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Hull Tigers stolpern spät - Southampton siegt dank frühem Doppelschlag

Es war ein kühler Aprilabend in Hull, doch auf dem Rasen brannte es bereits nach wenigen Minuten lichterloh. 29.998 Zuschauer sahen im KC Stadium einen FC Southampton, der von Beginn an den Gastgebern zeigte, dass "Offensiv" nicht nur eine taktische Einstellung, sondern eine Lebenseinstellung sein kann. Am Ende stand ein 1:2, das knapper klingt, als es über weite Strecken war.

Schon nach neun Minuten senkte sich Gerritt Van Cortlandts Schuss wie ein verspäteter Ostergruß ins Netz der Hull Tigers. Owen Hartshorn hatte ihn mit einem butterweichen Pass in Szene gesetzt, und Van Cortlandt bedankte sich mit einem Abschluss, der so präzise war, dass Torhüter Luke Almond vermutlich noch immer überlegt, ob der Ball tatsächlich existierte. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Van Cortlandt nach dem Spiel. "Aber wenn man einmal pro Monat trifft, darf man das ruhig als Absicht verkaufen."

Hull, unter Trainer Mathias Oergel bekannt für geduldigen Aufbau und - laut Statistik - zurückhaltende Aggressivität, wirkte wie ein Team, das sich gerade erst an den Gedanken gewöhnt hatte, dass auch die Gegner Tore schießen dürfen. Southampton hingegen spielte weiter munter nach vorn, als sei das Spiel ein Trainingskick. 20 Torschüsse der Gäste sprechen eine deutliche Sprache - die Tigers schafften gerade einmal drei.

In der 38. Minute erhöhte Gabriel Beecroft nach Vorlage von Manuel Tiago auf 0:2. Ein Angriff über links, wie aus dem Lehrbuch: Hartshorn leitete über den Flügel ein, Tiago legte quer, Beecroft schob ein. "So wollte ich das sehen", freute sich Southamptons Trainer Michael Böning, der sonst eher dafür bekannt ist, seine Emotionen so dezent zu zeigen wie ein britischer Butler. "In der ersten Halbzeit waren wir brillant - in der zweiten dann sehr britisch: höflich, aber ineffektiv."

Tatsächlich ließ Southampton nach dem Wechsel die Zügel etwas schleifen. Das Pressing, das in den ersten 45 Minuten Hull kaum Luft gelassen hatte, wich einer nüchternen Spielkontrolle. "Wir wollten das Ergebnis verwalten", erklärte Böning. "Leider sind wir keine Bank."

Hull hingegen zeigte nach der Pause eine Spur mehr Mut. Max Lujan prüfte in der 50. Minute Gästekeeper Gabriel Clancy mit einem Distanzschuss, der allerdings mehr Rauch als Gefahr erzeugte. Dann kam Connor Wiltshire - der Mann, der nie aufgibt, selbst wenn der Ball schon auf dem Parkplatz liegt. Erst in der 58. Minute scheiterte er noch an Clancy, dann, in der 82., war es soweit: Nach einem feinen Steckpass von Theo Patton traf Wiltshire zum 1:2. Der Jubel im Stadion klang, als hätte Hull gerade den Klassenerhalt gesichert.

"Ich hab einfach draufgehalten", meinte Wiltshire später, während er sich noch die Rasenspuren von den Schienbeinen wischte. "Und diesmal war das Tor zufällig da, wo der Ball hinflog." Trainer Oergel lobte: "Connor hat uns gezeigt, dass man auch mit drei Torschüssen ein Tor machen kann. Leider stand auf der anderen Seite ein Team, das zwanzig brauchte - und zwei machte."

Southampton brachte den knappen Vorsprung über die Zeit - mit etwas Glück, aber auch Routine. In der 87. Minute kassierte Linksverteidiger Kai Whitman noch Gelb für ein rustikales Einsteigen, das wohl mehr mit Müdigkeit als mit Bosheit zu tun hatte. Kurz darauf durfte sich auch Torhüter Brandon Lithgow, 20 Jahre jung, noch über ein paar Minuten Erstliga-Luft freuen, nachdem Clancy ausgewechselt wurde.

Statistisch gesehen war Southampton in allen Belangen überlegen: mehr Ballbesitz (53,7 Prozent), bessere Zweikampfquote (57,6 Prozent), deutlich mehr Abschlüsse. Hull hingegen hielt mit Herz dagegen - und mit einer Taktik, die laut Daten als "ausgewogen, schwach aggressiv, kein Pressing" beschrieben wird. Oder, wie ein Fan auf der Tribüne murmelte: "Wir warten halt, bis der Gegner müde ist. Leider wurde nur der Schiedsrichter müde."

Am Ende blieb es beim 1:2 - ein verdienter Sieg der Gäste, auch wenn der späte Treffer der Tigers kurzzeitig Spannung versprach. Southampton festigt damit seinen Platz im oberen Tabellendrittel, während Hull weiter im Mittelfeld verharrt, irgendwo zwischen Hoffnung und Gleichgültigkeit.

"Wir haben uns gesteigert, das war wichtig", meinte Oergel zum Abschied, ehe er mit gesenktem Kopf in den Kabinengang verschwand. Böning dagegen lächelte breit: "Wenn man auswärts gewinnt, darf man sogar den Busfahrer umarmen."

Und so rollte der Southampton-Bus in die Nacht, begleitet vom leisen Seufzen der Heimfans - und dem Gefühl, dass Hull zwar kämpft, aber manchmal einfach zu freundlich ist, um Punkte zu stehlen.

08.12.643996 02:30
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