// Startseite
| Diarios de Futbol |
| +++ Sportzeitung für internationale Wettbewerbe +++ |
|
|
|
Es war einer dieser Abende, an denen selbst die Tribünen vibrierten. 79.500 Zuschauer drängten sich im Estadio Tomás Ducó, als Huracán und CF Flamengo zum letzten Gruppenspiel der Copa Libertadores aufliefen. Und sie bekamen alles, was südamerikanischer Fußball verspricht: Leidenschaft, Tempo, Gelb in der zweiten Minute und Tore - gleich fünf davon. Am Ende jubelten die Brasilianer über ein 3:2, während die Hausherren sich fragten, wie man ein Spiel mit mehr Ballbesitz, mehr Torschüssen und mehr Mut trotzdem verlieren kann. Die Partie begann, wie man es von einem Team unter Diego Simeone erwarten darf - mit einem Tritt in die Tür: Noch keine zwei Minuten gespielt, da sah Innenverteidiger Adrien Cools Gelb. "Ich wollte nur zeigen, dass wir da sind", erklärte der Belgier später mit einem Schulterzucken, als wäre das ein völlig legitimes Mittel der Kommunikation. Huracán zeigte sich anschließend von der forscheren Sorte: 52 Prozent Ballbesitz, 16 Schüsse aufs Tor, und eine Offensivabteilung, die in der ersten halben Stunde wie entfesselt wirkte. Der polnische Flügelstürmer Mariusz Chalaskiewicz traf in Minute 18 nach feinem Zuspiel von Sergi Nani - und legte nur elf Minuten später identisch nach. "Wir haben das zweimal geübt", grinste Nani, "aber nicht erwartet, dass es zweimal klappt." Doch Flamengo wäre nicht Flamengo, wenn sie nicht aus dem Chaos Samba tanzen könnten. Eric Jonsson, der blonde Rechtsaußen mit nordischem Gesicht und brasilianischem Herz, antwortete prompt: In der 31. und 36. Minute traf er doppelt - einmal nach Vorarbeit von Frederik Laursen, dann nach Einleitung durch den unermüdlichen Rechtsverteidiger Afanasi Tscherepanow. "Wir haben Huracán kurz den Wind aus den Segeln genommen", meinte Jonsson lakonisch. "Danach lief’s wie auf dem Strand in Rio." Zur Pause stand es 2:2, die 79.500 im Stadion waren gleichzeitig begeistert und erschöpft. Simeone, die schwarze Krawatte schon leicht schief, brüllte an der Seitenlinie weiter, während sein Gegenüber Dino Ma stoisch an seiner Wasserflasche nippte. Taktisch blieben beide Teams sich treu: Huracán offensiv, pressend, lauernd auf den Fehler; Flamengo ausgewogen, aber mit jener unnachahmlichen Geduld, die irgendwann jeden Gegner mürbe macht. Die zweite Halbzeit begann mit einer kleineren Umbauaktion: Simeone brachte den erfahrenen Nico Fiedler, um links hinten Ordnung zu schaffen, und später den jungen Henry Mills im Angriff. Doch während Huracán weiter anlief - Peter Kohut vergab in der 61. Minute freistehend, Chalaskiewicz prüfte Keeper Haim Tal mehrfach - warteten die Brasilianer einfach auf ihren Moment. Der kam in der 81. Minute. Wieder Laursen, diesmal aus dem Nichts. Ein abgefälschter Ball landete vor seinen Füßen, und ehe irgendein Verteidiger verstand, dass Gefahr drohte, war der Ball schon im Netz. 3:2 für Flamengo, und die Bank der Gäste verwandelte sich in ein rot-schwarzes Karnevalskomitee. "Wir haben nie aufgehört zu glauben", sagte Trainer Dino Ma nach dem Spiel. "Manchmal ist Fußball Mathematik, heute war er Musik." Sein Gegenüber Simeone hingegen knurrte: "Wir haben 95 Minuten alles gegeben, aber wir haben vergessen, das Tor zuzuschließen." Die Schlussphase war ein einziger Sturmlauf: Henry Mills drosch in der Nachspielzeit gleich zweimal aufs Tor, einmal vorbei, einmal in die Arme von Tal. Der Torhüter riss danach die Fäuste in den Nachthimmel, als hätte er das Finale gewonnen. Flamengo zeigte, warum sie in Südamerika gefürchtet sind - nicht, weil sie dominieren, sondern weil sie im entscheidenden Moment eiskalt zuschlagen. Huracán dagegen muss sich fragen, ob Leidenschaft allein reicht, wenn die Präzision im entscheidenden Augenblick fehlt. Statistisch gesehen sah es fast gerecht aus: 16:11 Torschüsse, 52 zu 48 Prozent Ballbesitz, ein Tackling-Verhältnis von 52 zu 48 Prozent - alles knapp. Nur das Ergebnis nicht. "Wenn du so spielst und trotzdem verlierst, dann weißt du, dass Fußball manchmal ein schlechter Witz ist", murmelte Chalaskiewicz beim Verlassen des Rasens. Vielleicht ist das genau der Charme dieses Spiels: Huracán stürmt, kämpft, rackert - und Flamengo tanzt zum Sieg. Ein Abend voller Pfeffer, Pathos und ein bisschen Tragikomik. Oder, wie ein fanatischer Zuschauer auf der Tribüne rief, als der Schlusspfiff ertönte: "Das war kein Fußball - das war ein Drama mit Ball!" Und wer weiß - vielleicht sehen wir diese beiden Teams bald wieder. Im Viertelfinale. Oder im nächsten Kapitel dieser Copa, die jedes Jahr beweist, dass der Fußball in Südamerika nicht gespielt, sondern gelebt wird. 22.07.643996 03:22 |
Sprücheklopfer
Irgendwann mal wieder gewinnen, und das versuchen wir zu probieren.
Oliver Kahn auf die Frage, was man denn gegen die Krise tun könne