Jornal do Brasil
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Indio de Manaus ringt Flamengo in einem wilden 4:3 nieder

Ein lauer Freitagabend in Manaus, 60.548 Zuschauer, tropische Luft und ein Fußballspiel, das man nicht so schnell vergisst: Indio de Manaus besiegt den CF Flamengo mit 4:3 - und das nach einer ersten Halbzeit, die mehr mit einem Rockkonzert als mit strukturiertem Fußball gemein hatte.

Neun Minuten waren gespielt, da drehte der flinke Eric Jonsson von Flamengo auf. Ein kurzer Doppelpass mit Bo Christiansen, ein Haken nach innen, ein Schuss - 0:1. Trainer Dino Ma riss die Arme hoch, als hätte er gerade die Meisterschaft gewonnen. "Wir wollten früh ein Zeichen setzen", erklärte er später mit der Ruhe eines Mannes, der noch nicht wusste, was ihm blühen würde.

Denn danach überrollte Indio de Manaus den Favoriten aus Rio de Janeiro wie ein stürmischer Amazonas-Regen. In der 26. Minute verwandelte Marcello Calopezzati eine butterweiche Flanke von Rechtsverteidiger Fernando Djalo zum Ausgleich. Zwei Minuten später brannte das Stadion: Innenverteidiger Ernst Lundqvist - ja, ein Innenverteidiger! - köpfte nach einem Eckball von Adem Martin das 2:1. "Ich dachte, ich träume", grinste Lundqvist nach dem Spiel. "Normalerweise darf ich da hinten bleiben, diesmal hab ich’s riskiert."

Flamengo schwankte, und Indio nutzte das gnadenlos. In der 34. Minute traf Arnau Manu nach Vorarbeit von Nuno Garcia - 3:1. Sechs Minuten später brachte Jonsson die Gäste mit seinem zweiten Treffer zwar nochmal heran (3:2), doch pünktlich zur Pause legte Manu erneut nach. Nach einer Kopfballablage von Innenverteidiger Javier Sousa drückte er den Ball zum 4:2 über die Linie.

"Ich hab ihm zugerufen: ’Wenn du ihn nicht machst, musst du laufen!’", scherzte Trainer Karel Aschenberger nach dem Spiel. "Er hat mich wohl gehört."

Die zweite Halbzeit begann ruhiger - vielleicht auch, weil beide Teams sich erst einmal sortieren mussten. Flamengo wechselte: Atabey Kaldirim kam für den gelbverwarnten Cesar Poncela, später ersetzte Frederik Laursen den jungen Bo Christiansen. Und Laursen brauchte nur sieben Minuten, um Eindruck zu hinterlassen: In der 56. Minute verkürzte er nach feinem Zuspiel von Mario Berjon auf 4:3.

Danach entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Flamengo hatte mit 52,7 Prozent Ballbesitz und zehn Torschüssen zwar etwas mehr vom Spiel, doch Indio verteidigte mit Zähnen und Klauen. Arnau Manu, längst erschöpft, rackerte vorne weiter, während Keeper Michele Miglierina zweimal in höchster Not parierte.

In der 84. Minute hätte Adem Martin alles klar machen können, doch sein Schuss aus 18 Metern strich knapp über die Latte. "Ich hab schon Jubeln geübt", bekannte er später lachend, "aber der Ball hatte andere Pläne."

Flamengo drückte - Hugo Custodio und Fernando Coelho prüften Miglierina mehrfach, und in der 86. Minute kam sogar Julio Hierro gefährlich zum Abschluss. Doch der Ball wollte nicht mehr rein. Trainer Dino Ma schüttelte an der Seitenlinie den Kopf: "Wir haben alles versucht, aber Indio war heute einfach wilder."

Kurz vor Schluss wechselte Aschenberger noch zweimal: Nelson Coluna und Vicente Morte kamen, um Zeit von der Uhr zu nehmen - was ihnen auch gelang. Nach 94 Minuten pfiff der Schiedsrichter ab, und das Stadion explodierte in Jubel.

"Das war kein Fußballspiel, das war ein Abenteuer", meinte ein Fan mit bemaltem Gesicht, während er eine Pappmaske von Arnau Manu in die Luft hielt. Und tatsächlich: Vier Tore in einer Halbzeit, zwei Mal Ausgleich, ein Abwehrspieler als Torschütze - in Manaus liebt man solche Nächte.

Statistisch gesehen war’s ein Duell auf Augenhöhe: 13 Torschüsse für Indio, 10 für Flamengo, Zweikampfquote 50,6 zu 49,4 - also praktisch Gleichstand. Aber Fußball wird nun mal nicht nach Prozenten entschieden.

"Wir müssen ruhiger werden, disziplinierter", sagte Dino Ma und blickte dabei so, als hätte er die tropische Hitze persönlich unterschätzt. Karel Aschenberger hingegen grinste in die Mikrofone: "Wenn man gegen Flamengo 4:3 gewinnt, darf man auch mal schwitzen."

Ein Spiel, das keiner so schnell vergisst - nicht wegen der Taktik, sondern wegen der Leidenschaft. Und irgendwo in Manaus klimpert Arnau Manu vermutlich gerade auf einer Gitarre und summt: Vier Tore sind besser als drei.

(Artikel: 615 Wörter)

03.11.643996 07:07
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