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Ein lauer Aprilabend, 28.736 Zuschauer, Flutlicht, Trommeln, Fangesänge und ein Fußballspiel, das alles hatte - außer einen Sieger. AD Santo André und AD Botafogo trennten sich am zweiten Spieltag der 1. Liga Brasilien mit 1:1 (0:1), und wer dabei war, wird vor allem die zwei Protagonisten dieses Abends nicht so schnell vergessen: Luke Kavanagh und Benjamin Heighway. Von Beginn an war klar: Santo André wollte das Heft in die Hand nehmen. Trainer Alexander Pachmann hatte seine Mannschaft offensiv ausgerichtet, mit Heighway und Lutz als Flügelzange, während Botafogo zunächst die Ruhe weg hatte - der Ball lief, als sei er an einem Gummiband befestigt. "Wir wollten sie kommen lassen", verriet nach dem Spiel Botafogos Mittelfeldstratege Andrej Kantschelskis mit einem Grinsen, "und dann zuschlagen, wenn sie gerade überlegen, ob sie Kaffee oder Mate trinken sollen." Das Zuschlagen übernahm in der 38. Minute sein Kollege Luke Kavanagh. Nach einem präzisen Steckpass von Kantschelskis tauchte der 25-Jährige links im Strafraum auf, schaute kurz, schlenzte den Ball mit links ins lange Eck - 0:1. Torwart Jakob Eriksson von Santo André streckte sich vergeblich. Der Jubel der mitgereisten Botafogo-Fans war kurz, aber laut. Kavanagh ballte die Faust, und die Bank applaudierte. Trainer Pachmann hingegen war weniger erfreut: "Ich habe in dem Moment überlegt, ob ich lieber die Taktiktafel oder meine Brille werfe", scherzte er später. Zur Halbzeit führte Botafogo, und das schmeckte ihnen. Mit 51,8 Prozent Ballbesitz und ruhigem Passspiel kontrollierten sie das Tempo, während Santo André zwar 12 Torschüsse sammelte, aber zu oft an der Präzision scheiterte. Der junge Antonio Morte (18) prüfte Keeper Javier Travassos gleich zweimal, aber der blieb eiskalt - angeblich, weil er, wie er lachend sagte, "vor dem Spiel zwei Kugeln Vanilleeis gegessen" hatte, um ruhig zu bleiben. In der zweiten Halbzeit drehte Santo André auf, als hätte jemand den Stromschalter gefunden. Besonders Benjamin Heighway, 36 Jahre alt, erfahrener Rechtsaußen, wirbelte wie in alten Tagen. In der 70. Minute war es dann soweit: Nach einer Flanke vom aufgerückten Innenverteidiger Leandro Semedo stand Heighway goldrichtig und wuchtete den Ball aus kurzer Distanz zum 1:1 ins Netz. "Ich habe einfach gehofft, dass er den Ball bringt - und dann war er plötzlich da", grinste der Torschütze. Das Stadion kochte. Pachmann riss die Arme hoch, die Ersatzspieler sprangen sich in die Arme, und auf der Tribüne tanzte ein älterer Fan mit einer Santo-André-Fahne, als hätte er gerade den Gewinn der Copa Libertadores gesehen. In der Schlussphase hätte das Spiel kippen können: Heighway traf in der 87. Minute erneut den Ball perfekt, doch Travassos fischte das Leder mit den Fingerspitzen aus dem Winkel. "Ich dachte schon, der ist drin", fluchte der Engländer später schmunzelnd, "aber der Torwart hat wohl Spinnenarme." Botafogo blieb gefährlich - Samuel O’Farrell prüfte in der 90. Minute noch einmal Eriksson, aber der hielt sicher. Nach dem Schlusspfiff gab es beiderseits Applaus, Schulterklopfer und das stille Einverständnis: Dieses 1:1 war verdient. In Zahlen: Santo André hatte etwas mehr vom Spiel - 12 Schüsse aufs Tor gegenüber 6 von Botafogo, dazu eine bessere Zweikampfquote (53,2 Prozent). Botafogo wiederum überzeugte durch Ballsicherheit und Geduld, die fast belohnt worden wäre. Trainer Pachmann wirkte nach dem Spiel erleichtert, aber nicht zufrieden: "Wir haben Charakter gezeigt, aber wir müssen früher wach werden - am besten schon vor dem Gegentor." Botafogos Coach hingegen, der schweigsame Senhor Monteiro, ließ nur ausrichten: "Ein Punkt ist ein Punkt. Und Kavanagh bekommt morgen frei." So endete ein Abend, der für beide Seiten Mut macht: Santo André, weil sie Moral bewiesen, Botafogo, weil sie auswärts bestehen konnten. Und für die Zuschauer? Ein Spektakel zum Preis eines Tickets - inklusive Herzklopfen, hitziger Zweikämpfe und einem Benjamin Heighway, der zeigte, dass 36 nicht das Ende, sondern manchmal der Anfang ist. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen sagte: "Wenn jedes 1:1 so aussieht, will ich nie wieder einen 3:0-Sieg sehen." Ein fairer Tausch, finden wir. 02.04.643997 20:43 |
Sprücheklopfer
Da muß man schon gucken, ob noch alles dran ist.
Oliver Kahn nachdem er einen Schuss des Stuttgarters Ganea mit dem Unterleib abgewehrt hatte