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**Karbach dreht das Spiel - Hofmann wird zum späten Helden**

An einem lauen Maiabend in der Landesliga 21 zeigte der FC Karbach, warum Fußball manchmal wie ein gutes Drama funktioniert: erst langweilig, dann tragisch, und schließlich mit einem Happy End, das selbst Hollywood nicht besser hätte schreiben können. 2:1 hieß es am Ende gegen Viktoria Kahl - nach 0:1 zur Pause. 2272 Zuschauer im Karbacher Stadion erlebten ein Spiel, das von jugendlichem Übermut, alter Routine und ein bisschen Schicksal geprägt war.

Die Gäste aus Kahl, Durchschnittsalter gefühlt 19, traten mutig auf - und wurden früh belohnt. In der 11. Minute gelang dem 17-jährigen Mike Becker der Traumstart. Nach cleverem Zuspiel seines Sturmkollegen Marc Schmidt zirkelte Becker den Ball präzise ins lange Eck. Torwart Bernt Stock streckte sich vergeblich, und Becker jubelte, als hätte er gerade die Champions League entschieden. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste der blutjunge Linksaußen später. "Und dann war der Ball drin - das passiert mir sonst nur im Training!"

Karbach war sichtbar überrascht. Trainer Rainer Zufall von Viktoria Kahl - ja, der Name ist echt - rieb sich an der Seitenlinie die Hände. "Wir wollten mutig sein, und das hat man gesehen. Leider nur eine Halbzeit lang", sagte er nach dem Spiel mit einem Seufzer, der zwischen Stolz und Resignation schwankte.

Denn nach dem Seitenwechsel änderte sich die Geschichte. Karbach kam mit deutlich mehr Biss aus der Kabine, auch wenn der Beginn der zweiten Hälfte zunächst von einer unschönen Szene überschattet wurde: In der 54. Minute verletzte sich Mittelfeldmann Pascal Decker ohne gegnerische Einwirkung - Muskelriss, wie der Trainer später bestätigte. Für ihn kam Christian Scholz. "Ich hatte eigentlich schon geduscht", sagte Scholz lachend, "aber dann hieß es: ’Zieh dich an, du bist drin!’" Ein Glücksfall, wie sich herausstellen sollte.

Nur vier Minuten später gelang Karbach der Ausgleich. Matthias Hofmann, der schon in der ersten Halbzeit auffällig oft an der Strafraumkante lauerte, zog nach Vorarbeit von Oliver Mohr trocken ab - 1:1. Das Stadion erwachte, und auf einmal war wieder Leben in der Bude. Vom Anstoß weg drängte Karbach weiter, während Kahl zunehmend nervös wurde.

In der 64. Minute krönte Hofmann seinen Auftritt: Diesmal kam die Vorlage von Herbert Weise, der auf der rechten Seite seinen Gegenspieler stehen ließ und flach in den Rückraum passte. Hofmann nahm den Ball direkt - ein satter Schuss, keine Chance für Kahls Keeper Joshua Hinz. 2:1, Spiel gedreht, und Hofmann lief jubelnd in Richtung Fans. "Ich hab gar nicht nachgedacht, einfach getroffen", sagte er hinterher mit einem Grinsen, das andeutete, dass er sehr wohl nachgedacht hatte - und zwar genau richtig.

Die jungen Kahler versuchten danach, das Ruder herumzureißen. Besonders Becker blieb gefährlich, hatte in der 78. Minute noch einmal die große Chance, scheiterte aber an Keeper Stock. "Wenn du so jung bist, denkst du, du hast noch zehn Minuten Zeit - aber plötzlich ist Schluss", sagte Becker nachdenklich.

In der Schlussphase wurde es ruppiger: Der 19-jährige Jürgen Mai sah in der 69. Minute Gelb, und kurz darauf musste Linksverteidiger Harrison Gayheart nach einem Zweikampf verletzt raus. Für ihn kam Noe Nani, der prompt mit seiner ersten Aktion ein Foul beging - sinnbildlich für Kahls ungestümes Ende.

Karbach brachte die Führung clever über die Zeit, ohne in Schönheit zu sterben. Am Ende sprachen die Zahlen eine klare Sprache: 13 Torschüsse für Karbach, 10 für Kahl, dazu 52 Prozent Ballbesitz für die Gastgeber - ein knappes, aber verdientes Bild.

Trainer Zufall fasste es trocken zusammen: "Wir haben Lehrgeld bezahlt. Wenn du zwei Drittel der Mannschaft noch zum Abi schicken musst, fehlt manchmal die Abgebrühtheit." Auf der anderen Seite grinste Karbachs Coach - dessen Name in den Unterlagen irgendwie fehlte - nur: "Ich sag immer, Erfahrung schlägt Jugend. Heute hat man’s gesehen."

Während die Spieler in der Kabine sangen und Hofmann den Spielball unter den Arm klemmte, schlich Becker vom Platz, von den Fans trotzdem freundlich beklatscht. Fußball kann grausam sein - aber manchmal ist er einfach nur gerecht.

Und irgendwo auf der Tribüne sagte ein älterer Herr beim Hinausgehen: "Wenn der Hofmann noch ein drittes gemacht hätte, hätt’ ich ihm ’n Bier ausgegeben." Schade eigentlich - das hätte auch der Reporter gern gesehen.

28.04.644000 20:23
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Vielleicht ist ja jemand aus der Uwe-Seeler-Traditionself dabei.
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