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Es war ein lauer Maiabend in Varese, aber auf dem Rasen der Stadio dei Fiori ging es heiß her. 49.061 Zuschauer erlebten ein Spiel, das alles bot, was man an einem 22. Spieltag der Serie‑A‑Saison 2026 erwarten darf: frühe Tore, Verletzungspech, gelbe Karten und eine Portion Drama, die selbst italienische Opernblätter erröten ließe. Am Ende stand ein 2:2 zwischen AS Varese und Gela - und das fühlte sich für beide Seiten irgendwie zu wenig an. Bereits nach elf Minuten bebte das Stadion, als James Kober, der flinke Linksaußen Vareses, den Ball nach einer Vorlage von Nick Schmitt unhaltbar unter die Latte drosch. Trainer Georg Wagner riss die Arme hoch, als hätte er gerade die Meisterschaft gewonnen. "Genau so wollten wir starten - mutig, direkt, kompromisslos", grinste er später, während er versuchte, den Grasfleck auf seiner Anzughose zu verbergen. Doch Gela hatte andere Pläne. Nur elf Minuten später, in der 22. Minute, schlug Niels Wegener zurück. Der zentrale Mittelfeldmann, sonst eher für präzise Pässe bekannt als für Torgefahr, traf nach klugem Zuspiel von Lucas Cochran flach ins rechte Eck. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", sagte Vareses Torwart Vilmos Orth, der den Abschluss nur mit den Augen begleiten konnte. Das Spiel blieb wild - und in der 44. Minute zeigte Kober wieder, warum ihn viele für den heimlichen Star der Liga halten. Nach feinem Zuspiel von Fabio Cervicati schlenzte er den Ball ins lange Eck. 2:1 zur Pause, die Tribüne feierte, als gäbe es Freibier. Doch die Freude hielt nicht lange: In derselben Minute verletzte sich Verteidiger Angelo Carlucci bei einem Zusammenprall und musste raus. William Baskin übernahm - und bekam später in der 80. Minute prompt Gelb, als er einen gegnerischen Konter etwas zu rustikal stoppte. Zur Halbzeit schien Wagner mit seiner offensiven Taktik alles richtig gemacht zu haben. 54 Prozent Ballbesitz, vier Torschüsse - nicht überragend, aber effizient. "Wir haben das Spiel im Griff", meinte er in der Pause sichtlich zufrieden. Man hätte ihm vielleicht sagen sollen, dass Gela zu diesem Zeitpunkt schon zehn Abschlüsse verzeichnet hatte. Denn nach dem Seitenwechsel kam Gela wie verwandelt aus der Kabine. Trainer Michael Müller hatte offenbar den Schalter auf "Attacke" umgelegt. "Ich sagte den Jungs, sie sollen endlich so spielen, als hätten sie den Bus verpasst", verriet er später mit einem Lächeln. Und tatsächlich: In der 54. Minute war es der quirlige Javier Vazques, der nach Vorarbeit von Marco Frechaut den verdienten Ausgleich erzielte. Von da an entwickelte sich ein munteres Hin und Her - allerdings mit klarer Schlagseite zu den Gästen. Gela feuerte aus allen Lagen: 15 Torschüsse insgesamt, während Varese kaum mehr gefährlich wurde. Lucas Cochran hatte in der 77. und 88. Minute noch zwei dicke Chancen, verzog aber jeweils knapp. "Ich hätte treffen müssen", knurrte er nach Abpfiff, "aber der Ball hatte wohl andere Pläne." Das Spiel wurde in der Schlussphase zunehmend ruppig. Drei Gelbe Karten - je eine für Baskin, Lindstrom (59.) und Ochoa (83.) - zeugten davon, dass keiner dieses 2:2 kampflos akzeptieren wollte. Dazu kamen zwei Verletzungen, eine auf jeder Seite. Als Vareses Ersatztorwart Toni Sjölund in der 60. Minute eingewechselt wurde, weil Orth einen Schlag abbekam, witzelte ein Zuschauer: "Wenn das so weitergeht, müssen sie den Busfahrer einwechseln." Statistisch gesehen hatte Gela das Spiel längst gewonnen: mehr Torschüsse, bessere Zweikampfquote (55 Prozent) und ein Pressing, das in den letzten Minuten so aggressiv war, dass selbst die Eckfahne nervös zitterte. Doch das Tor zum Sieg wollte einfach nicht fallen. Nach Abpfiff standen beide Trainer an der Seitenlinie, schüttelten sich die Hände und sahen aus, als wüssten sie nicht recht, ob sie sich freuen oder ärgern sollten. "Ein Punkt ist ein Punkt", seufzte Wagner. Müller nickte: "Aber es hätte mehr sein können - für uns, für sie, für alle." So endete ein Spiel, das alles hatte - nur keinen Sieger. Die Fans verabschiedeten ihre Teams mit Applaus, und irgendwo in der Curva Süd sang jemand: "Wir kommen wieder." Vielleicht, aber am nächsten Wochenende wird Kober erstmal seine Schienbeinschoner suchen müssen - und Gela seine Zielgenauigkeit. Ein 2:2, das keiner wollte, aber jeder verdient hat. Und das ist im Fußball manchmal das fairste Ergebnis überhaupt. 20.02.644000 01:32 |
Sprücheklopfer
Wer in Bochum von Strafraum zu Strafraum geht und sich dabei nicht den Knöchel bricht, dem gebe ich einen aus.
Christoph Daum