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Manchmal ist Fußball wie ein schlecht gelaunter Koch: Er hat alle Zutaten, aber am Ende kommt trotzdem nichts Genießbares dabei heraus. So geschehen am Montagabend im Stadion von Wettingen, wo der SC Wettingen und der FC Ascona beim 0:0 des 11. Spieltags der 4. Liga Schweiz (2. Div) eine bizarre Mischung aus Angriffswut, Abwehrkunst und Slapstick servierten. 4500 Zuschauer bekamen immerhin eines: reichlich Gesprächsstoff. Von Beginn an machte Ascona klar, wer hier was wollte. Schon in der 2. Minute prüfte der 18-jährige Mike Kluge Wettingens Torwart Otto Keller - und der begann früh, zum Mann des Abends zu werden. "Ich dachte, der Junge schießt den Ball in den See, aber plötzlich war er da", grinste Keller später. Es sollte der erste von sage und schreibe 16 Torschüssen der Gäste bleiben - und der Anfang eines frustrierenden Abends für Ascona. Denn Wettingen schoss genau nullmal aufs Tor. Null. Nada. Niente. Und doch wirkten sie zufrieden damit. Trainer Zufall - nomen est omen - sah an der Seitenlinie zunehmend aus, als würde er lieber Lotto spielen als dieses Spiel weiter verfolgen. "Wir haben uns Chancen erarbeitet, die man nicht mal im Training so oft bekommt", sagte er nach dem Spiel. "Aber der Ball wollte einfach nicht rein. Vielleicht war das Tor zu klein?" Der erste Durchbruch schien in der 10. Minute zu kommen - allerdings für die Sanitäter. Wettingens Björn Engel blieb nach einem Zweikampf im Mittelfeld liegen und musste vom Platz. "Er hat sich wohl beim Versuch verletzt, den Ball zu stoppen", witzelte ein Zuschauer auf der Tribüne. Für ihn kam Martin Göbel ins Spiel. Ascona dagegen spielte, als hätten sie eine Dauerkarte fürs gegnerische Drittel. Uwe Wurst, der rechte Flügelstürmer, schoss in der ersten Halbzeit allein fünfmal aufs Tor - und jedes Mal fand er in Keller seinen persönlichen Albtraum. Beim Versuch Nummer drei drehte sich Wurst ungläubig ab und rief in Richtung Zuschauer: "Was hat der eigentlich gefrühstückt?" - die Antwort blieb Keller schuldig, aber man munkelt, es war eine doppelte Portion Müsli mit Betonflocken. Zur Pause stand es 0:0, und Wettingen hatte bis dahin vor allem mit zwei Dingen geglänzt: Zeitspiel und Zähigkeit. Der Ballbesitz sprach mit 51,7 Prozent zwar leicht für die Gastgeber, aber das war wohl eher dem Rückpassfestival geschuldet, das sie zur Kunstform erhoben. Nach der Halbzeit änderte sich - nichts. Ascona drückte weiter, Wurst schoss weiter, Keller hielt weiter. In der 50. Minute sah Georges Sander Gelb für ein rustikales Einsteigen, das der Schiedsrichter als "übermotiviert" bezeichnete. Zwei Minuten später erwischte es Wettingens Thierry Maurice - wohl aus Sympathiegründen. Dann kam die Szene, die das Spiel endgültig prägte: In der 69. Minute flog Sander nach einer Gelb-Roten Karte vom Platz. Ironischerweise hatte er sich nur beschwert, dass ein Wettinger zu lange für einen Einwurf brauchte. "Ich wollte ihm helfen, schneller zu spielen", verteidigte sich Sander später - leider half das nicht. Trotz Unterzahl blieb Ascona am Drücker. Der junge Loris Degano, gerade 19, wirbelte über rechts und prüfte Keller gleich dreimal (56., 62. und 86. Minute). Doch es half nichts. Ascona konnte schießen, bis die Stollen glühten - das Tor blieb wie vernagelt. In der Schlussphase wurde es dann etwas ruppiger. Drei weitere Gelbe Karten (Couture, Thiele, Gariepy) sorgten dafür, dass der Schiedsrichter kaum noch Zeit hatte, seine Pfeife zu benutzen. "Ich hab mehr gelbe Zettel gesehen als in der Buchhaltung", kommentierte ein Zuschauer trocken. Als der Schlusspfiff ertönte, jubelte Wettingen, als hätten sie die Meisterschaft gewonnen. Und in gewisser Weise hatten sie das auch - zumindest die Meisterschaft im Verteidigen. Trainer Zufall hingegen verschwand wortlos im Kabinengang, während seine Spieler konsterniert auf dem Rasen stehen blieben. "Wir hätten noch drei Stunden spielen können", meinte Uwe Wurst und zuckte mit den Schultern. "Aber wahrscheinlich hätte Keller dann auch noch alles gehalten." So bleibt am Ende ein Spiel, das in keiner Highlight-Zusammenfassung der Welt auftauchen wird, aber in Erinnerung bleibt - als jener Abend, an dem Ascona 16-mal zielte, 16-mal scheiterte, und Wettingen mit Null Schüssen einen Punkt feierte, als wär’s ein Lottogewinn. Oder, wie ein Fan auf dem Heimweg murmelte: "Manchmal ist 0:0 einfach das ehrliche Ergebnis eines absurden Spiels." 07.03.644003 09:57 |
Sprücheklopfer
Meine Besonderheit ist, dass ich das Gleiche wie alle anderen Männer auch tue mit Frauen, nur 20 Minuten kürzer.
Mehmet Scholl