El Peruano
+++ Sportzeitung für Peru +++

Inti Gas rennt an, Lima trifft - und lacht zuletzt

Ein lauer Maiabend in Ayacucho, 43.500 Zuschauer, und die Luft vibrierte schon vor dem Anpfiff. Man roch Popcorn, Schweiß und Hoffnung. Inti Gas Deportes wollte am 30. Spieltag der 1. Liga Peru endlich mal wieder einen Großen schlagen. Doch Academia Lima, trainiert vom kühlen Strategen Olli Kahn, kam mit einem Plan - und einem rechten Flügel, der offenbar auf Turbolader lief.

Schon nach sieben Minuten der erste Schock für die Gastgeber: Rechtsverteidiger Nestor Delgado hebelt mit einem Pass die halbe Inti-Gas-Abwehr aus, Jukka Hietanen sprintet durch wie ein Gepard auf Koffein und hämmert den Ball aus 16 Metern ins Netz. 0:1 - und das Publikum schluckt kollektiv. "Wir waren irgendwie noch beim Einlaufen", knurrte später Heimpilot Robert Musso, der sich nach dem schnellen Rückstand "ziemlich wach" fühlte.

Doch es kam noch dicker. In der 19. Minute kombinierte Lima über links - der 20-jährige Arnfinn Berg, kaum Bartwuchs, aber schon mit der Abgeklärtheit eines Veteranen, flankt butterweich. Christiano Meireles, der Name klingt wie Samba, köpft eiskalt ein. 0:2. Und die Tribüne stöhnt, als hätte jemand den Strom abgestellt.

Trainer Arjen Robby tobte an der Seitenlinie, riss die Arme hoch, um dann in einer Mischung aus Trotz und Selbstironie zu rufen: "Wir wollten sie einschläfern - hat nur bei uns funktioniert!"

Zur Halbzeit hatte Inti Gas mehr Torschüsse (7 zu 5) und trotzdem weniger Treffer. Ballbesitz? Fast ausgeglichen: 49,8 zu 50,2 Prozent. Nur auf der Anzeigetafel sah es nicht so harmonisch aus.

Die zweite Hälfte begann mit einem Paukenschlag - diesmal im positiven Sinne für die Hausherren. In der 58. Minute zog Agustin Adao im Mittelfeld die Fäden, steckte den Ball durch, und Vitor Prieto vollendete aus spitzem Winkel. 1:2! Endlich Jubel, endlich dieses Gefühl, dass das Stadion wieder lebt. "Ich dachte, das Dach fliegt weg", lachte Adao hinterher.

Was dann folgte, war ein Spiel zwischen Wut, Wille und Wahnsinn. Inti Gas warf alles nach vorne - Flanken, Schüsse, Mut. Allein Samuel Hoskins prüfte den Gästekeeper drei Mal in zwölf Minuten (49., 52., 61.). "Ich wollte ihn weichschießen, aber der Typ war aus Granit", stöhnte Hoskins nach der Partie.

Dann, Minute 62: plötzlich Drama pur. Manuel de Gogorza, Limas rechter Verteidiger, tritt übermotiviert in einen Zweikampf - und sieht glatt Rot. Kahn stapfte an der Seitenlinie auf und ab, murmelte etwas von "deutscher Disziplin" und schickte noch im selben Atemzug den jungen Joaquin Gutierrez aufs Feld (60. Minute). Zwei Minuten später war de Gogorza ohnehin Geschichte.

"Mit zehn Mann haben wir eher angefangen, Fußball zu spielen", grinste Olli Kahn später. Und tatsächlich: Die Gäste verteidigten nun mit einer Mischung aus Beton und Chaos, während Inti Gas anlief, als gäbe es kein Morgen.

In der 65. Minute brachte Robby frische Kräfte: Xuarez, Szalay und Hugo Gutierrez kamen für Fossato, da Costa und den Torschützen Prieto. Doch auch die Wechsel brachten keinen Ausgleich - eher noch mehr Verzweiflung.

Die Minuten tickten herunter, die Pässe wurden hektischer, und der Ballbesitz kippte leicht zugunsten der Gäste, die mit Kontern immer wieder Nadelstiche setzten. Galindo (53.) und Pedivigliano (75.) prüften den Inti-Keeper Marin, der immerhin eine gute Figur machte.

In der 85. Minute kassierte Ivan Anicic noch Gelb - ein Symbol für Limas rustikale Schlussphase. Danach wurde jede Grätsche bejubelt, jeder Einwurf gefeiert, als wären es Tore.

Als der Schlusspfiff ertönte, sank Prieto auf die Knie, während Hietanen - Limas Matchwinner - mit einem breiten Grinsen in die Kamera winkte. "Wir haben den Job früh erledigt", kommentierte er trocken.

Statistisch gesehen hätte Inti Gas mehr verdient: 13 Torschüsse zu 9, leicht bessere Zweikampfquote (51,2 Prozent) und ein Publikum, das bis zur letzten Minute mitging. Doch Fußball ist kein Statistikseminar. Er ist ein Spiel voller Ironie - und diesmal lachte sie mit den Gästen aus Lima.

Trainer Robby fasste es später so zusammen: "Wenn man die erste halbe Stunde verschläft, hilft auch kein Espresso mehr."

Kahn hingegen verließ das Stadion mit dem typischen Siegerblick: "Wir können auch schön spielen, wenn wir müssen. Heute mussten wir nur schlau sein."

Und so endet dieser Abend mit einem 1:2, das nüchtern betrachtet gerecht, emotional aber schmerzhaft war. Inti Gas kämpft weiter gegen die eigene Unbeständigkeit, während Academia Lima langsam an den oberen Tabellenplätzen kratzt.

Ein Spiel, das zeigte, dass Fußball manchmal kein Marathon ist, sondern ein 20-Minuten-Sprint - und wer da zu spät losläuft, sieht am Ende nur die Rücklichter.

22.05.644000 14:55
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Mario Basler
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