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Jarota Jarocin zerlegt GKS Tychy - Galindo eröffnet, Nachwuchs glänzt

Ein lauer Aprilabend, Flutlicht über Jarocin, 31.750 Zuschauer - und ein Spiel, das den Heimfans noch lange ein Lächeln ins Gesicht zaubern dürfte. Jarota Jarocin bezwingt GKS Tychy am 28. Spieltag der polnischen 1. Liga mit 3:0 (2:0) - und das so überzeugend, dass selbst Trainer Henryk Kasperczak nach Abpfiff kurzzeitig wie ein Mann wirkte, der an Wunder glaubt.

"Ich weiß gar nicht, was ich zuerst loben soll - das Pressing, den Mut oder einfach die Freude am Ball", grinste der Coach, als er sich nach Spielende mit hochgekrempelten Ärmeln den Fans stellte. Seine Elf spielte, als hätte sie die ganze Woche nichts anderes getan, als Tore zu üben - was bei 15 Torschüssen durchaus glaubwürdig klingt.

Miguel Galindo war der Erste, der den Tychy-Torwart Sebastian Ratajczyk aus der Fassung brachte. In der 32. Minute schlenzte der 25-jährige Mittelfeldmotor nach feiner Vorarbeit von Andrzej Fojut den Ball ins lange Eck - 1:0. Ratajczyk flog, streckte sich, sah gut aus - aber nicht gut genug. "Der Ball war schneller als mein Gedanke", murmelte er später in die Mikrofone, ein Satz, der auch als poetische Zusammenfassung des gesamten Abends durchgeht.

Keine zehn Minuten später folgte das nächste Highlight: Cameron Lester, der bullige Mittelstürmer mit dem Charme eines Kneipenschlägers, nickte eine butterweiche Flanke von Innenverteidiger (!) Atilay Demirel zum 2:0 ein. Der Jubel im Stadion glich einem Erdbeben der Kategorie "Jarocin bebt".

Und als die zweite Halbzeit kaum begonnen hatte, war der Drops endgültig gelutscht. Der erst 18-jährige Jakub Nawalka krönte sein Startelfdebüt mit einem frechen Flachschuss zum 3:0 (46.), vorbereitet von Routinier Jermolai Budjanski. "Ich wollte eigentlich flanken", gab der Youngster hinterher grinsend zu. "Aber wenn der Ball schon mal drin ist, sag ich natürlich nicht Nein." Trainer Kasperczak legte ihm den Arm um die Schulter und raunte: "So fangen Karrieren an."

Von GKS Tychy kam in der Folge wenig, obwohl Christian Reuss’ Mannschaft nominell offensiv aufgestellt war. Zwei Wechsel zur zweiten Halbzeit - Mircea Chiroiu musste für Igor Melis weichen, Brandon Prentiss für Antonio Ferron - änderten nichts am Spielverlauf. Tychy hatte neun Torschüsse, aber kaum zwingende Szenen. Der junge Samir Nasri (17) versuchte es wenigstens mit jugendlicher Frechheit, leistete sich aber auch die einzige Gelbe Karte seines Teams (75.) - sinnbildlich für die Ratlosigkeit der Gäste.

"Wir wollten offensiv auftreten, aber offensiv war heute nur Jarocin", meinte Reuss mit einem Anflug von Galgenhumor. "Vielleicht hätten wir auch mal defensiv BALANCED einstellen sollen." Eine Anspielung auf die taktische Ausrichtung seiner Mannschaft, die durchgehend als "OFFENSIVE" deklariert war - ein mutiger, aber an diesem Abend teurer Plan.

Jarota dagegen spielte mit Wucht und erstaunlicher Reife. Galindo zog die Fäden im Mittelfeld, Fojut rackerte sich trotz früher Gelber Karte (18.) unermüdlich ab, und hinten stand Demirel wie eine Mauer aus Beton und Bart. Torhüter Alejandro Ziganda musste nur gelegentlich eingreifen, tat das aber mit der stoischen Ruhe eines Mannes, der lieber Kreuzworträtsel löst als Bälle faustet.

Als Kasperczak in der 88. Minute den 19-jährigen Andrew Yeates und den gleichaltrigen Wladimir Boniek einwechselte, war das längst Showprogramm. "Ich wollte die Jungs einfach mal schnuppern lassen, wie Sieg riecht", sagte er mit einem Augenzwinkern.

Die Statistik untermauert den klaren Eindruck: 54,7 Prozent Ballbesitz, 15:9 Torschüsse, leicht bessere Zweikampfquote (51,9 Prozent). Jarocin war in jeder Kategorie eine Spur entschlossener - und das reicht im Fußball oft schon.

Nach Abpfiff applaudierten die Fans minutenlang, während die Spieler in der Kurve tanzten. Galindo, zum Mann des Spiels gekürt, fasste den Abend trocken zusammen: "Ein gutes Spiel ist, wenn selbst der Ball Spaß hat."

Man könnte hinzufügen: Ein perfekter Abend ist, wenn Henryk Kasperczak entspannt lächelt - und GKS Tychy sich fragt, wie man einen Gegner stoppen soll, der selbst bei 3:0 noch nach vorne spielt.

Ob Jarota Jarocin damit Richtung Aufstiegsränge schielt? "Ach was", winkte Kapitän Demirel ab. "Wir wollen nur Spaß haben - und Tore schießen." Wenn das so weitergeht, dürfen sie beides reichlich.

Ein Abend, der zeigte: Wer in Jarocin Punkte holen will, muss mehr mitbringen als guten Willen - vielleicht auch eine Portion Mut, ein bisschen Glück und vor allem: einen Plan B. Heute reichte keines davon. 3:0. Ende. Punkt.

08.12.643996 05:22
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