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Manchmal ist Fußball grausam, manchmal ist er einfach ehrlich. Und in Hallwang war er beides. Vor 20.037 Zuschauern in der heimischen Arena wurde der SV Hallwang am Freitagabend von Kottingbrunn regelrecht überrollt - 0:4 hieß es am Ende, und das war noch schmeichelhaft. Schon zur Pause stand es 0:3, die Partie damit praktisch entschieden. Die Gäste aus Niederösterreich traten auf, als gäbe es für sie Bonuspunkte für jede Torchance: 25 Schüsse auf das Tor, 64 Prozent Ballbesitz und eine Passquote, die man eher in der Champions League erwarten würde. Hallwang dagegen kam auf einen einzigen Schuss, und der war eher symbolischer Natur - ein Schüsschen von Menachem Scharanski in der 39. Minute, das Pol Moutinho im Kottingbrunner Tor vermutlich mit einem Lächeln auffing. "Ich hätte fast applaudiert, als wir mal über die Mittellinie kamen", witzelte Hallwang-Trainer Mario Kasztner später mit Galgenhumor. "Aber dann fiel das 0:3, und da war es mit dem Humor auch vorbei." Kottingbrunns Matchplan war simpel und gnadenlos effektiv: kontrolliertes Konterspiel, schnelle Außen, eiskalte Vollstrecker. Jonas Hennig eröffnete den Torreigen in der 10. Minute, als er nach feinem Pass von Joao Bermudo aus spitzem Winkel verwandelte. Elf Minuten später war er wieder zur Stelle - diesmal nach Vorlage des 35-jährigen Routiniers Bogdan Ungureanu. 2:0, und Hallwangs Abwehr wirkte bereits wie ein Kartenhaus im Wind. "Wir wollten eigentlich defensiv stabil stehen", erklärte Hallwangs Innenverteidiger Florian Klaus (19) nach dem Spiel. "Aber die waren einfach überall. Ich glaube, Hennig ist sogar an mir vorbeigelaufen, als ich noch überlegt habe, wo der Ball ist." Kottingbrunns drittes Tor war eine Lehrstunde in Effizienz: Berbatow, der bulgarische Linksaußen mit der Eleganz eines Balletttänzers und der Kaltblütigkeit eines Scharfschützen, nahm in der 42. Minute einen Steckpass von Manfred Sonntag auf, schaute einmal, zweimal - und schob den Ball seelenruhig am chancenlosen Yaniv Greenberg vorbei. 0:3, Halbzeit. Der Hallwanger Pausentee dürfte bitter geschmeckt haben. Der zweite Durchgang verlief dann wie eine Trainingseinheit für Kottingbrunn. Hallwang rannte, kämpfte, versuchte es mit jugendlichem Enthusiasmus - immerhin standen gleich drei 17-Jährige in der Startelf - doch gegen die abgezockte Routine der Gäste war kein Kraut gewachsen. Florian Schmitt setzte in der 74. Minute den Schlusspunkt: wieder ein Pass von Manfred Sonntag, wieder ein schneller Abschluss, wieder ein Tor. "Wir hätten vielleicht noch vier oder fünf machen können", meinte Kottingbrunns Trainer Michael Goldfinger nüchtern. "Aber meine Jungs wollten wohl pünktlich ins Hotel." Der Mann hat Humor - und eine funktionierende Mannschaft. Bei Hallwang dagegen herrschte betretenes Schweigen. Nur Torhüter Greenberg, der trotz vier Gegentoren zu den Besseren zählte, brachte es auf den Punkt: "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft Hennig und Co. vor mir aufgetaucht sind. Vielleicht sollte ich mir für das nächste Spiel ein Drehkreuz kaufen." Statistisch gesehen war das Spiel eine Machtdemonstration: Kottingbrunn gewann 59 Prozent der Zweikämpfe, dominierte den Ballbesitz und zeigte, dass Effizienz und Geduld kein Widerspruch sind. Hallwangs offensive Taktik verpuffte wirkungslos - offensiv aufgestellt, aber ohne Zugriff, ohne Tempo, ohne Fortune. Kurz vor Schluss, als die Hallwanger Fans längst nur noch aus Pflichtgefühl klatschten, rief einer von der Tribüne: "Schießt wenigstens einmal richtig drauf!" - und tatsächlich: In der Nachspielzeit wagte es der junge Scharanski noch einmal. Der Ball flog… ins Fangnetz. Der Applaus danach war ehrlich gemeint - der Versuch zählt schließlich auch. Trainer Kasztner versprach Besserung: "Wir müssen lernen, dass Offensivgeist nicht bedeutet, den Gegner zum Toreschießen einzuladen." Goldfinger dagegen zog zufrieden an seinem Kaugummi und grinste: "Wenn du vier Auswärtstore machst und der Gegner nur einmal aufs Tor schießt, dann weißt du, dass der Plan funktioniert hat." Ein Abend zum Vergessen für Hallwang, ein Fest für Kottingbrunn. Und für die 20.037 Zuschauer immerhin ein Beweis, dass Fußball manchmal klare Worte spricht - auch ohne sie zu benutzen: 0:4. Alles gesagt. 19.03.643994 02:31 |
Sprücheklopfer
Wir haben den Schriftzug in unserem Vereinslogo in 'Hosenscheißer 04' geändert. Wir konnten ein großes Sponsoringpaket mit einer Windelfirma schnüren.
Rudi Assauer