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Ein kühler Aprilabend, Flutlicht, 3.978 Zuschauer - und ein junger Mann, der die Oberliga A an diesem 26. Spieltag kurzzeitig in seine eigene Spielwiese verwandelte: Kevin Buchholz, 20 Jahre jung, Rechtsaußen beim KSV Kassel, erzielte beim 3:0-Sieg gegen Gerda GFC Berlin gleich zwei Tore und ließ die Gäste aus der Hauptstadt aussehen, als hätten sie sich auf eine Museumsführung statt ein Fußballspiel vorbereitet. Schon nach sieben Minuten war klar, dass Kassel heute nicht zum Spaß auf dem Platz stand. Ryan Burton, der rechte Verteidiger mit mehr Kilometerleistung als ein Postbote, setzte sich auf seinem Flügel durch, flankte scharf in die Mitte - und Buchholz drosch das Leder mit jugendlicher Unbekümmertheit in die Maschen. 1:0, die Fankurve tobte. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Buchholz später in die Kameras. "Ryan meinte nur: ’Endlich guckt mal einer, wo der Ball hinfliegt!’" Berlin wirkte überrascht, fast beleidigt. Trainer Günter Urban gestikulierte wild an der Seitenlinie, als wollte er die Erdrotation stoppen. Doch seine Elf blieb blass. Zwar hatten Joschua Horn (11.) und Yannik Fink (19.) zwei harmlose Abschlüsse, doch Kassels Keeper Franco Rosso musste sich kaum bücken. Die Hausherren hatten mit 54,8 Prozent Ballbesitz die Kontrolle, ohne dabei das große Risiko zu suchen. Die Szene des ersten Durchgangs lieferte Oskar Wendt in der 42. Minute - allerdings nicht sportlich, sondern farblich. Nach einem rustikalen Einsteigen im Mittelfeld sah er Gelb und brummte anschließend wie ein Diesel: "Der hat doch genauso getreten!" Schiedsrichterin Klein blieb unbeeindruckt, notierte die Karte und deutete diskret auf die Bank - sinngemäß: "Noch einmal, und du kannst duschen gehen." Mit dem Pausenpfiff stand es 1:0, und Gerda GFC Berlin durfte sich glücklich schätzen. Kassel hatte da schon elf Torschüsse, während die Gäste ganze vier Mal in Richtung KSV-Gehäuse zielten - meist so präzise wie ein Dartwurf mit verbundenen Augen. Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte - mit Kassel in Feierlaune und Berlin im Tiefschlaf. Keine sechzig Sekunden waren gespielt, da legte Linksverteidiger Thierry Marchal quer, und wieder stand Buchholz goldrichtig. 2:0. Urban raufte sich die Haare, die Ersatzspieler schauten betreten zu Boden. "Wir wollten eigentlich offensiv stehen", erklärte der Berliner Coach nach der Partie, "aber irgendwann standen wir einfach nur noch." Kassel roch Blut. Theo Greenwald, erfahrener Linksaußen mit dem Spielwitz eines Jazzmusikers, nahm sich in der 59. Minute ein Herz. Nach schöner Vorarbeit von Hans Böhme zirkelte er den Ball aus 18 Metern in den Winkel - das 3:0 und der endgültige Knockout für Berlin. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Greenwald mit einem Schmunzeln zu. "Aber wenn’s schön aussieht, sag ich natürlich: Das war so gewollt." Danach spielte Kassel die Partie souverän herunter, fast schon zu routiniert. Buchholz durfte sich noch über Standing Ovations freuen, als er in der 80. Minute ausgewechselt wurde. Auf der Bank grinste er breit, eine Decke über den Schultern, als wäre er schon seit Jahren der Star dieser Liga. Berlin versuchte es noch einmal, Horn prüfte Rosso in der 81. Minute - der erste und letzte echte Torschuss der Gäste im zweiten Durchgang. Mehr kam nicht. 15:4 Torschüsse, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 3:0 Tore - Kassel hatte an diesem Abend alle Zahlen auf seiner Seite. Nach Abpfiff suchte Urban nach Worten: "Wir waren zu brav, zu nett, zu höflich. Vielleicht hätten wir wenigstens mal ’Guten Abend’ sagen sollen, bevor wir die Punkte abgeben." Auf der anderen Seite strahlte Kassels Trainer - Name unbekannt, aber die Laune war’s wert - und lobte: "Die Jungs haben’s verstanden: Wenn man Tore schießt, gewinnt man Spiele. Das war nicht immer so in dieser Saison." Als die Flutlichter langsam erloschen, blieb das Gefühl zurück, dass hier ein kleiner Generationswechsel begonnen hat. Buchholz, der 20-Jährige mit dem Lächeln eines Klassenbesten, hat sich an diesem Samstagabend ins Rampenlicht gespielt - und Kassel mit ihm. Und Berlin? Die fuhren heim, vermutlich still, vielleicht mit der Hoffnung, dass der Bus wenigstens defensiv sicher steht. 14.11.643996 22:15 |
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Irgendwann mal wieder gewinnen, und das versuchen wir zu probieren.
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