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Wenn man den Pokalabend in Höchst zusammenfassen möchte, genügt eigentlich ein Satz: Kottingbrunn schießt öfter, trifft öfter, und am Ende steht ein 3:1-Auswärtssieg, der so nüchtern klingt, wie er effektiv war. Doch der Reihe nach - denn was die 27.000 Zuschauer am Montagabend im Höchster Stadion sahen, war kein emotionsloses Pflichtprogramm, sondern ein Pokalspiel, das alle Zutaten eines kleinen Dramas hatte: frühe Rückschläge, eine Hoffnungsphase - und am Ende bittere Realität. Schon in den ersten Minuten ließ sich erkennen, dass Kottingbrunns Trainer Michael Goldfinger seine Elf klug eingestellt hatte. "Wir wollten Höchst den Ball überlassen, aber die Räume nicht", erklärte er nach dem Spiel mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Taktikstolz und Understatement pendelte. Tatsächlich hatte sein Team nur 54 Prozent Ballbesitz, aber doppelt so viele Torschüsse (16 zu 8) - und das in einem Pokal-Auswärtsspiel. Die Gäste begannen druckvoll, kombinierten mit leichter Hand über die rechte Seite, wo Florian Schmitt und Jonas Hennig ein Laufduell nach dem anderen anzettelten. In der 27. Minute belohnten sie sich: Hennig vollendete nach Vorlage von Schmitt zum 0:1. Der Jubel im Gästeblock war laut, aber noch lauter war das kollektive "Na endlich!" - denn zuvor hatte Kottingbrunn gleich mehrere gute Chancen vergeben. Nur sieben Minuten später folgte der nächste Stich: Humberto Antonio, der bullige Linksaußen mit südamerikanischem Feuer, drosch den Ball nach einem Abpraller humorlos ins Netz - 0:2. Der FC Höchst, bis dahin bemüht, aber ohne Durchschlagskraft, wirkte konsterniert. "Wir standen da wie die Verkehrspolizei bei Nacht - viel Bewegung, aber keiner hält an", knurrte Höchst-Kapitän Michael Kopp später in der Mixed Zone. Doch kurz vor der Pause blitzte der Pokalzauber auf. Nach einer Ecke von Kopp stieg Innenverteidiger José Maria Morales am höchsten und köpfte den Ball wuchtig zum 1:2-Anschluss in die Maschen (41.). Das Stadion bebte, die Fans rochen Morgenluft, und Morales feierte mit geballten Fäusten - ein Moment, in dem man kurz glaubte, dass hier noch alles möglich sei. In der Kabine, so erzählte es später ein Höchst-Spieler mit einem müden Lächeln, habe Trainer Müller (dessen Name in der Aufstellung leider nicht notiert ist - vielleicht wollte er inkognito bleiben) die Taktiktafel fast umgeworfen. "Er meinte, wir sollen offensiver stehen. Als ob wir vorher defensiv gewesen wären", scherzte Rechtsaußen Maik Grimm, der mit seinen 18 Jahren immerhin dreimal gefährlich zum Abschluss kam. Die zweite Halbzeit brachte dann viel Laufarbeit, viel Wille - und wenig Zählbares für Höchst. Kottingbrunn blieb eiskalt, lauerte auf Konter, und als in der 74. Minute Abwehrmann Fabio Usai verletzt vom Platz musste, dachten manche, das Spiel könnte noch kippen. Doch stattdessen brachte Goldfinger den erfahrenen Henri Cloutier, und dieser bereitete in der 87. Minute mit einem langen Ball den Schlusspunkt vor: Jonas Hennig, wieder er, vollendete zum 1:3. "Ich hab nur gesehen, dass der Platz frei war", sagte Cloutier später schmunzelnd. "Mit 33 rennt man nicht mehr jedem Ball hinterher - aber den hab ich gut getroffen." Die Statistik sprach am Ende eine klare Sprache: 16 Abschlüsse für Kottingbrunn, nur 8 für Höchst, dazu mehr gewonnene Zweikämpfe (54 zu 45 Prozent). Der FC Höchst spielte zwar mutig offensiv, wie seine Grundausrichtung verriet, aber es fehlte an Präzision und, ja, an Effizienz. Die Zuschauer verabschiedeten ihr Team dennoch mit Applaus. Vielleicht, weil man das Gefühl hatte, dass die junge Elf um Grimm und Morales mehr Herz als Glück hatte. "Wir haben uns nicht versteckt", meinte Morales nach Spielende, "aber manchmal gewinnt eben die Mannschaft, die weniger nachdenkt." Michael Goldfinger fasste es trocken zusammen: "Wir haben unseren Plan durchgezogen - und wenn man trifft, sieht Fußball oft ganz einfach aus." Ein Satz, der in seiner Schlichtheit alles erklärt. Höchst verabschiedet sich damit aus dem Pokal, Kottingbrunn zieht souverän in die nächste Runde ein. Und während die Lichter im Stadion langsam ausgingen, hörte man einen Höchst-Fan sagen: "Wenn wir so weiterspielen, gewinnen wir wenigstens die Herzen." Ein schöner Trost - aber Pokalrunden werden nun mal nicht nach Herzen gezählt. 09.06.643997 21:58 |
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Mehmet Scholl auf die Frage, wie es war, als Bundeskanzler Kohl nach dem EM-Sieg 1996 in die Kabine kam