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Lanzarote verwandelt den Vulkan in ein Torfeuerwerk - 6:0 gegen Granada

Ein lauer Sommerabend auf den Kanaren, 33.032 Zuschauer, das Meer rauscht in der Ferne - und auf dem Rasen des Estadio del Sol brennt plötzlich die Luft. Lanzarote CF hat am 5. Spieltag der 1. Liga Spanien den FC Granada mit 6:0 abgefertigt. Ein Ergebnis, das so klar klingt, wie es sich anfühlt - zumindest, wenn man auf Seiten der Inselkicker steht.

Dabei begann alles harmlos. In der ersten Halbzeit wirkten beide Teams wie zwei Urlauber, die sich nicht entscheiden können, ob sie lieber ins Meer springen oder an der Bar bleiben sollen. Lanzarote schoss zwar oft (allein 27 Torschüsse am Ende), aber ohne Fortune. Coach Meister Leverkusen rieb sich genervt den Nacken: "Wir hätten auch mit zwei Bällen spielen können, und trotzdem wäre keiner reingegangen."

Granada hielt mit 49,5 Prozent Ballbesitz erstaunlich lange mit - doch das war nur die Ruhe vor dem Sturm. Nach der Pause änderte sich die Stimmung schlagartig. Drei frische Kräfte brachte Leverkusen zur Halbzeit, darunter der 21-jährige Ruben Mantecon, der keine fünfzehn Minuten später Geschichte schreiben sollte.

63. Minute: Emil Musiala, der junge Spielgestalter mit der Übersicht eines alten Schachmeisters, steckt den Ball durch - Mantecon rauscht heran, zieht ab, Tor! 1:0. Das Stadion explodiert. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste der linke Außenverteidiger später verschmitzt.

Granada taumelte, Lanzarote roch Blut. Nur eine Minute später dribbelte Alfonso Tarrega über links, legte quer auf Alberto Fagnano - 2:0. Fagnano, der schon in der ersten Hälfte fast im Minutentakt aufs Tor geschossen hatte, wirkte wie erlöst. "Wenn du 40 Minuten lang nur den Pfosten triffst, fängst du an, mit ihm zu reden", scherzte der Argentinier.

Und dann kam Pierre Bisson. Der 24-jährige Mittelstürmer aus Bordeaux hatte offenbar beschlossen, dass ein Doppelpack zum Dessert dazugehört. Erst traf er in der 73. Minute nach einer schnellen Kombination über rechts, dann in der 82. Minute per Kopf nach einer Ecke von Verteidiger Manuel Tiago - 4:0. "Ich habe Tiago gesagt: Spiel den Ball einfach dahin, wo ich nicht bin - ich laufe schon hin", erklärte Bisson lachend.

Granada? Nun ja. Trainer Earl Hickey stand stoisch an der Seitenlinie, die Hände tief in den Taschen, und murmelte etwas, das wohl kein Lob für seine Defensive war. Sein Team kam auf sechs Torschüsse, drei davon aus der Distanz - und einmal, in der 61. Minute, schien der Ehrentreffer zum Greifen nah. Doch Lanzarotes Keeper Vincent Maurice war auf dem Posten.

In der 88. Minute durfte auch Mittelfeldmotor Georg Heller ran - allerdings nicht mit Worten, sondern mit einem satten Schuss aus 20 Metern, den Fagnano klug vorbereitete. 5:0, die Fans tanzten schon auf den Rängen. Und als die Nachspielzeit begann, legte Bisson noch einen drauf: Flanke vom eingewechselten Sergio Semprun, Kopfball Bisson - 6:0. Der Schlusspunkt eines Abends, der sich anfühlte wie ein Sommerfest in Rot und Gelb.

Statistisch gesehen war das Spiel fast ausgeglichen - 50,4 Prozent Ballbesitz für Lanzarote, 49,6 für Granada. Doch die nackten Zahlen verschleiern, was auf dem Platz geschah: Lanzarote war in jeder Hinsicht wacher, zielstrebiger, schlicht gieriger. Ihre Zweikampfquote? 57,4 Prozent. Ihr Selbstvertrauen? 100.

Coach Leverkusen kommentierte nach Abpfiff trocken: "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen einfach Spaß haben. Offenbar verstehen sie unter Spaß Tore." Sein Gegenüber Hickey hingegen wirkte eher resigniert: "Wir hatten einen Plan. Leider hatte Lanzarote sechs bessere."

So ging ein Spiel zu Ende, das zur Halbzeit noch nach Nullnummer roch und dann in ein Inferno aus Tempo, Präzision und Spielfreude überging. Die Fans verließen das Stadion mit Sonnenbrand im Gesicht und einem breiten Grinsen - und wer Lanzarote CF vor dieser Partie nicht ernst nahm, sollte das spätestens jetzt tun.

Am Ende blieb nur die Frage: War das ein Fußballspiel oder ein Kunstprojekt in Effizienz? Egal, die Antwort gefiel den Gastgebern - und ihre Fans werden noch lange von diesem Abend erzählen.

Oder, wie Fagnano es beim Hinausgehen sagte: "Wenn wir so weitermachen, braucht der Vulkan bald keine Lava mehr - wir übernehmen das Schießen."

04.12.644002 22:15
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Bei diesem Schiedsrichter hätte auch unser Busfahrer eine gelbe Karte bekommen.
Rainer Calmund
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