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Kottingbrunn schockt Rapid Wien - 4:2-Heimsieg mit Donnerhall

Ein Dienstagabend in Kottingbrunn, Flutlicht, 34.855 Zuschauer, und ein Spiel, das man so nicht alle Tage sieht. Rapid Wien kam als Favorit - und ging als Verlierer, 2:4 hieß es am Ende aus Sicht der Hauptstädter. Die Hausherren zeigten sich bissig, spielfreudig und nutzten ihre Chancen eiskalt. Trainer Michael Goldfinger grinste nach dem Abpfiff: "Wir wollten Rapid das Gefühl geben, sie hätten das Spiel im Griff - und dann haben wir zugeschlagen."

Schon nach drei Minuten bebte das Stadion, als der 19-jährige Marko Hesse, der aussieht, als würde er sonst noch Latein-Nachhilfe geben, aus zwölf Metern trocken ins lange Eck traf. Sergio Gnabry, der Namensvetter eines bekannteren Flügelspielers, hatte mustergültig vorbereitet. Das war der Auftakt zu einem wilden Schlagabtausch, denn Rapid antwortete prompt: In der 5. Minute glich Leopold Jendrisek nach Vorarbeit von Patrik Nagel aus. Zwei Minuten später legte Frank Schrader für die Gäste nach - 1:2.

Doch wer dachte, der Favorit würde nun souverän durchmarschieren, irrte gewaltig. Kottingbrunn schüttelte sich, spielte weiter mutig nach vorn, und in der 12. Minute traf Jonas Hennig zum 2:2, bedient von Altmeister Theodor Herman. Hennig, 28, mit der Körpersprache eines Mannes, der schon zu viele Kreisliga-Abende erlebt hat, drehte dann in der 34. Minute richtig auf: Nach feiner Vorarbeit von Hesse brachte er sein Team erneut in Führung. 3:2 zur Pause - und die Rapid-Abwehr wirkte, als sei sie mit dem Kopf längst beim Abendessen im Wiener Prater.

"Wir waren einfach zu brav", knurrte Gästecoach Robert Lechner in der Halbzeit und wechselte - notgedrungen. Der 17-jährige Niels Otto hatte sich früh verletzt, was Rapid schon nach sechs Minuten zu einem ersten Wechsel zwang. "Der Junge ist tough, aber das war kein guter Moment für ihn", bedauerte Lechner. Ersatzmann Matti Wojtowicz mühte sich, aber die Defensive blieb anfällig.

Nach dem Seitenwechsel übernahm Rapid kurzzeitig das Kommando, hatte mehr Torschüsse (insgesamt 11, gegenüber 8 bei den Gastgebern), doch wirklich zwingend wurde es selten. Zwar gehörten 55 Prozent Ballbesitz den Kottingbrunnern, aber es war deren Effektivität, die den Unterschied machte. Während Rapid Wien im Mittelfeld kombinierte, als ginge es um Schönheitsnoten, wartete Kottingbrunn geduldig auf den richtigen Moment - und der kam in der 73. Minute: Innenverteidiger Paul Ackermann, sonst eher fürs Grobe zuständig, stand nach einer Ecke plötzlich goldrichtig und wuchtete den Ball zum 4:2 ins Netz.

"Ich wusste gar nicht, dass ich so hoch springen kann", lachte Ackermann später in der Mixed Zone. Seine Teamkollegen fielen über ihn her, Goldfinger ballte an der Seitenlinie die Faust - und Rapid? Wirkte geschlagen. Zwar gab Schrader in der 91. Minute noch einen Schuss aufs Tor ab, aber Franck Nolte im Kasten der Hausherren ließ sich den Abend nicht mehr verderben.

Die Statistik zeigt: Rapid hatte mehr Abschlüsse, doch Kottingbrunn war schlicht kaltschnäuziger. Und vielleicht auch cleverer. Denn während Rapid durchgehend offensiv ausgerichtet spielte, blieb Kottingbrunn taktisch diszipliniert, lauerte auf Konter - und traf. "Das war wie Schach mit Stollen", kommentierte ein Fan auf der Tribüne, während ein anderer hinzufügte: "Nur dass Rapid zu früh den König geopfert hat."

Nach dem Spiel zeigte sich Rapid-Trainer Lechner sichtlich bedient: "Wir haben in den entscheidenden Momenten die falschen Entscheidungen getroffen. Das war einfach zu wenig." Goldfinger dagegen genoss den Moment: "Wenn du gegen Rapid vier Tore machst, darfst du ruhig mal zufrieden sein. Aber ich hab den Jungs gesagt: Jetzt bloß nicht abheben - nächste Woche wartet wieder der Alltag."

Ein Alltag, der nach diesem Auftritt etwas schöner aussehen dürfte. Kottingbrunn hat sich mit diesem Sieg eindrucksvoll in der Liga zurückgemeldet. Rapid hingegen wird sich fragen müssen, wie man mit solch einer Feuerkraft vorn und einer Abwehr aus Zahnstocherholz bestehen will.

Und irgendwo im Abendhimmel über Kottingbrunn hallte noch lange der Gesang der Fans: "So spielt nur der KSC!" - und sie meinten tatsächlich ihren eigenen. Vielleicht ist das der schönste Beweis dafür, dass Fußball manchmal doch noch Märchen schreiben kann.

07.03.644003 07:38
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