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Es war ein lauer Maiabend in Kaiserslautern, 4.076 Zuschauer hatten sich im kleinen Stadion versammelt, um dem 18. Spieltag der Oberliga E beizuwohnen. Was sie bekamen, war kein Fußballspiel, sondern eine jugendliche Machtdemonstration. Kaiserslautern, im Schnitt kaum älter als eine Fahranfängerklasse, ließ den routinierten VfB Wolfsburg mit 3:0 alt aussehen - und das mit einer Spielfreude, die sogar Trainer Kada Schmide zum Lächeln brachte. "Ich hab’ den Jungs gesagt: Spielt so, als wäre das euer Schulhof. Nur mit mehr Publikum", verriet Schmide nach dem Abpfiff. Offenbar verstanden seine Schützlinge den Auftrag wörtlich, denn von Beginn an rollte Angriff auf Angriff auf das Tor von Wolfsburgs Keeper Finn Reiter. Schon in den ersten Minuten prüfte der 19‑jährige Anselm Pettersson den Torwart, als wollte er dessen Handschuhe auf Reißfestigkeit testen. Wolfsburg, geführt vom erfahrenen Hans Meier, versuchte zunächst, das Spiel zu beruhigen. Der Ballbesitz sprach mit 51 Prozent knapp für die Gäste, doch was nützt das, wenn man damit hauptsächlich die eigene Hälfte dekoriert? Nur vier Torschüsse brachte der VfB zustande - und die meisten davon aus der Kategorie "freundliche Rückgabe". Kurz vor der Pause kam dann, was sich längst angekündigt hatte: In der 45. Minute fasste sich der junge Vikentios Antoniou ein Herz. Nach feinem Zuspiel des 17‑jährigen Javier Eusebio zog er von rechts nach innen, schaute kurz, und schlenzte den Ball sehenswert ins lange Eck. 1:0 - und der Jubel hallte über den Betzenberg wie ein Befreiungsschrei. "Ich hab gar nicht gesehen, dass er drin war, bis Dimas auf mich draufgesprungen ist", lachte Antoniou später. Die Gelbe Karte, die er in der 90. Minute für ein etwas zu temperamentvolles Nachgrätschen kassierte, nahm er mit einem Grinsen: "War’s wert." Die zweite Halbzeit begann, wie die erste endete - mit Kaiserslautern im Vorwärtsgang. Fünf Minuten nach Wiederanpfiff legte Eusebio selbst nach. Nach schönem Doppelpass mit Maximilian Anders zog er aus 20 Metern ab - Reiter streckte sich vergeblich. 2:0, und die Tribüne tanzte. "Ich wollte eigentlich querlegen", gab Eusebio hinterher zu, "aber dann dachte ich: Ach, probier’s halt mal." So kann man’s auch machen. Wolfsburgs Pechsträhne hielt an. In der 48. Minute verletzte sich Innenverteidiger Owen MacKintosh - ein Zusammenprall ohne Fremdeinwirkung. Trainer Meier musste umstellen, brachte Richard Graf. Kaum auf dem Platz, sah der prompt Gelb (85.). "Wir hatten heute einfach kein Glück. Und wenn du keins hast, dann musst du wenigstens Kaffee trinken", seufzte Meier in der Pressekonferenz, während er demonstrativ an seiner Tasse nippte. Kaiserslautern ließ nicht locker. Schuss um Schuss, 23 an der Zahl, prasselten auf das Wolfsburger Tor. In der 66. Minute war’s dann endgültig vorbei: Pettersson, der schon die ganze Partie über gewirbelt hatte, zog nach einem Abpraller humorlos ab - 3:0. Reiter schaute dem Ball nur hinterher, als hätte er gerade seinen Bus verpasst. Danach wurde gewechselt, gejubelt, gelächelt. Schmide brachte den 17‑jährigen Martin Frigard für Dimas Eusebio und den jungen Innenverteidiger Artemios Eleftherakis. Selbst die Einwechselspieler wirkten, als hätten sie noch drei Tore im Tank. "Die Jungs haben Bock, das spürt man", sagte Schmide stolz. "Und wenn sie so weitermachen, müssen wir bald Eintritt nehmen, um beim Training zuzusehen." Wolfsburg dagegen wirkte ratlos. Kein Pressing, kaum Zweikämpfe gewonnen - die Tackling‑Quote von 41,9 Prozent sprach Bände. Nur Gerhard Beyer versuchte hin und wieder, mit Fernschüssen den Anschluss zu erzwingen, doch Lauterns Keeper Max Breadalbane hatte einen ruhigen Abend. Als der Schlusspfiff ertönte, applaudierte das Publikum minutenlang. Ein verdienter Sieg, ein klarer Beweis, dass jugendlicher Leichtsinn manchmal der beste Matchplan ist. "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll", meinte Torschütze Pettersson in der Mixed Zone, "außer vielleicht: Das war richtig, richtig geil." Und Trainer Schmide? Der grinste nur: "Ich hab den Jungs freigegeben. Aber wehe, sie kommen Montag mit Sonnenbrand." Ein Abend, der zeigte: Kaiserslautern kann nicht nur Tradition - sie können auch Zukunft. Und die sieht nach diesem 3:0 verdammt rosig aus. 04.01.644000 18:35 |
Sprücheklopfer
Der soll ruhig sein, den mussten wir doch zwei Jahre lang durchschleppen!
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