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Ein lauer Frühsommerabend in Kansas City, 59.000 Zuschauer, die Sonne sinkt über dem Stadiondach - und auf dem Rasen tobt ein Spiel, das so schwankend war wie ein schlecht gezapftes Bier in der Fankurve. Kansas City FC und Academia Lima trennten sich in der Copa Libertadores mit einem 2:2, das beiden Seiten schmeckte wie lauwarme Limonade: erfrischend war’s irgendwie trotzdem. Die Hausherren legten los, wie man es von einem Team erwartet, das sich offensiv auf die Fahnen geschrieben hat. Trainer Abdi Singer hatte seine Elf mutig aufgestellt, Flügelspiel war angesagt. Schon in der 7. Minute prüfte Alfonso Almeida den Torhüter der Gäste - ein Warnschuss, der klarmachte: Heute wird geflankt bis zum Umfallen. "Wir wollten sie über außen knacken", erklärte Singer nach dem Spiel. "Und fast hat’s ja funktioniert. Nur das mit dem Knacken hat sich am Ende gegenseitig erledigt." Die erste halbe Stunde gehörte Kansas City. Damian Albentosa, der umtriebige linke Mittelfeldmann, war der Motor. Erst verfehlte er knapp, dann traf er in der 25. Minute endlich: Nach feinem Zuspiel von Gaetano Basile zog er trocken ab - 1:0! Der Jubel war ohrenbetäubend, die Fans sangen, und Albentosa grinste: "Ich hab einfach draufgehauen. Wenn du nachdenkst, ist der Ball meistens schon weg." Doch die Freude hielt nicht lange. Nur neun Minuten später zeigte Academia Lima, dass sie nicht zum Sightseeing angereist waren. Javier Santos, wieseliger Linksaußen, traf in der 34. Minute nach brillanter Vorarbeit von Matteo Pedivigliano. Ein Schuss, wie mit dem Zirkel gezogen - und plötzlich war’s wieder ausgeglichen. Trainer Olli Kahn, an der Seitenlinie gewohnt expressiv, brüllte seine Freude heraus, klatschte jeden seiner Spieler ab und murmelte dann in die TV-Kameras: "Wir sind hier, um zu überleben. Und Überleben beginnt mit einem Tor." 1:1 zur Pause, und keiner wusste so recht, wer hier eigentlich das Kommando hat. Lima hatte mehr Ballbesitz (55 Prozent), Kansas mehr Zug zum Tor (10 Torschüsse zu 8). In der Kabine, so verriet ein anonymer Spieler später, habe Singer nur gesagt: "Männer, das ist kein Schachspiel. Lauft, bis die Schuhe brennen." Gesagt, getan. In der 69. Minute brannten sie - und zwar an Marcos de Almeida, der linke Verteidiger mit Offensivdrang. Nach einem Ballgewinn setzte er sich durch, zog aus spitzem Winkel ab - und der Ball zappelte im Netz. 2:1 für Kansas City, der Jubel kannte keine Grenzen. "Ich hab nicht mal gesehen, dass der Ball drin war. Ich hab’s an der Lautstärke gemerkt", lachte de Almeida später. Doch wer Olli Kahn kennt, der weiß: Aufgeben ist für ihn keine Option. In der Schlussphase warf Academia Lima alles nach vorn. Der eingewechselte Joaquin Gutierrez, gerade einmal 21 Jahre jung und zackig wie ein Espresso, jagte über den rechten Flügel. In der 89. Minute kam die Belohnung: Nach einer butterweichen Vorlage von Luís Makukula nagelte Gutierrez den Ball aus vollem Lauf ins linke Eck. 2:2! Die Bank der Gäste explodierte, Kahn rannte fast bis zur Eckfahne. "Ich hab’s ihm in der Halbzeit gesagt: Junge, sei mutig!", grinste er später mit dem typischen Funken Wahnsinn in den Augen. Die letzten Minuten waren ein wilder Schlagabtausch. Almeida scheiterte in der 88. Minute knapp, dann rettete Kansas-Keeper Salvatore Tiriolo mit einem Reflex, der ihn zum Helden des Abends machte. "Ich hab einfach gehofft, dass mein Gesicht im Weg ist", meinte er trocken. Fünf Minuten Nachspielzeit, ein letzter Eckball - und dann war Schluss. 2:2, ein Ergebnis, das irgendwie gerecht war. Kansas City hatte mehr Zug, Lima mehr Kontrolle. Zwei Teams, die sich nichts schenkten, drei Gelbe Karten, eine Verletzung (Limas Ersatztorwart Eric Brun musste schon nach 19 Minuten raus), und jede Menge Emotion. Trainer Singer fasste es später so zusammen: "Wir spielen gegen Südamerikaner - die tanzen mit dem Ball. Wir stampfen. Am Ende war’s halt Tango auf Beton." Olli Kahn dagegen grinste in die Kameras: "Ein Punkt ist wie ein geborgter Regenschirm - du bist froh, wenn du ihn hast." Ein Spiel, das in Erinnerung bleibt. Nicht wegen der Perfektion, sondern wegen der Leidenschaft. Und weil man sich sicher sein kann: Wenn diese beiden Teams sich wiedersehen, wird’s kein Schachspiel - sondern eher ein Feuerwerk mit ungewisser Zündschnur. In Kansas City applaudierten die Fans beide Mannschaften. Und irgendwo in der Nacht, vielleicht bei einem späten Bier im Hotel, dachte sich Olli Kahn: "Es hätte schlimmer kommen können." Und Abdi Singer? Der bestellte wohl gleich eine neue Tafel für die Kabine - mit dem Spruch: "Führung halten leicht gemacht - demnächst bei uns." 19.01.644003 19:10 |
Sprücheklopfer
Wir haben den Schriftzug in unserem Vereinslogo in 'Hosenscheißer 04' geändert. Wir konnten ein großes Sponsoringpaket mit einer Windelfirma schnüren.
Rudi Assauer