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Jena verschenkt Sieg - Hordel bedankt sich mit spätem Comeback

Ein nasskalter Samstagabend, Flutlicht, 30.756 Zuschauer und zwei Mannschaften, die sich nichts schenkten: Das 2:2 zwischen Jena und TuS Hordel am 30. Spieltag der 2. Liga war kein Fußball für Feingeister, aber ein Fest für Freunde des gepflegten Nervenflatterns.

Von Beginn an legten die Gäste aus Hordel los, als wollten sie noch vor der ersten Stadionwurst das Spiel entscheiden. Bereits in der ersten Minute prüfte Lennard Rothe Jenas Torwart Ezequiel Alves mit einem Schuss, der allerdings mehr nach Aufwärmübung aussah. "Der Ball war noch kalt", witzelte Alves später. Nach weiteren Gelegenheiten durch Foerster und Pfeiffer übernahm dann das Heimteam die Kontrolle - und das Publikum wärmte sich endlich auf.

In der 22. Minute folgte das, was Jenas Trainer Martin Wegner später als "Bilderbuchangriff mit leichtem Schmierfilm" bezeichnete: Bruno Antunes flankte präzise aus dem rechten Halbfeld, Jan Alex hob kurz den Kopf - und vollendete trocken zum 1:0. Ein Tor, wie man es in Jena liebt: technisch sauber, optisch ansprechend, aber mit der unterschwelligen Sorge, dass es zu schön war, um lange zu halten.

Doch zunächst lief alles nach Plan. Hordel verlor nach einer Gelben Karte für Curt Schöne etwas den Faden, Jena kombinierte gefällig. Eri Kunz allerdings sah ebenfalls Gelb, nachdem er meinte, Gegenspieler Marvin Fink müsse das Werbeband aus der Nähe kennenlernen. "Er hat einfach zu laut geatmet", kommentierte Kunz süffisant nach dem Spiel.

Nach der Pause kam Hordel mit drei frischen Stürmern - eine Maßnahme, die Trainerin Ute Finkeldy als "kontrollierte Offensive mit leichtem Chaosfaktor" beschrieb. Das Chaos funktionierte. Zwar traf zunächst Jenas Youngster Hermann Zimmermann nach feinem Zuspiel erneut von Antunes zum 2:0 (55.), doch wer glaubte, das Spiel sei entschieden, hatte Hordels Andre Lange unterschätzt.

Zwei Minuten später drosch der 33-Jährige den Ball nach Schöne-Vorlage humorlos unter die Latte - nur noch 2:1. "Ich hab gar nicht gezielt, ich hab einfach gehofft, dass niemand im Weg steht", grinste Lange hinterher. Jenas Defensive stand plötzlich so offen wie ein Bahnhofskiosk. Und als in der 66. Minute Vincent Albinana über links durchbrach und erneut Lange fand, war der Ausgleich perfekt. 2:2 - und das Stadion murmelte ungläubig.

Jena hatte mehr Ballbesitz (52 Prozent) und wollte mit Kurzpassspiel den Gegner zermürben, doch Hordel blieb mit seinen langen Bällen gefährlich. Am Ende standen 12 Torschüsse der Gäste gegen 7 von Jena - Zahlen, die Wegner später mit einem sarkastischen "Statistik gewinnt keine Spiele, aber sie erklärt, warum ich graue Haare habe" kommentierte.

In der 75. Minute musste Hordels Mittelfeldmotor Georg Heller verletzt raus, während Jena dreifach wechselte: Jung, Costinha und der 18-jährige Kaufmann kamen - letzterer feierte sein Zweitligadebüt und schoss prompt in der 76. Minute knapp vorbei. Das Publikum spendete Trostapplaus.

Die Schlussphase gehörte den Gästen. Marvin Fink prüfte Alves mehrfach, doch der portugiesische Keeper hielt, was zu halten war. In der 93. Minute noch einmal Spannung: Zimmermann zog volley ab, doch Hordels Torwart Jacob Montgomery fischte den Ball aus dem Winkel - ein Reflex, der an Zauberei grenzte. "Ich hab ihn gar nicht gesehen, nur gehört", lachte er später.

Nach Abpfiff standen beide Trainer nebeneinander an der Seitenlinie. Wegner seufzte: "Wir hätten das dritte Tor machen müssen." Finkeldy konterte trocken: "Oder wir das erste."

So blieb es beim 2:2 - ein Ergebnis, das beiden Teams irgendwie gerecht wurde. Jena war die feinere Mannschaft, Hordel die zähere. Und als die Fans in die kalte Nacht hinausströmten, hörte man einen älteren Zuschauer murmeln: "War wie immer - wir führen, und am Ende jubeln die anderen."

Ein Fazit, das man in Jena wohl unterschreiben würde. Doch immerhin: kein verlorener Punkt, sondern zwei verschenkte. Und manchmal ist Fußball eben genau das - eine Lektion in Demut, serviert mit Flutlichtglanz und einem Schuss Ironie.

19.03.643990 06:59
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