Minute rauschte Rechtsverteidiger Leo Broderick heran, als wäre er von einem Motorboot gezogen, und jagte den Ball aus spitzem Winkel in den Winkel. Torwart José Enrique Alves hatte nicht mal Zeit, sich über das neue Tornetz zu freuen, da zappelte der Ball schon darin. "Ich dachte, der flankt!", rief Alves anschließend lachend, "aber anscheinend dachte Leo, er sei Cristiano Ronaldo." Hucknall Towns Trainer Maddes Kaiser stand an der Seitenlinie mit verschränkten Armen, kaute auf einem unsichtbaren Kaugummi und murmelte etwas, das klang wie: "Das war so nicht im Drehbuch." Seine Elf brauchte ein paar Minuten, um sich zu schütteln - und dann startete sie eine regelrechte Belagerung. Filipe Alves schoss in der 18., 34., 40. und 52. Minute aufs Tor, als wolle er das Tornetz persönlich zur Aufgabe zwingen. Doch entweder stand ein Verteidiger im Weg oder der frisch eingewechselte 20-jährige Keeper Brandon Lithgow, der in der 20. Minute für den verletzten Gabriel Clancy gekommen war, fischte alles heraus. "Ich hatte keinen Plan, dass ich überhaupt spielen würde", grinste Lithgow später. "Aber als ich den ersten Ball gehalten hab, dachte ich: Okay, das ist jetzt wohl mein Abend." Mit 0:1 ging’s in die Kabinen - und Maddes Kaiser muss dort offenbar eine Mischung aus Shakespeare-Monolog und Militärappell gehalten haben. Denn Hucknall kam raus wie eine Mannschaft, die plötzlich begriffen hatte, dass Tore nicht durch Ballbesitz allein entstehen. 54 Prozent Ballbesitz hin oder her - irgendwann muss das Ding eben rein. In der 57. Minute war es dann soweit: Ricardo Bosingwa, der Routinier im Mittelfeld, zog nach feinem Zuspiel von Lionel Couto ab - 1:1! Das Stadion explodierte, Bierbecher flogen, jemand stieß seine Nachbarin an und rief: "Er kann’s ja doch noch!" Bosingwa selbst blieb cool: "Ich wollte einfach den Ball treffen. Alles andere war Zufall." Danach drückte Hucknall weiter, als hätten sie plötzlich entdeckt, dass Fußball ein Kontaktsport ist. Daniel Winfield prüfte Lithgow zweimal, Thierry Bergeron versuchte es aus der Distanz, und selbst Linksverteidiger Mordechai Greenberg wagte sich in der 71. Minute nach vorn. Southampton dagegen kämpfte, bissig, aber zunehmend müde. Ihr Mittelfeldmann William Corey kassierte Gelb (47.) und humpelte nach einer Verletzung in der 63. Minute vom Platz. Coach Michael Böning reagierte mit der Einwechslung des jungen Liam Allington, der später sagte: "Ich war nervös, klar. Aber dann hab ich einfach gemacht, was wir im Training üben - den Ball nicht verlieren." In den letzten zehn Minuten wurde es wild. Greenberg sah Gelb (81.), Bergeron ebenfalls (87.), und Schiedsrichter Parker hatte alle Hände voll zu tun, die Emotionen im Zaum zu halten. "Ich hab kurz überlegt, ob ich auch noch eine Karte ziehe - für mich selbst", witzelte Böning nach der Partie. Statistisch war Hucknall klar vorn: 14 Torschüsse zu 3, mehr Ballbesitz, mehr Zweikämpfe gewonnen. Aber Fußball bleibt, was er ist - ein Sport für die Ungerechten. Southampton verteidigte clever, hatte in Jan Ovesen (85.) sogar noch eine späte Riesenchance, die José Enrique Alves mit einer Glanzparade zunichtemachte. Am Ende stand ein 1:1, das sich für Hucknall eher wie ein halber Sieg anfühlte. Die Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft mit Applaus - und ein paar ironischen "Wir sind unbesiegbar!"-Rufen. Trainer Kaiser grinste. "Wenn wir so weiterspielen, gewinnt irgendwann auch mal jemand." Und Böning? Der nahm den Punkt mit britischer Gelassenheit: "Wir haben gegen ein starkes Team bestanden. Und unser Torwart hat heute wahrscheinlich seine Geburtsurkunde auf den Platz getragen - so jung war der!" Ein Abend, der wieder einmal zeigte, warum man Fußball liebt: weil selbst ein 1:1 spannender sein kann als jeder Krimi. Und weil manchmal selbst ein Rechtsverteidiger das Tor des Abends schießt. 23.01.643997 09:52 |
Sprücheklopfer
Ich weiß nicht, ob ich bis dahin schon wieder laufen kann.
Mario Basler auf die Bitte des Bayerischen Fernsehens, ob er am Montag Studiogast in Blickpunkt Sport sein wolle