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Kottingbrunn tanzt Columbia aus dem Pokal

Kottingbrunn hat am Freitagabend eindrucksvoll gezeigt, dass man auch mit Stil, Tempo und einer Prise Frechheit Fußball spielen kann. 44.250 Zuschauer im ausverkauften Stadion sahen eine Partie, die über weite Strecken eher einem Einbahnstraßenverkehr glich - allerdings mit der klaren Fahrtrichtung auf das Tor des SC Columbia. Am Ende hieß es völlig verdient 2:0 (2:0) für das Team von Michael Goldfinger, das damit souverän in die dritte Pokalrunde einzieht.

Schon nach wenigen Minuten war klar, wer hier das Heft in der Hand hielt. Kottingbrunn presste nicht wild, aber clever, ließ den Ball laufen, als wäre er ihr bester Freund, und brachte Columbia früh ins Schwimmen. Bereits nach einer Minute prüfte Carsten Kolb den jungen Columbia-Keeper Liam Crichton - ein Vorgeschmack auf das, was folgen sollte. "Wir wollten gleich zeigen, dass wir hier nicht zum Tee trinken rausgekommen sind", grinste Kolb später in der Mixed Zone.

In der 18. Minute fiel dann das längst überfällige 1:0: Joao Bermudo, der auf der linken Seite schier unermüdlich rackerte, zog nach Doppelpass mit Gabri Moutinho in die Mitte und schlenzte den Ball mit links ins lange Eck. Ein Tor, das so elegant war, dass selbst der gegnerische Trainer kurz Beifall klatschte - wenn auch nur innerlich. "Der Schuss war einfach zu gut. Da hilft keine Taktik der Welt", murmelte ein sichtlich ernüchterter Columbia-Coach nach dem Spiel.

Kottingbrunn blieb dran, während Columbia verzweifelt versuchte, den Ball wenigstens mal länger als zehn Sekunden zu halten. 65 Prozent Ballbesitz und 17 Torschüsse sprechen eine deutliche Sprache. Columbia brachte es auf einen einzigen Abschluss - und der kam in der 45. Minute, als Lukas Pan aus der Distanz abzog und Torwart Mika Vuorinen zum ersten und einzigen Mal ernsthaft eingreifen musste. "Ich habe kurz überlegt, ob ich mir einen Liegestuhl ins Tor stellen soll", witzelte Vuorinen anschließend.

Noch vor der Pause legte der 18-jährige Timo Heise nach. In der 39. Minute nahm er eine Flanke von Bermudo volley und drosch den Ball in die Maschen - 2:0, die Entscheidung. Heise, das Eigengewächs aus der Kottingbrunner Jugend, wurde danach von seinen Mitspielern beinahe erdrückt. "Ich hab den Ball gesehen, gedacht ’Warum eigentlich nicht?’ - und dann war er drin", lachte der Youngster und klang dabei so unschuldig wie ein Schüler, der aus Versehen die Mathearbeit seiner Lehrerin verbessert hat.

Nach dem Seitenwechsel nahm Kottingbrunn etwas Tempo raus, ohne die Kontrolle zu verlieren. Columbia blieb harmlos, trotz frischer Kräfte - oder besser gesagt: trotz eines ungewollten Wechsels. In der 69. Minute musste Jaap Ampte verletzt raus, Fabrizio Squillace kam für ihn. Trainer Goldfinger zeigte sich später sogar besorgt: "Das sah nicht gut aus. Ich hoffe, der Junge kann bald wieder spielen."

Ansonsten war es ein Spiel, das in seiner Klarheit fast schon ironisch wirkte. Während Kottingbrunn weiter angriff und Chancen am Fließband produzierte - Kolb traf gefühlt dreimal den Pfosten, Moutinho scheiterte aus kurzer Distanz -, wirkte Columbia wie ein Team, das versehentlich in der falschen Liga gelandet ist. Und als sich Linksverteidiger Philip Steffens in der 66. Minute die Gelbe Karte abholte, war das fast schon ein Ausdruck von Langeweile: Der Mann wollte offenbar auch mal im Spielbericht auftauchen.

In den letzten Minuten gönnte sich Kottingbrunn dann den Luxus, den Ball laufen zu lassen, wie bei einer Trainingsübung am Dienstagabend. Die Zuschauer feierten jede gelungene Passstafette mit ironischem "Olé"-Rufen, und Trainer Goldfinger stand an der Seitenlinie, die Hände tief in den Taschen, und sah aus, als überlege er schon, welchen Wein er sich nach dem Spiel gönnt. "Wenn wir so weiterspielen, müssen wir uns im Pokal vor niemandem verstecken", sagte er später, "aber wir sollten vielleicht mal üben, Tore aus unseren hundert Chancen zu machen."

Der SC Columbia hingegen verließ den Platz mit hängenden Köpfen. Ihr Trainer versuchte es mit Galgenhumor: "Wir hatten unseren Moment - in Minute 45. Den nehmen wir mit."

Ein Sieg, der keine Fragen offen lässt: Kottingbrunn war in jeder Hinsicht überlegen - technisch, taktisch und mental. Das Publikum verabschiedete die Mannschaft mit stehenden Ovationen, und als die Flutlichter langsam erloschen, hörte man noch einen Fan sagen: "Wenn das so weitergeht, wird das hier ein ganz langer Pokalfrühling."

Und wer weiß - vielleicht hat er recht. Goldfinger und seine Männer scheinen jedenfalls das richtige Rezept gefunden zu haben: Ballbesitz, Geduld und ein Schuss Selbstironie.

19.03.643994 02:32
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