Tuttosport
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La Spezia zittert sich ins Pokalhalbfinale - 7:6 nach Drama vom Punkt

55 600 Zuschauer im Stadio Alberto Picco sahen am Samstagabend ein Fußballspiel, das man in den Archiven später wohl unter "Nervenkrieg" ablegen wird. AS La Spezia bezwang Gela im Viertelfinale des Pokals mit 7:6 nach Elfmeterschießen - und das, obwohl die Gäste über 120 Minuten die gefährlichere Mannschaft waren. "Ich bin jetzt zehn Jahre Trainer, aber so einen Abend hatte ich noch nie", japste La‑Spezias Coach Helly Steiner nach Abpfiff, während die weißen Trikots seiner Spieler längst von Grasflecken und Schweiß durchnässt waren.

Dabei begann alles ganz harmlos. In der 20. Minute brachte der junge Flügelflitzer David Neres die Hausherren in Front, nach schöner Vorarbeit von Liam Carlsson. Die Südkurve tobte, und Steiner ballte die Faust, als hätte er gerade einen Marathon gewonnen. Doch Gelas Antwort kam prompt: Nur neun Minuten später traf Lucas Cochran zum 1:1, nach einem präzisen Zuspiel von Ignacio Barbosa. "Wir haben sofort gespürt, dass La Spezia wackelt", grinste Cochran später - und recht hatte er.

Im zweiten Durchgang übernahm Gela vollends das Kommando. Pablo Tarrega erzielte in der 49. Minute die 2:1‑Führung, eiskalt nach Pass von Niels Wegener. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Gäste bereits mehr Schüsse aufs Tor (19:13) und wirkten frischer, griffiger, schlicht galliger. Doch La Spezia fand irgendwie den Weg zurück: In der 63. Minute drosch Nuno Hernan den Ball aus 18 Metern flach ins Eck - ein Schuss wie ein chirurgischer Schnitt. Neres hatte vorbereitet, und plötzlich war wieder alles offen.

Von da an war das Spiel ein wilder Ritt: Gelas Aggressivität nahm zu, die Gelben Karten landeten pünktlich wie Steuerbescheide im Briefkasten - Barbosa (60.) und Dominguez (88.) notierten sich die Schiedsrichter in ihr Büchlein. Steiner, sonst ein ruhiger Mann, sprang an der Seitenlinie herum und schrie: "Spielt Fußball, nicht Feldschlacht!" Das Publikum feierte ihn dafür mit ironischem Applaus.

In der Verlängerung passierte - zumindest auf der Anzeigetafel - nichts mehr. Aber wer von Langeweile sprach, hatte keine Augen: Tarrega scheiterte in der 115. Minute an Torwart Benko, der mit einem Reflex, halb Katze, halb Wahnsinn, den Ball über die Latte lenkte. "Ich dachte, der Ball sei schon drin", gestand Tarrega später mit einem gequälten Lächeln.

Dann kam das Elfmeterschießen. Sieben Schützen pro Team traten an, und die Nerven flatterten wie Fahnen im Wind. Für La Spezia trafen Kelly, Valente, Angelow, Carlsson und schließlich Neres - letzterer mit der Coolness eines Mannes, der schon drei Leben gelebt hat. Auf Gelas Seite verwandelten Tarrega, Wegener, Cochran und Lindström sicher, bevor Barbosa seinen Versuch über die Latte setzte. Ein Raunen ging durchs Stadion, dann Stille - und schließlich ein ohrenbetäubender Jubel, als Schiedsrichter Landi die Arme hob.

"Ich hab die Augen zugemacht und einfach draufgehauen", verriet Neres, noch mit Gras im Haar, als er den Pokal‑Halbfinal‑Einzug feierte. Trainer Steiner zündete in der Pressekonferenz fast eine rhetorische Wunderkerze: "Wir haben nicht schön gespielt, aber wer will schon schön sein, wenn man weiterkommt?"

Für Gela blieb nur der Trost, das wohl beste Auswärtsspiel der Saison abgeliefert zu haben. Trainer Michael Müller schüttelte nach dem Spiel jedem seiner Spieler die Hand. "Wir haben alles gegeben. Nur das Glück - das war heute im anderen Trikot", sagte er, während Tarrega sich im Hintergrund in sein Trikot vergrub.

Statistisch sah es ohnehin nach einem Krimi aus: 55,6 Prozent Ballbesitz für La Spezia, aber Gela mit mehr Abschlüssen, besserer Zweikampfquote (51,5 Prozent) und höherer Laufbereitschaft. Trotzdem steht am Ende nur eins: das Resultat. 7:6 nach Elfmeterschießen - und ein Stadion, das diesen Abend so schnell nicht vergessen wird.

Als die Fans von La Spezia kurz vor Mitternacht aus dem Stadion strömten, summte einer von ihnen ironisch: "Wir woll’n nie wieder Elfmeterschießen!" Und ein anderer antwortete trocken: "Warte, bis du das Halbfinale siehst." Helly Steiner wird das mit einem müden Lächeln gelesen haben - so müde, wie man eben nach 126 Minuten purem Fußballwahnsinn sein kann.

26.03.644000 01:38
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