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Hull Tigers drehen verrücktes Spiel - Bournemouth hadert mit sich selbst

Ein lauer Sommerabend in Bournemouth, 39.636 Zuschauer, ein Flutlichtspiel, das alle Zutaten für ein englisches Fußballdrama hatte: Tore, Platzverweise, Emotionen - und ein Trainer, der nach Schlusspfiff mit versteinertem Blick auf den Rasen starrte. Am Ende siegten die Hull Tigers mit 3:2 beim Bournemouth FC, doch das Ergebnis erzählt nur die halbe Geschichte.

Es begann verheißungsvoll für die Gäste. Bereits in der 17. Minute zog Mihai Vladoiu nach einem feinen Doppelpass mit Emil Musiala - ja, der Musiala, der offenbar auch in Hull eine gute Figur macht - einfach mal ab. Der Ball zischte durch die Beine von Barrymore hindurch, Bournemouth-Keeper Samuel Locklear streckte sich vergeblich. 0:1 - und die Tigers schnurrten zufrieden.

Während Trainer Mathias Oergel an der Seitenlinie entspannt an seinem Kaugummi kaute, fuchtelte Raffael Vogelsang wild mit den Armen. "Wir hatten uns vorgenommen, ruhig zu bleiben. Aber nach dem 0:1 war Ruhe das Letzte, was ich gesehen habe", knurrte der Bournemouth-Coach später.

Die Gastgeber hatten mehr Ballbesitz (53 Prozent) und auch mehr Torschüsse (8:7), doch sie wirkten fahrig - als hätten sie vergessen, dass Fußball auch Tore braucht. Stattdessen sammelten sie Gelbe Karten wie andere Panini-Sticker: erst Aaron Davonport (29.), dann Björn Lindemann (42.). Der bekam nach der Pause gleich noch eine drauf - Gelb-Rot in der 61. Minute. "Ich schwöre, ich hab ihn kaum berührt!", rief Lindemann, während er den langen Gang zur Kabine antrat. Der Schiedsrichter sah das naturgemäß anders.

Und dann - als ob zehn Mann plötzlich besser Fußball spielen könnten - drehte Bournemouth das Spiel! Erst traf William Lansbury in der 53. Minute nach Vorlage von Jorge Pelaez zum Ausgleich, dann legte derselbe Lansbury in der 67. Minute nach. "Ich dachte, jetzt kippt das Ding", sagte er später mit einem bitteren Lächeln. "Tja, es kippte. Nur leider in die andere Richtung."

Denn kaum war das Stadion richtig wach, schlugen die Tigers zurück. Eine Minute nach Lansburys Doppelpack sprintete Arkadiusz Lewandowski (kein Verwandter, aber fast so treffsicher) nach Pass von Erland Brodersen durch die taumelnde Bournemouth-Abwehr und schob eiskalt ein - 2:2. Raffael Vogelsang trat wütend gegen eine Trinkflasche, die prompt einen armen Balljungen traf.

Und es kam noch schlimmer: In der 73. Minute war es Brodersen selbst, der nach Vorlage von Dominique Corey das Spiel endgültig drehte. 2:3 - und die Hull-Bank explodierte vor Freude. "Wir wussten, dass Bournemouth nach dem Platzverweis nervös wird", erklärte Oergel mit einem Grinsen. "Da haben wir ihnen eben den Zahn gezogen."

Die letzten zwanzig Minuten waren dann pure englische Dramatik: Bournemouth warf alles nach vorn, brachte Adam Bosworth und Archie Onnington, während Hull sich mit gelben Karten eindeckte (Steffens, 80.; Sorbo San Basile, 82.). Die Tigers verteidigten mit allem, was sie hatten - manchmal auch mit den Ellenbogen.

In der 78. Minute hätte Leo McGowan fast noch den Ausgleich erzielt, doch Hulls Keeper Joel Eliot fischte den Ball mit einer Flugeinlage aus dem Winkel - vermutlich die Parade seines Lebens. Die Nachspielzeit? Eine einzige Nervenprobe. Brodersen, der Mann des Abends, prüfte in der 91. Minute noch einmal Locklear, aber der hielt diesmal.

Als der Schlusspfiff ertönte, ballte Oergel die Fäuste, während Vogelsang regungslos in die Leere blickte. "Wir waren besser, bis wir zu zehnt waren", murmelte er später. "Danach waren wir… na ja, kreativ."

William Lansbury, zweifacher Torschütze und tragischer Held des Abends, fasste es mit typisch britischem Galgenhumor zusammen: "Vielleicht sollten wir beim nächsten Mal mit neun Mann anfangen. Dann wissen wir wenigstens gleich, woran wir sind."

Die Statistik bestätigt das Gefühl: Bournemouth dominierte optisch, Hull siegte effektiv. Ballbesitz und Torschüsse halfen nichts gegen einen Gegner, der im richtigen Moment zubiss.

Am Ende blieb nur die Erkenntnis: Fußball ist manchmal weniger eine Frage der Zahlen als der Nerven. Und die hatten die Tigers - ganz im Gegensatz zu Bournemouth - bis zum Schlusspfiff.

Oder, um es mit einem Fan im Pub nach dem Spiel zu sagen: "Wir hatten alles - Tore, Karten, Drama. Nur Punkte nicht."

Ein Abend, wie ihn die englische Liga liebt - und Bournemouth schnell vergessen möchte.

18.03.644003 19:12
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