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Kottingbrunn - 31.743 Zuschauer im Stadion, ein lauer Maiabend, eine Partie, die so begann, als wäre sie schon entschieden, und dann doch das Drehbuch änderte. Kottingbrunn gewinnt am 34. Spieltag der 1. Liga Österreich mit 2:1 gegen Veilchen Wien - ein Sieg, der nach Schweiß, Geduld und einem Schuss Improvisation schmeckt. Dabei sah es zunächst ganz anders aus: Keine zwei Minuten waren gespielt, da zeigte sich die Wiener Offensive in bester Laune. Juan Pablo Perales, der flinke Argentinier auf dem linken Flügel, wurde von Xavi Bernal mustergültig bedient und drosch den Ball trocken ins rechte Eck. "Wir wollten früh Druck machen, das hat ja auch funktioniert", grinste Bernal später, ehe er hinzufügte: "Leider nur für acht Minuten." Denn ab da übernahm Kottingbrunn das Kommando. Trainer Michael Goldfinger hatte seine Elf auf "ausgewogen" eingestellt, aber von Zurückhaltung war wenig zu sehen. 53,8 Prozent Ballbesitz, 14 Torschüsse - die Gastgeber spielten sich warm und ließen den Veilchen den Duft des Rasens meist aus der eigenen Hälfte genießen. Besonders auffällig: Curt Schwarz, 22, ständig auf Achse, ständig am Meckern mit sich selbst und dem Linienrichter. "Ich schwöre, der Ball war noch drin!", rief er einmal, bevor der Schiedsrichter ihn mit einem milden Blick erdete. In der 36. Minute dann die Erlösung für Kottingbrunn: Christiano Conceicao, der Routinier im Mittelfeld, lupfte den Ball kunstvoll über zwei Verteidiger hinweg auf Gabri Moutinho - und der Portugiese vollstreckte mit der Präzision eines Uhrmachers. 1:1. "Ich hab einfach getroffen, weil keiner gepfiffen hat", lachte Moutinho später. Zur Pause war die Partie offen, aber das Momentum lag klar bei den Hausherren. Wien blieb offensiv, wie es die Taktikblätter verrieten, doch es fehlte an Präzision. "Wir haben zu sicher geschossen", murmelte Trainer Kern (nein, nicht verwandt mit dem Mittelfeldspieler Christian Kern) nachdenklich. Und tatsächlich: Die Gäste bevorzugten das "SURE"-Shooting - sicher, aber harmlos. Als die zweite Halbzeit begann, schien Kottingbrunn das Spiel endgültig zu übernehmen. Humberto Antonio prüfte Keeper Luis Schenk gleich zweimal (50. und 51. Minute), und auch Schwarz hatte Pech, als sein Schuss den Pfosten küsste. Die Veilchen antworteten mit jugendlicher Frische: Der 18-jährige Manfred Eckert wirbelte auf links, verfehlte jedoch in der 54. und 86. Minute jeweils knapp. "Wenn der Junge trifft, reden wir anders über das Spiel", meinte Veilchen-Verteidiger Tim Meyer, der sich zuvor in der 14. Minute Gelb abgeholt hatte - wegen eines Tacklings, das man diplomatisch als "ambitioniert" bezeichnen könnte. In der 74. Minute fiel dann die Entscheidung, und sie fiel schön: Curt Schwarz, diesmal nicht im Abseits, spielte den Ball flach in den Rückraum, wo Carsten Kolb lauerte. Der Mittelfeldmotor nahm Maß, zielte - und traf. 2:1. Kein Tor des Monats, aber eines, das die Stadionlautsprecher zum Glühen brachte. Kolb riss die Arme hoch, Schwarz brüllte Richtung Tribüne, und Trainer Goldfinger pumpte die Faust. "Wir wollten das Spiel drehen. Die Jungs haben’s einfach gemacht", erklärte er später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Stolz und Erleichterung pendelte. Doch der Sieg hatte auch Schatten: In der 75. Minute verletzte sich Gabri Moutinho bei einem Zweikampf mit Nikolischin und musste raus. Sein Ersatz, Manfred Sonntag, bekam prompt den lautesten Applaus des Abends. "Ich wusste gar nicht, dass die mich kennen", witzelte er anschließend in der Mixed Zone. Die letzten Minuten waren dann ein Lehrfilm in Sachen Defensive. Paul Ackermann, normalerweise eher für rustikale Klärungsaktionen bekannt, stoppte jeden Angriff mit erstaunlicher Eleganz, während Torhüter Franck Nolte sich mit stoischer Ruhe die Handschuhe neu band, als wolle er sagen: "Kommt ruhig, ich hab Zeit." Nach 90 Minuten pfiff Schiedsrichter Urbanek ab. Veilchen Wien sank enttäuscht zu Boden, Kottingbrunn jubelte - und die Fans sangen, als ginge es um die Meisterschaft. Statistisch war’s verdient: mehr Torschüsse, mehr Ballbesitz, mehr Wille. "Das war kein Zufall", fasste Goldfinger zusammen. "Das war Arbeit. Und ein bisschen Glück, aber das gönn ich uns." Vielleicht war es genau das, was diesen Abend besonders machte: kein Glanz, kein Zauber, aber ehrlicher Fußball, der roch wie Gras und schmeckte wie Sieg. Und irgendwo in der Kabine soll Curt Schwarz gesagt haben: "Wenn wir so weiterspielen, muss ich mir bald Autogrammkarten drucken lassen." Niemand widersprach. 08.07.644000 12:17 |
Sprücheklopfer
Die befinden sich nicht im Abstiegskampf, die steigen ab!
Mario Basler nach dem 5:0-Sieg über Fortuna Düsseldorf auf die Frage nach den Chancen des Gegners im Kampf um den Klassenerhalt