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Jena fegt Hordel vom Platz - Veloso tanzt, Hordel taumelt

Wenn ein Spiel schon nach einer halben Stunde entschieden ist, dann liegt das selten am Schiedsrichter. Im Bochumer Stadtteilstadion von TuS Hordel war am Freitagabend aber auch kein Pech im Spiel - höchstens Ratlosigkeit. Der Gast aus Jena nahm die 28.894 Zuschauer mit auf eine Lehrstunde in Sachen Konsequenz und Tempo. Am Ende stand es 0:3 (0:2), und das Ergebnis schmeichelte den Gastgebern geradezu.

Schon die ersten Minuten gaben die Richtung vor: Jena spielte, Hordel staunte. Fernando Veloso, der 31-jährige Portugiese im Sturm, hatte bereits in der 7. Minute den ersten Warnschuss abgefeuert. Danach folgte ein Trommelfeuer aus blauen Angriffen - 17 Torschüsse verbuchte Jena am Ende, während Hordel sich mit drei dürftigen Versuchen begnügte. "Wir wollten über Konter kommen", erklärte Trainerin Ute Finkeldy hinterher, "aber irgendwie kam der Konter nie."

In der 27. Minute dann die logische Konsequenz: Karl Rose, Jenas junger Rechtsverteidiger, sprintete die Linie hinunter, flankte scharf in den Strafraum - und Veloso drosch den Ball humorlos unter die Latte. 0:1, die Jenaer Bank jubelte, Hordels Keeper Davide Lorenzo blickte ins Leere. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", murmelte er später, halb trotzig, halb fassungslos.

Doch Jena machte weiter, als hätte jemand den Pausenpfiff vergessen. Nur elf Minuten nach dem Führungstreffer traf Hermann Zimmermann zum 0:2 - nach Pass des eingewechselten Walter Jung, der gerade erst den verletzten Maik Weis ersetzt hatte. Weis hatte sich zuvor bei einem Pressschlag am Knie verletzt, die Szene ließ die Jenaer Bank kurz erzittern. "Ich hab Walter einfach gesagt: mach’s ruhig, Junge", grinste Trainer Martin Wegner später, "und dann legt er gleich das Tor auf. Vielleicht sollte er öfter nicht nervös sein."

Das 0:2 zur Pause war verdient, aber nicht ausreichend, um Hordel wiederzubeleben. Kurz nach Wiederanpfiff - die 46. Minute war kaum angebrochen - machte Veloso endgültig den Deckel drauf. Nach schönem Zuspiel von Bruno Antunes stand er wieder goldrichtig und schob zum 0:3 ein. Danach hätte Jena noch erhöhen können, ließ aber Gnade walten. "Wir wollten kein Basketball-Ergebnis", witzelte Wegner.

Hordel kämpfte, das muss man ihnen lassen. Jesper Erichsen holte sich in der 77. Minute die Gelbe Karte ab - ein Zeichen von Leben, immerhin. Ernst Kunkel prüfte in der 87. Minute Jenas Torwart Ezequiel Alves mit einem Distanzschuss, doch der Portugiese im Tor machte auch das souverän. Und als Olav Anders in der Nachspielzeit noch einmal aus der zweiten Reihe abzog, war es mehr ein Versuch, die Ehre zu retten als das Ergebnis.

Die Statistik sprach ohnehin Bände: 50,1 Prozent Ballbesitz für Jena, aber das täuscht. Der Ball war meistens dort, wo Hordel ihn nicht haben wollte. Die Gäste wirkten taktisch reifer, technisch präziser - und erstaunlich abgeklärt für ein Team, das gleich zwei Teenager einwechselte. Der 19-jährige Walter Kaufmann durfte ab der 75. Minute ran, ebenso der 17-jährige Matti Gadocha. Beide brachten frischen Wind, Gadocha sogar fast ein viertes Tor. "Ich wollte eigentlich nur den Ball stoppen", lachte der Debütant nach dem Spiel, "aber dann war da plötzlich nur noch das Tornetz."

Ganz ohne Drama ging es am Ende aber doch nicht: In der 91. Minute sah Amaury Nunez Gelb-Rot, nachdem er kurz zuvor schon verwarnt worden war. "Er hat mich nicht gehört, ich hab ihm nur gesagt, er soll ruhig bleiben", seufzte Wegner. Doch selbst in Unterzahl war von Hordel keine Aufholjagd zu sehen.

Trainerin Finkeldy suchte nach dem Abpfiff nach den richtigen Worten: "Manchmal muss man einfach anerkennen, dass der Gegner besser war. Wir haben versucht, lange Bälle zu spielen - aber die waren wohl zu lang." Neben ihr nickte Verteidiger Karsten Runge mit leerem Blick. "Ich weiß gar nicht, ob wir heute überhaupt im Strafraum waren", sagte er - und grinste dann schief. "Vielleicht beim Einlaufen."

Jena dagegen darf sich über drei Punkte und eine makellose Vorstellung freuen. Zwei Tore von Fernando Veloso, eins von Hermann Zimmermann, dazu eine glänzende Abwehrleistung - das war ein Statement. "Es war schön, mal wieder Spaß am Fußball zu haben", meinte Veloso, der sich nach seiner Gala noch mit den Fans abklatschte.

Und TuS Hordel? Die müssen sich nun schütteln, sortieren und hoffen, dass der nächste Gegner weniger portugiesisches Temperament mitbringt. Oder wenigstens ein bisschen Mitleid.

Kurz gesagt: Jena tanzte Samba, Hordel spielte Blockflöte.

17.08.643990 13:01
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