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Ein Dienstagabend im Mai, Flutlicht, 38.145 Zuschauer im KC Stadium - und ein Hull City, das seinem Spitznamen endlich wieder gerecht wurde. Die Tigers fauchten, bissen und zerlegten Stoke City mit 3:0. Trainer Mathias Oergel stand nach dem Spiel grinsend am Spielfeldrand und meinte trocken: "Wir wollten heute einfach mal wieder zeigen, dass wir Tore schießen können - und dass unser Rasen nicht nur zum Verteidigen da ist." Schon früh war klar, dass Hull mehr Hunger mitgebracht hatte. In der 18. Minute kombinierte sich der junge Mihai Vladoiu auf der linken Seite durch, flankte butterweich in den Strafraum - und Ewan Caviness, 21 Jahre jung und mit der Selbstverständlichkeit eines erfahrenen Torjägers, traf per Direktabnahme zum 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Caviness später, "und gehofft, dass der Ball nicht auf dem Parkplatz landet." Tat er nicht - stattdessen zappelte er im Netz. Stoke City, von Horst Fiedler gewohnt offensiv eingestellt, konnte sich zwar mit etwas mehr Ballbesitz trösten (52 Prozent), doch die gefährlicheren Szenen hatten eindeutig die Gastgeber. Hull schoss 16-mal aufs Tor, Stoke nur 9-mal - und selbst das sah auf dem Papier freundlicher aus, als es auf dem Platz wirkte. Fiedler, sonst kein Mann großer Worte, murmelte nach Schlusspfiff: "Wir hatten mehr Ball - aber Hull hatte mehr Sinn damit." Die erste Halbzeit endete mit einem schmeichelhaften 1:0 für Stoke aus deren Sicht. Hull wirbelte weiter, Chamberlain und Corey prüften Keeper Simcha Amir mehrfach, und der verzweifelte "Potters"-Schlussmann brüllte irgendwann Richtung Abwehr: "Kann mir mal jemand helfen?" - die Antwort blieb aus. Nach der Pause stellte Fiedler dreifach um. Neue Außenverteidiger, frisches Pressing, mehr Mut. Doch dieser Mut wurde in der 65. Minute bestraft: Billy Chamberlain sprintete über rechts, legte mustergültig in den Rückraum, und Dominique Corey vollendete eiskalt zum 2:0. Ein Tor, das nach Lehrbuch aussah - und das den Gästen endgültig den Zahn zog. "Da war die Luft raus", sagte Corey später, "aber wir wollten noch einen draufsetzen. Das macht einfach mehr Spaß." Gesagt, getan. In der 90. Minute war es Connor Wiltshire, der nach Vorarbeit von Routinier Lewis Payne das 3:0 markierte. Payne, 33 Jahre alt und mit dem Charme eines alten Spielmachers, kommentierte das mit einem Augenzwinkern: "Ich wollte eigentlich Zeit schinden. Dann hab ich Connor gesehen - und dachte, warum nicht?" Wiltshire nahm den Ball, zog trocken ab, und das Stadion explodierte. Während die Hull-Fans ihre Mannschaft feierten, vergrub Stoke-Coach Fiedler die Hände tief in den Taschen. "Wir spielen offensiv", sagte er später auf der Pressekonferenz, "aber manchmal heißt offensiv wohl: Wir rennen ins offene Messer." Oergel dagegen konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. "Die Jungs haben heute verstanden, was es heißt, gierig zu sein. Wir pressen nicht oft, aber wenn, dann richtig - und heute haben wir mal gar nicht gepresst, sondern einfach Fußball gespielt." Tatsächlich hatte Hull laut Statistik kein aktives Pressing angesetzt, aber mit aggressivem Zweikampfverhalten (Tacklingquote 52,5 Prozent) und viel Laufbereitschaft jeden Stoke-Angriff früh entschärft. In der Kabine der Tigers soll es nach dem Abpfiff laut geworden sein - aber nicht vor Wut, sondern vor Gesang. Ein Spieler brüllte angeblich: "So fühlt sich Wiedergeburt an!" - und vielleicht hatte er recht. Nach einigen schwankenden Wochen schien Hull an diesem Abend wieder zu wissen, wer es ist: ein offensives, mutiges Team, das seine Chancen nutzt und sich nicht hinter Ballbesitzstatistiken versteckt. Stoke City dagegen wird sich fragen, wie man so viel Ball haben und doch so wenig anfangen kann. Ihre Stürmer - Bencik, Duran und Soveria Simeri - schossen zwar insgesamt fünfmal aufs Tor, aber nie wirklich gefährlich. Torwart Joel Eliot im Hull-Kasten hatte einen gemütlichen Abend, der ihn mehr an eine Trainingseinheit erinnerte. Am Ende stand ein 3:0, das so klar war, wie es klingt. Hull war bissiger, schneller, entschlossener. Der Sieg geht nicht nur in Ordnung - er war ein Statement. Oergel brachte es auf den Punkt: "Manchmal muss man einfach daran glauben, dass Offensive die beste Verteidigung ist." Und so gingen die Tigers in die Nacht, begleitet vom Jubel ihrer Fans. Stoke dagegen fuhr zurück in den Nebel - mit viel Ballbesitz im Gepäck, aber ohne Punkte. Ein Fazit in zwei Worten? Hull hungrig. Stoke satt. 17.04.644000 23:29 |
Sprücheklopfer
Jeremies hat in alter Manier um sich geschlagen.
Rainer Bonhof zu den Trainingseindrücken des während der WM 98 angeschlagenen Jens Jeremies