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Es war ein lauer Aprilabend in Jerusalem, 35.216 Zuschauer im Stadion, der Muezzin rief zum Gebet, und auf dem Rasen beteten die Fans der Yellows kurzzeitig selbst - um defensive Stabilität. Leider vergeblich. Am Ende hieß es 1:4 (0:0) gegen ein entfesseltes Tirat Carmel FC, das nach der Pause die Gelbhemden in ihre Einzelteile zerlegte. Dabei hatte alles so harmlos begonnen. Die ersten 45 Minuten glichen einer Taktiklehrstunde in Geduld. Jerusalem kontrollierte den Ball mit knapp 50 Prozent Ballbesitz, Tirat Carmel lauerte auf den Flügeln, ließ aber zunächst die Zielgenauigkeit vermissen. "Wir wollten sie einlullen", grinste Gästecoach Babsi Klemm später. "Gut, vielleicht haben wir uns selbst kurz eingelullt." Die erste Hälfte bot viele Halbchancen und einen Hauch Dramatik: Schon in der 2. Minute sah Leandro Djalo Gelb - offenbar wollte er sein Team früh aufwecken. Dann prüfte Espen Brinkerhoff in der 21. Minute mit einem kernigen Schuss die Reflexe von Jerusalem-Keeper Marcio Tonel. Und auf der anderen Seite drosch Pinchas Ajalon in der 15. Minute einen Ball Richtung Altstadtmauer. Die Yellows wirkten bemüht, aber nicht inspiriert. Das 0:0 zur Pause schmeichelte beiden, und die Fans trösteten sich mit Sonnenblumenkernen und Sarkasmus ("Vielleicht treffen sie ja morgen"). Dann kam die 58. Minute - und plötzlich bebte das Stadion. Fritz Naphtali, der Dauerläufer im Mittelfeld, zog nach Zuspiel von Shulamit Beilin ab. Der Ball zappelte im Netz, die Fans jubelten wie nach einer Befreiungstat. 1:0 für Jerusalem! "Ich dachte, jetzt kippt das Spiel auf unsere Seite", seufzte Trainer Eyal Eban später - nur um Sekunden danach zu realisieren, dass das Spiel eher auf den Kopf gestellt wurde. Denn Tirat Carmel antwortete wie ein beleidigter Löwe. In der 64. Minute köpfte ausgerechnet Innenverteidiger Leandro Djalo nach Flanke von Rasmus Clausen zum Ausgleich ein. Eine Minute später legte Robert Catalano per Abstauber nach - 1:2. "Wir wollten zeigen, dass auch Verteidiger schießen dürfen", witzelte Catalano nach dem Spiel. Zwei Tore in zwei Minuten, beide von Abwehrspielern - das ist entweder taktische Meisterleistung oder göttlicher Humor. Jerusalem taumelte, Tirat Carmel roch Blut. In der 75. Minute traf Clausen selbst, diesmal nach Assist von Isidoro Oliveira. Und als ob das nicht reichte, schlug der brasilianische Mittelstürmer in der 80. selbst noch einmal zu - diesmal als Vorbereiter für den überragenden Rahim Erkin. 1:4, und die Yellows standen da wie Touristen ohne Stadtplan. Zwischen den Treffern: eine Verletzung, die die Yellows komplett aus dem Rhythmus brachte. Flügelflitzer Pinchas Ajalon musste in der 51. Minute vom Platz, für ihn kam Jitzchak Neman. "Ich hab’ nur kurz nach dem Ball gegriffen - und der Ball hat zurückgeschlagen", scherzte Ajalon später mit einem gequälten Lächeln. Statistisch gesehen war es kein Klassenunterschied - 8:12 Torschüsse, fast identischer Ballbesitz -, aber in der Konsequenz zeigte Tirat Carmel, warum sie ganz oben mitspielen. Ihre offensive Ausrichtung, das Flügelspiel und das bedingungslose Nachrücken der Verteidiger machten den Unterschied. Die Yellows hingegen blieben zu brav, zu balanciert - und zu langsam in der Rückwärtsbewegung. Trainer Klemm fasste die Partie mit einem Augenzwinkern zusammen: "Wir haben in der Kabine gesagt: Wir spielen weiter über die Flügel, bis einer umfällt. Am Ende sind vier gefallen - aber nur die Bälle ins Tor." Bei Jerusalem war die Stimmung gedrückt. Naphtali, Torschütze und tragische Figur zugleich, rang mit den Worten: "Ein Tor ist schön, aber vier Gegentore machen es ziemlich hässlich." Das Publikum verabschiedete sein Team trotzdem mit Applaus - vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Respekt, vielleicht schlicht aus Gewohnheit. Fazit: Tirat Carmel FC tanzt nach diesem 4:1 weiter an der Tabellenspitze, während die Yellows sich fragen, wie man ein Spiel in 20 Minuten komplett herschenken kann. Vielleicht hilft eine Nacht Schlaf - oder ein VHS-Kurs in "Defensivarbeit für Fortgeschrittene". Und irgendwo in der Kabine murmelte ein erschöpfter Jerusalem-Spieler: "Beim nächsten Mal spielen wir einfach gleich ohne Führung, dann ist der Absturz kürzer." So klingt Fußball in Israel - dramatisch, absurd und manchmal einfach himmlisch gerecht. 22.06.643997 21:48 |
Sprücheklopfer
Meine Frau und ich, wir sind jetzt seit zwei Jahren verheiratet und bei uns läuft alles gut.
Mehmet Scholl ausweichend auf die Frage, wann ihm Rehagel denn mitgeteilt habe, dass er wieder nur Ersatzspieler sein werde