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Wenn ein Fußballspiel zur Lehrstunde wird, dann war der 5. Spieltag der 1. Liga Polen ein Paradebeispiel. 20.000 Zuschauer im Stadion von Katowice wollten eigentlich ihre Mannschaft, den FC Katowice, anfeuern - sie bekamen stattdessen eine Galavorstellung des BKS Gdansk serviert. Das Endergebnis: 0:7 (0:5). Und ja, das war kein Tippfehler. Schon nach fünf Minuten begannen die Gäste, ihr Offensivfeuerwerk zu zünden. Ilias Rogocz, der mit links, rechts und wahrscheinlich auch mit dem kleinen Zeh treffen kann, brachte Gdansk nach Vorlage von Linksverteidiger Josef Arens früh in Führung. Katowice wirkte zu diesem Zeitpunkt noch im Aufwärmmodus, während Gdansk längst im Champions-League-Tempo spielte. Sechs Minuten später legte Jacek Majewski nach, eiskalt nach Pass des erst 18-jährigen Arthur Kajrys - einer, der aussieht, als dürfte er noch gar keinen Führerschein haben, aber Gegenspieler alt aussehen lässt. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Majewski später, "aber dann war der Ball drin. Auch gut." Was folgte, war keine Partie mehr, sondern eine einseitige Demonstration. Marcel Bak erhöhte in der 26. Minute, wieder nach einer Flanke von Arens - der Linksverteidiger war an diesem Abend mehr Flügelspieler als Abwehrmann. In der 37. Minute traf erneut Majewski, diesmal nach Vorarbeit des flinken Sergio Galan. Und kurz vor der Pause setzte eben jener Galan selbst den Schlusspunkt zur 5:0-Halbzeitführung. Katowice versuchte es mit allem, was sie hatten: acht Torschüsse, 49 Prozent Ballbesitz, aber kein Durchkommen. "Wir hatten den Ball - aber sie hatten die Tore", murmelte Mittelfeldmann Curt Rothe, der in der 57. Minute auch noch Gelb sah. Trainer des FC Katowice, dessen Name lieber unerwähnt bleiben will, soll in der Kabine leise gefragt haben: "Hat jemand den Rückspulknopf gefunden?" Nach dem Seitenwechsel hoffte das Publikum auf Schadensbegrenzung. Doch Gdansk hatte noch nicht genug. In der 51. Minute traf erneut Marcel Bak, diesmal nach Zuspiel von Rogocz - eine Kombination, die Katowice-Verteidiger nur noch mit resigniertem Schulterzucken begleiteten. Und als wäre das nicht genug, setzte Majewski in der 64. Minute seinen dritten Treffer des Abends. Nach Vorlage von Wladimir Burkhardt zirkelte er den Ball so präzise ins Eck, dass Torhüter Dani Friedmann wohl noch immer nach ihm greift. Zu diesem Zeitpunkt hallte es von den Rängen spöttisch: "Wir wollen ein Tor!" - gemeint war natürlich eines für Katowice, aber es blieb beim Wunsch. Immerhin gab’s auch Farbe im Spiel: Bartosz Klose von Gdansk sah in der 58. Minute Gelb und flog neun Minuten später mit Gelb-Rot vom Platz. "Das war kein Foul, das war Kunst", verteidigte ihn Trainer Mike Matt nach Abpfiff halb ernst, halb amüsiert. Selbst mit einem Mann weniger blieb Gdansk gefährlicher - und Katowice hilfloser. Ein kurzer Schreckmoment in der 53. Minute: Marek Svento verletzte sich und musste ausgewechselt werden. Für ihn kam Inigo Fortunio, der immerhin einen Schuss aufs Tor brachte - einer von insgesamt acht Katowicer Versuchen, von denen keiner den Weg ins Netz fand. Statistisch gesehen hätte das Spiel knapper sein können: 49 zu 51 Prozent Ballbesitz, fast ausgeglichene Passquoten. Aber Fußball wird nun mal nicht auf Excel gespielt. Gdansk schoss 22-mal aufs Tor, Katowice nur achtmal - und das erklärt so ziemlich alles. Nach dem Spiel herrschte bei den Gastgebern betretenes Schweigen. Ein Fan in der dritten Reihe soll gerufen haben: "Wir haben immerhin die schönste Choreografie!" - Galgenhumor, wie er im Fußball dazugehört. BKS-Coach Mike Matt lobte sein Team: "Wir waren heute gierig, zielstrebig, kompromisslos - und vielleicht ein bisschen unhöflich zu Katowice." Sein Gegenüber nickte nur: "Wenn du sieben kriegst, gibt’s nicht viel zu sagen." Ein 0:7 in eigener Hütte ist bitter - aber vielleicht sieht man es in Katowice sportlich. Oder, wie ein Ordner nach dem Spiel meinte: "Naja, immerhin war’s ein Torfestival. Nur halt das falsche Team." Und so endete ein Abend, an dem Gdansk so spielte, als hätten sie die Liga schon gewonnen, und Katowice so, als hätten sie gerade erst herausgefunden, dass der Ball rund ist. Fußball kann grausam sein - aber selten so schön anzusehen, wenn man Fan der anderen Mannschaft ist. 15.12.644002 20:35 |
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Die Breite an der Spitze ist dichter geworden.
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