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Es war kaum angepfiffen, da stand es auch schon 0:1. Die Uhr im Zeiskamer Stadion zeigte gerade einmal die erste Minute, als Nael Ze Castro, 18 Jahre jung, frisch und furchtlos, den Ball mit der Selbstverständlichkeit eines Routiniers ins Netz drosch. "Ich dachte, ich träume noch", grinste der Teenager nach dem Spiel, als er den Ball fürs Familienregal in Empfang nahm. Für Jahn Zeiskam begann der Freitagabend des 12. Spieltags der Oberliga E damit, womit er auch enden sollte: mit hängenden Köpfen. Am Ende hieß es 0:6 - und das war noch schmeichelhaft. Die 3.521 Zuschauer sahen eine Partie, die man höflich als einseitig bezeichnen könnte. Kaiserslautern, unter der Leitung von Trainer Kada Schmide, spielte so zielstrebig, dass man fast Mitleid mit den Gastgebern bekam. Schon nach 16 Minuten erhöhte Anselm Pettersson auf 0:2, eine Viertelstunde später legte er gleich noch einen nach. Mit 18 Jahren und einem Lächeln, das irgendwo zwischen Unschuld und Killerinstinkt pendelte, wirbelte Pettersson die Zeiskamer Hintermannschaft durcheinander, als wolle er sie für ein Bewerbungsvideo benutzen. "Wir wollten früh Druck machen", erklärte Schmide nach dem Spiel trocken, "dass es so gut klappt, überrascht mich fast selbst." In der 35. Minute durfte dann auch Noe Ferreira ran - 0:4, kein Erbarmen. Eine Minute später folgte Petterssons dritter Streich. 0:5 zur Pause, und der Stadionsprecher hatte Mühe, die Torschützenliste hinterherzulesen. Dabei war Zeiskam gar nicht völlig abgemeldet - zumindest nicht, wenn man auf den Ballbesitz schaute. 50,2 Prozent laut Statistik, also theoretisch gleich verteilt. Nur: Mit Ballbesitz gewinnt man keine Spiele, wenn man ihn vornehmlich in der eigenen Hälfte pflegt. Zwei Torschüsse in 90 Minuten sprechen eine deutlichere Sprache. Kaiserslautern brachte es auf 26 - und das war noch konservativ gezählt. In der Pause hörte man auf der Tribüne einen älteren Herrn murmeln: "Früher hätten wir die Lautrer noch vom Platz gefegt." Worauf sein Enkel trocken antwortete: "Ja, Opa, aber da stand’s noch 0:0." Nach dem Seitenwechsel schaltete Kaiserslautern einen Gang runter, als wolle man den Gastgebern die Würde zurückgeben. Doch auch das half nichts. Zeiskam mühte sich, Olav Fiedler (ein Schuss in der 60. Minute) versuchte es heroisch - doch die Gäste verteidigten mit jugendlicher Unbekümmertheit und einer Tacklingquote von fast 59 Prozent. In der 70. Minute wechselte Schmide dreimal: Varela, Adao und Chamberlain kamen - frisches Blut für ein ohnehin blutjunges Team. Und siehe da: Auch die Joker wollten mitspielen. In der 85. Minute traf Jorge Varela nach Vorlage von Oscar Benito zum 0:6-Endstand. Benito, 24 Jahre alt und damit quasi der "Altmeister" dieser Lautrer Boygroup, meinte danach schmunzelnd: "Ich fühl mich hier fast wie der Busfahrer." Zwei Gelbe Karten für Zeiskam - Kunkel in der 75., Schmitt in der 83. - waren die einzigen Lebenszeichen, die an so etwas wie Widerstand erinnerten. Trainer Kada Schmide nahm’s sportlich: "Ich habe den Jungs gesagt: Genießt das. Solche Spiele kommen nicht jede Woche." Sein Gegenüber, der sichtlich konsternierte Zeiskamer Coach (der Name blieb unausgesprochen), versuchte es mit Galgenhumor: "Wir haben immerhin nicht verloren, weil wir schlecht gespielt haben - sondern weil der Gegner zu gut war." Taktisch blieb Kaiserslautern die Ruhe selbst: ausgewogen, diszipliniert, kein wildes Pressing, keine übertriebene Aggressivität. Einfach effektiv. Zeiskam hingegen startete offensiv - zumindest auf dem Papier. Auf dem Platz sah das eher nach kollektivem Harakiri aus. Als der Schlusspfiff ertönte, applaudierten die Heimfans trotzdem. Vielleicht aus Respekt, vielleicht aus Erleichterung, dass es vorbei war. Nael Ze Castro winkte freundlich in die Menge, während Pettersson und Ferreira lachend Selfies mit den Ballkindern machten. "Das war heute eine Lehrstunde", gab Zeiskams Kapitän Herbert Kiefer später zu. "Aber wir nehmen das sportlich. Besser einmal richtig auf die Mütze kriegen, als jede Woche knapp verlieren." Und so endete ein Spiel, das in die Vereinschronik eingehen dürfte - wenn auch in die falsche Spalte. Kaiserslautern tanzt weiter durch die Oberliga, Zeiskam sucht nach der passenden Antwort. Vielleicht hilft Humor. Vielleicht auch ein freies Wochenende. Denn, wie ein Fan beim Hinausgehen sagte: "Wenn man sechs Stück kriegt und trotzdem lacht - dann ist man wenigstens noch menschlich." 28.03.643994 23:13 |
Sprücheklopfer
Die Vögel haben noch nicht gezwitschert, als ich gegangen bin.
Mario Basler nach einer Geburtstagfeier von Didi Hamann, die er erst um 3.00 Uhr früh verließ