Außenseiter
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Kaiserslautern zerlegt Dillingen - 6:0 und kein Ende in Sicht

Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob der Gegner vielleicht vergessen hat, dass das Spiel wirklich zählt. Der VfB Dillingen empfing am 32. Spieltag der Oberliga E den 1. FC Kaiserslautern - und bekam prompt eine Lehrstunde in Sachen Tempofußball, Effizienz und jugendlicher Unbekümmertheit. 3378 Zuschauer sahen ein 0:6 (0:3), das in seiner Deutlichkeit selbst die abgeklärtesten Pfälzer ein wenig überrascht haben dürfte.

"Wir wollten einfach Spaß haben", grinste der erst 18-jährige Anselm Pettersson nach Abpfiff, der mit drei Treffern (23., 55., 80.) zum Albtraum der Dillingener Hintermannschaft wurde. Spaß hatte er auf jeden Fall - Zählbares blieb für die Gastgeber aus. Trainer Kada Schmide von Kaiserslautern wirkte dagegen gewohnt gelassen: "Ich habe den Jungs gesagt: Wenn ihr schon drei Tore macht, könnt ihr auch sechs machen. Sie haben mich beim Wort genommen."

Schon früh zeichnete sich ab, dass Dillingen an diesem Freitagabend in eigener Arena eher Zuschauer war. Kaiserslautern presste zwar laut Statistik nur "bei Rückstand", doch wer 19 Torschüsse produziert, scheint auch ohne Vollgas ziemlich effektiv zu sein. Die Gastgeber kamen auf drei Schüsse - was immerhin genug war, um den Ball wenigstens einmal in Richtung Vincent Aguas’ Tor zu schicken.

Die erste halbe Stunde war ein einziger roter Wirbelsturm. Erst traf Pettersson nach Vorlage von Maik Pohl (23.), dann Pohl selbst aus der Distanz (29.), flankiert von einem butterweichen Zuspiel des trickreichen Diego Zabaleta. Sieben Minuten später durfte auch der junge Nael Ze Castro seinen Namen auf die Anzeigetafel setzen (36.) - nach erneutem Zuspiel von Pohl, der an diesem Abend offenbar beschlossen hatte, gleich zwei Rollen zu spielen: Spielmacher und Dillingens Albtraum.

"Wir standen einfach immer einen Schritt zu spät", seufzte Dillingens Abwehrchef Moritz Sorglos, der seinem Namen diesmal alle Ehre machte, nachdem er in der 43. Minute noch Gelb sah. "Manchmal denkst du, du bist am Ball - und dann ist er schon wieder weg."

Kaiserslautern spielte derweil mit jugendlicher Leichtigkeit, als hätten sie vergessen, dass Oberliga normalerweise Kampf und Krampf bedeutet. Nach dem Seitenwechsel ging es nahtlos weiter: Pettersson vollendete in der 55. Minute nach Vorlage des flinken Noe Ferreira. Und als ob es nicht schon genug gewesen wäre, traf der eingewechselte 17-jährige Dimas Eusebio in der 79. Minute - wieder nach Vorarbeit von Ferreira. Nur eine Minute später war Pettersson erneut zur Stelle: sein drittes Tor, diesmal nach Pass von Vincent Adao. 6:0, und noch immer sah es aus, als wollten die Gäste weiterstürmen.

"Ich wollte eigentlich den Ball klären, aber er hat mich angeschossen - und dann war er halt drin", beschrieb Dillingens Torhüter Florian Gabriel den sechsten Gegentreffer mit einem gequälten Lächeln. "Ab da war’s dann auch egal."

Die Pfälzer Nachwuchstruppe zeigte eindrucksvoll, dass man mit ausgewogener Taktik und sicherem Abschluss ("shooting: sure", hätte der Statistikbogen trocken kommentiert) auch ohne übertriebene Aggressivität Tore am Fließband erzielen kann. Die Ballbesitzwerte (52,5 zu 47,5 Prozent) täuschen dabei über das tatsächliche Kräfteverhältnis hinweg - der Ball mag zeitweise bei Dillingen gewesen sein, gefährlich wurde es allerdings nie.

Kada Schmide, der Trainer der Gäste, zeigte sich nach dem Spiel fast väterlich: "Ich sag immer: Wenn du 17 bist und in der Oberliga triffst, darfst du auch mal frech sein. Aber nicht zu frech - sonst denkt der Gegner, du machst es absichtlich."

Ein paar Dillingener Fans suchten kurz vor Schluss Trost in der Stadionwurst. Einer rief resigniert: "Hauptsache, wir kriegen keine sieben!" - Sekunden später fiel das sechste Tor. Humor ist bekanntlich die letzte Verteidigungslinie.

Für Dillingen bleibt die Erkenntnis, dass man auch aus Niederlagen lernen kann - vor allem dann, wenn sie so deutlich ausfallen, dass man gar keine Ausreden mehr findet. Trainer des VfB (der seinen Namen lieber nicht in den Block diktiert bekommen wollte) fasste es trocken zusammen: "Wir haben heute alle Varianten des Verteidigens ausprobiert. Keine hat funktioniert."

Kaiserslautern dagegen darf weiter vom oberen Tabellendrittel träumen. Mit Pettersson, Pohl und Eusebio wachsen dort Talente heran, die vielleicht bald auf größeren Bühnen spielen. Und Dillingen? Wird das nächste Training vermutlich mit einem Satz beginnen, den man in Fußballerkreisen oft hört, aber selten glaubt: "Mund abputzen, weitermachen."

Am Ende blieb vom 32. Spieltag nur eines übrig - die Erkenntnis, dass sechs Tore manchmal weniger über den Gegner sagen als über die Spielfreude einer Mannschaft, die einfach Lust hatte, Fußball zu spielen. Und Dillingen? Die hatten immerhin den besseren Imbissstand.

02.02.643997 13:45
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In diesem Drecksspiel hätte ich zehn Akteure auswechseln können.
Felix Magath
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