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Jena ringt Hordel nieder - 3:2-Heimsieg mit Nervenkitzel und Latte

Ein lauer Aprilabend, Flutlicht über Jena und 27.260 Zuschauer, die sich beim letzten Heimspiel der Saison fragten, ob ihre Mannschaft nach einer Achterbahnfahrt im Frühjahr noch einmal die Kurve kriegt. Die Antwort lautete: ja - mit einem 3:2 gegen TuS Hordel, aber auf eine Art, die dem geneigten Herzpatienten eher abraten ließe, Fußball zu schauen.

Schon in der dritten Minute schien alles auf einen gemütlichen Saisonausklang hinzudeuten. Arnau Ronaldo, der flinke Rechtsaußen mit dem großen Namen und der kleinen Rückennummer, traf nach Vorarbeit von Bruno Antunes eiskalt zum 1:0. "Ich dachte, Bruno flankt ins Nichts - aber da war plötzlich der Ball, und ich hatte keine Zeit zu denken", grinste Ronaldo später. Trainer Martin Wegner ballte an der Seitenlinie die Faust - und ahnte wohl nicht, dass seine Jungs fortan eher Achterbahn als Fußball spielen würden.

Denn Hordel, trainiert von Ute Finkeldy, war nicht zum Schaulaufen gekommen. Das Team aus dem Ruhrgebiet, taktisch auf Konter und lange Bälle eingestellt, antwortete mit Kampfgeist und erstaunlicher Präzision. In der 21. Minute schickte der junge Marwin Rodriguez einen mustergültigen Pass in den Strafraum, wo Tim Pfeiffer humorlos einnetzte - 1:1. "Wir dachten, jetzt kippt das Ding komplett", gestand Jenas Kapitän Maik Weis später, "wir haben uns hinten richtig schwindelig gespielt."

Statistisch gesehen hatte Hordel mehr vom Spiel (54 Prozent Ballbesitz, 13 Torschüsse zu Jenas 10), aber die Gastgeber hatten das, was man in Jena offenbar "Effizienz durch Chaos" nennt. Nach der Pause wurde’s wild: Fjodor Koroljuk, der bullige Mittelstürmer der Gäste, traf in der 56. Minute nach Vorlage von Pfeiffer zum 2:1 für Hordel. Wegner schlug die Hände über dem Kopf zusammen, während Finkeldy lächelte wie jemand, der gerade ein Sudoku in Rekordzeit gelöst hat.

Doch kaum vier Minuten später schlug Jena zurück. Mark Pohl, sonst eher für Flanken als für Vollspannschüsse bekannt, zog aus 18 Metern ab - und traf. Assistiert von Weis, der den Ball elegant querlegte. 2:2, und im Stadion vibrierte die Hoffnung. Wegner rief: "Jetzt weiter!", und seine Elf nahm ihn ernst.

In der 70. Minute kam der junge Olav Heine für Jan Alex ins Spiel - und machte genau das, was sich jeder Trainer erträumt: treffen. In der 75. Minute, kaum fünf Minuten auf dem Platz, verwertete Heine eine Flanke von David Stefan zum 3:2. "Ich war noch gar nicht richtig warm", sagte Heine lachend, "aber der Ball wollte einfach rein."

Hordel drückte in der Schlussphase, Koroljuk und Pfeiffer feuerten aus allen Lagen (man zählte allein zwischen der 87. und 93. Minute drei Schüsse aufs Tor), doch Jenas Keeper Jesus Smith hielt, was zu halten war. Einmal rettete auch der Pfosten - zur Freude der heimischen Fans, die kollektiv den Atem anhielten.

"Das war kein schönes Spiel, aber ein ehrliches", resümierte Trainer Wegner mit einem müden Grinsen. "Wir haben’s uns schwer gemacht, aber manchmal ist das genau der Weg zum Sieg." Seine Kollegin Finkeldy war weniger amüsiert: "Wir hatten mehr Ballbesitz, mehr Chancen, und trotzdem verlieren wir. Das ist bitter - aber so ist Fußball. Und vielleicht auch ein bisschen ungerecht."

Gelbe Karten gab’s übrigens auch: Amaury Nunez (Jena) sah in der 26. Minute Gelb, Luke Kinsella (Hordel) in der 80. - beide für Fouls, die man unter "robust, aber nicht bösartig" verbuchen darf.

Das Publikum verabschiedete die Mannschaften mit Applaus - und einem Hauch Wehmut. Denn für Jena endet mit diesem Sieg eine Saison voller Aufs und Abs, voller vergebener Chancen und kleiner Wunder. Für Hordel bleibt ein Auswärtsspiel, das man in die Kategorie "hätte, könnte, sollte" einordnet.

Oder, wie ein älterer Fan auf der Tribüne beim Abpfiff sagte: "Das war kein Spiel für Feingeister, aber für Fußballromantiker schon." Und irgendwie hatte er recht - denn wer beim 3:2 gegen Hordel nicht zumindest einmal aufgesprungen ist, war vermutlich gar nicht da.

24.02.643997 22:52
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