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Jena tanzt auf dem Volkspark-Rasen - Hamburger SC erlebt kalte Dusche

Ein kalter Montagabend, 20:30 Uhr, Flutlicht an, 23.294 Zuschauer im Stadion - und am Ende eine eiskalte Ernüchterung für den Hamburger SC. Die Hausherren verloren am 3. Spieltag der 2. Liga Deutschland mit 0:3 gegen Jena. Drei Tore in zehn Minuten machten aus einem zähen Fußballabend eine kleine Lehrstunde in Effektivität.

Dabei hatte alles gar nicht so schlecht begonnen. In den ersten Minuten suchte der junge Stefan Schubert die Lücke in der Jenaer Abwehr, prüfte Keeper Ezequiel Alves bereits in der vierten Minute. "Ich dachte, wenn der reingeht, läuft das Spiel ganz anders", sagte Schubert später etwas wehmütig. Stattdessen lief es so, dass Jena die Kontrolle übernahm - Ballbesitz 53 Prozent, 18 Torschüsse zu mickrigen fünf der Hamburger. Statistisch war das Ganze eine klare Angelegenheit, optisch ebenfalls.

Jenas Offensive wirbelte von Beginn an, angeführt vom erfahrenen Fernando Veloso, der mit 31 Jahren zeigte, wie man einen Ball behauptet, einen Zweikampf gewinnt und trotzdem noch elegant aussieht. Sein Trainer Martin Wegner grinste nach dem Spiel: "Fernando ist wie ein guter Rotwein - manchmal braucht man einfach Geduld, bis er wirkt." In der ersten Halbzeit war es allerdings eher ein alkoholfreier Tropfen: viele Chancen, kein Tor.

Hamburgs Coach Bernd Happel stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, versuchte seine junge Truppe wachzurütteln. "Wir wollten offensiv spielen, das hat man ja gesehen", meinte er später - wohl wissend, dass "offensiv" an diesem Abend vor allem bedeutete, den Ball schnell wieder zu verlieren.

Nach dem Seitenwechsel dann das, was Jena-Fans lieben und Hamburger Fans verdrängen möchten: ein Offensivfeuerwerk in Blau-Weiß. In der 63. Minute war es schließlich so weit: Mark Pohl flankte von rechts, Fernando Veloso stand goldrichtig und schob zum 0:1 ein. Der Gästeblock tobte. "Endlich!", brüllte ein Jena-Fan, "der hat sich ja warm geschossen!"

Kaum hatten die Hamburger sich sortiert, klingelte es erneut. Fünf Minuten später köpfte Jan Alex nach einer Ecke von Innenverteidiger Robert Barth das 0:2 - ein Tor, das in der Videowand-Replay-Schleife fast ironisch wirkte: Barth, der Verteidiger, lieferte die Vorlage, während Hamburgs Abwehr kollektiv in die falsche Richtung lief. Trainer Happel schüttelte nur den Kopf, murmelte etwas von "Lehrgeld".

Und als die Nordlichter dachten, schlimmer könne es nicht kommen, machte Maik Weis den Deckel drauf. In der 73. Minute zog er aus 20 Metern ab, der Ball senkte sich hinter dem eingewechselten Keeper Maximilian Miller ins Netz. 0:3. Die Fans auf der Nordtribüne begannen mit Galgenhumor zu singen - und mancher Journalist tippte schon das Wort "Debakel".

Der Rest war Ergebniskosmetik ohne Ergebnis. Jena spielte die Partie souverän zu Ende, lehnte sich zurück, während Hamburg verzweifelt nach einem Ehrentor suchte. Samuel Perlman versuchte es in der 78. Minute, doch sein Schuss landete in der dritten Reihe. Dass er sich neun Minuten später noch Gelb abholte, passte zu diesem Abend wie die Regenwolken über Altona.

Kurz vor Schluss wurde Jenas junger Stürmer Hermann Zimmermann nach einem Zusammenprall behandelt und ausgewechselt - der einzige Wermutstropfen für die Gäste. "Er hat was am Knöchel, aber nichts Schlimmes", beruhigte Trainer Wegner nach dem Spiel.

Während die Jenaer Spieler ausgelassen vor der Kurve tanzten, zogen die Hamburger mit gesenkten Köpfen in die Kabine. Happel redete dort angeblich Klartext. Ein Spieler, der anonym bleiben wollte, verriet: "Er hat gesagt, wir hätten wenigstens so tun können, als wollten wir das Spiel gewinnen."

Und Jena? Die feierten ausgelassen, als hätten sie gerade den Aufstieg klargemacht. Fernando Veloso grinste, als man ihn auf das Ergebnis ansprach: "0:3 auswärts in Hamburg? Das klingt gut - das schreibe ich mir in den Lebenslauf."

Das Fazit in Zahlen: 18:5 Torschüsse, 55,8 Prozent Zweikampfquote, drei Tore zwischen Minute 63 und 73. Mehr Effektivität geht kaum. Und während Jena nun oben anklopft, steckt der Hamburger SC tief in der Reflexionsphase.

"Wir sind jung, wir lernen", sagte Happel zum Abschied und lächelte gequält. Vielleicht denkt er dabei schon an das nächste Spiel - oder an einen guten Rotwein.

Denn eines ist sicher: An diesem Abend war nicht Jena zu Gast in Hamburg, sondern eine Fußballlektion in drei Akten.

22.06.643990 06:56
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Wenn ein Tor fällt, können noch mehr fallen. Aber es muss erst mal eins fallen.
Erich Ribbeck
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